MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Das Beitragsaufkommen [in den Rentenversicherungen beträgt] auf Grund der Beschäftigung der ausländischen Arbeitnehmer jährlich rd. 1,2 Milliarden DM, während sich die Rentenzahlungen an ausländische Arbeitnehmer jährlich auf rd. 127 Millionen DM, also etwa ein Zehntel, belaufen.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Cem Gülay

„Deutschland braucht die Jugend – und die Jugend braucht Deutschland“

Kein Hollywood-Streifen. Aber ein Leben wie im Film: Als 20-Jähriger startete Cem Gülay seine Gangsterkarriere. Er war in einer Bande organisiert. Sie betrogen und erpressten gewerbsmäßig. Nach sieben Jahren stieg er aus. Heute ist Cem Gülay 39 Jahre alt und Buchautor: „Türken-Sam: Eine deutsche Gangsterkarriere“, hat er gemeinsam mit Helmut Kuhn geschrieben. Er erzählt in seiner Autobiografie über das Leben als Gangster und warnt die Politik vor einer verfehlten Migrationspolitik. Journalist und Autor Murat Ham im Gespräch mit Cem Gülay.

VONMurat Ham

Murat Ham ist in Braunschweig geboren, Diplom-Politikwissenschaftler und ausgebildeter Journalist. Er besitzt mehrjährige Berufserfahrung als Redakteur bei namhaften Print- und Funkmedien und als Redaktionsleiter in der Unternehmenskommunikation. Murat Ham lebt und arbeitet in Berlin. Mehr über ihn unter www.murat-ham.de

DATUM19. März 2010

KOMMENTARE160

RESSORTInterview

SCHLAGWÖRTER , , , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

MiGAZIN: Sie sprechen gutes Deutsch und haben Abitur gemacht an einem bürgerlichen Gymnasium in Hamburg. Dann folgte kein Studium, sondern eine Gangsterkarriere. Was sind die Hintergründe?

Cem Gülay: Mich hat der Alltagsrassismus im Handel, bei der Ausländerbehörde, aber auch in der Schule belastet. Beispielsweise habe ich während eines High-School-Jahres in Florida mitbekommen, dass schwarze und weiße Schüler die Anti-Diskriminierungs-Gesetze respektieren. Rassistische Bemerkungen werden mit Schulverweis geahndet. Doch Deutschland tut sich schwer. Hier herrscht eine andere Realität.

MiGAZIN: Was meinen Sie genau?

Gülay: Als ich zum Beispiel noch Gymnasiast war, wurde ich zum Schülersprecher gewählt. Aber ich habe dieses Amt aus einem Grund wieder abgegeben: Der Schuldirektor sagte, er könne keinen türkischen Schulsprecher dulden. Das war wie ein Schlag ins Gesicht.

MiGAZIN: Sie haben als Gangster etliche Opfer krankenhausreif geschlagen und wollen heute die Jugend schützen …

Gülay: Am Ende geht es um Respekt. Ich wollte als Gangster respektiert werden. Ich suchte meine Chance und fand die Akzeptanz nicht in der deutschen Gesellschaft, sondern im kriminellen Milieu. Der Weg war nicht richtig. Das weiß ich heute auch. Viele Deutsch-Türken fühlen sich ausgegrenzt. Ich kenne das Gefühl.

Murat Ham ist in Braunschweig geboren, Diplom-Politikwissenschaftler und ausgebildeter Journalist. Er besitzt mehrjährige Berufserfahrung als Redakteur bei namhaften Print- und Funkmedien und als Redaktionsleiter in der Unternehmenskommunikation. Murat Ham lebt und arbeitet in Berlin. Mehr über ihn unter www.murat-ham.de.

MiGAZIN: Welches Ziel hat das Buch?

Gülay: Ich weiß genau, wie die Jugend heute im Ghetto tickt. Ob Berlin-Neukölln oder andere soziale Brennpunkte in Deutschland, viele Jugendliche haben keine Perspektive. Sie sind wütend und fühlen sich benachteiligt. Die Politik darf die Generation nicht für verloren erklären. Migrantenkinder sollten nach Quoten vermehrt in deutschen Schulen verteilt werden. Ich will eine echte Chancengleichheit für alle. Deutschland kann sich auch keine brutale Jugend leisten. Deutschland braucht die Jugend – und die Jugend braucht Deutschland.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

160 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Susi sagt:

    Es ist doch immer wieder dasselbe: Moslems sind in keinster Weise zur Selbstkritik fähig (selbst Necla Kelek hat das neulich erst sehr richtig festgestellt und laut ausgesprochen). Immer sind die anderen Schuld am eigenen Versagen. Ist doch seltsam, dass sie die Kriminalstatistik in Deutschland haushoch anführen, obwohl wir Migranten aus aller Herren Länder haben.

    Die Chancen verbauen sich im übrigen diese Jugendlichen selbst in dem sie die Schule schwänzen, im Unterricht nur rumpöbeln, weibliche Lehrer als Respektsperson nicht anerkennen und sich in der Pause quer über den Schulhof prügeln, anstelle regelmäßig zur Schule zu gehen, im Unterricht aufzupassen, Hausaufgaben zu machen etc. Aber ist klar, auch daran sind wieder die Anderen schuld.

    Und zum Thema Respekt: Muslime, besonders deren männliche Vertreter, haben offenbar ein großes Problem damit, zu begreifen, dass man sich Respekt erstmal verdienen muß. Der wird einem nicht in die Wiege gelegt. Und für kriminelles Verhalten und Prügeleien wird man nicht respektiert. Cem Gülay scheint offenbar Respekt mit Angst zu verwechseln.

  2. maria sagt:

    Warum versagen immer die selben, warum ist deren Kriminalstatistik so hoch, warum schwänzen sie die Schule, pöbeln Unbeteiligte unnötig an, warum fehlt es an Respekt …. usw.

    Alles Fragen, deren Antworten im obigen Artikel am Beispiel von Cem Gülay zu finden sind.
    Jugendliche, die keine Anerkennung und Zuwendung finden, suchen sich diese in Gruppen, welche die sogenannte „Stärke“ ihnen geben.
    Solange es aber Menschen gibt, die dies nicht akzeptieren und umdenken, das heißt, Kinder und Jugendliche als gleichwertig annehmen, und sie immer und immer wieder nur als Fremde und damit als Eindringling, nicht Dazugehörige, sehen, so lange wird es keine Lösung geben.
    Daher ist es unsere Aufgabe, sie nicht auszugrenzen sondern zu integrieren. Integration muss nämlich auf beiden Seiten stattfinden, es ist keine einseitige Aufgabe.

  3. Hans sagt:

    Er wurde zum Schülersprecher gewählt und sie reden von mangelhafter Anerkennung? Der böse Schulleiter hat ihm gesagt, dass ein Türke nicht als Schülersprecher tauge und das berechtigt ihn Körperverletzungen zu begehen; anstatt das offen anzusprechen?

    Respekt durch Gewalt wo leben wir denn und sowas wird auch noch entschuldigt um ja nicht sagen zu müssen „der Migrant war schuld“ sondern die bösen Deutschen die jeden Türken zum kriminellen machen. Da kann man ja froh sein, dass Italienische, Vietnamesische, Russische Migranten nicht solch eine Einstellung haben sondern sich zumeist durch Leistung beweisen wollen. Aber natürlich sind Prügel soviel leichter und er hat ja eingesehen, dass der Weg nicht richtig war (liest hier jemand die Entschuldigung an die Opfer`?), und wir müssen jetzt alle dankbar sein das uns Cem mitteilt was die deutschen alles verkehrt machen..

    Meine Familie kommt selbst aus Polen, aber wenn man sowas liest kriegt man doch einen akuten Brechreiz

  4. cem gülay sagt:

    lieber hans,in welchen film lebst du denn?italiener,vietnamesen und russen sind nie gewaltätig?!ach ja deutsche natürlich auch nicht?wenn du mein buch gelesen hättest,dann wüsstest du,dass ich mich oft nur verteidigt habe.ich habe noch nie einen menschen ohne grund angegriffen!auch habe ich vielen deutschen zur seite gestanden,wenn migranten sie ohne grund angreifen wollten.also junge,hör auf zu jammern und zu hetzen,sonst bekomme ih den brechreiz………….

  5. cem gülay sagt:

    liebe susi,jetzt bin ich schon für dich der moslem.30 jahre türke und nun moslem.na du nazi?,wie fühlst du dich jetzt?mit moslems meinst du ja in grunde taliban,al kaida,ehrenmörder usw.sonst ist das was du schreibst recht vernünftig(ausser kelek natürlich).trotzdem alles gute

  6. Hans sagt:

    wer redet davon das sie nie gewalttätig sind? Schau dir mal irgendeine Kriminalstatistik an und erklär mir warum andere Migrantengruppen weniger gewalttätig sind?

    Wo jammere ich in dem oberen Beitrag bitte`?, ich hab nur gesagt, dass das abdriften in eine Gangsterkarriere nicht damit gerechtfertigt werden kann dadurch; dass man einen türkischen Namen hat. Sie jammern von Alltagsdiskrimierung usw. aber an keiner Stelle kam ein Funken von Selbstkritik….. Ich kenne selbst genug gebürtige Türken in guten Jobs, die wirkliche strukturelle Diskriminierung nicht erlebt haben und in ihrem Beispiel die Wahl zum Schülersprecher ist doch gerade ein gutes Beispiel für gelungene Integration, da wäre die Beschwerde bei der Schulbehörde besser gewesen als sich von irgendeinem Rektor so beleidigen zu lassen.

    Das Forum ist doch zum diskutieren da also nicht gleich abdriften in Anreden wie „junge“ …

  7. Mehmet sagt:

    Hätten Sie sein Video gesehen, das vor einiger Zeit auch auf dieser Seite veröffentlicht wurde, hätten Sie gesehen, dass er sich auch selbstkritisch damit auseinandersetzt.

  8. cem gülay sagt:

    Genauso fühlen sich viele von uns auch,wenn ihr undifferenziert ,eure Meinungen los lässt.Ich habe mich entschuldigt und bin sehr selbstkritisch.Bei mir, meiner Familie und Millionen anderer entschuldigt sich bis heute niemand, für die unzähligen ungerechtfertigten Diskriminierungen.Ich muss nicht überall erzählen,dass ich viele Deutsche vor Übergriffe geschützt habe.Das ich junge Menschen abrate die selben Fehler zu begehen und in schulen gehe,Ihnen sage, die sinnlose Gewaltkriminalität gegen Normalbürger sein zu lassen.Ich bin der letzte mensch der Mitleid braucht.Habt ihr immer noch nicht begriffen,dass gegenseitiges anklagen zu nichts führt!.Gerade in Köln bin ich und zwei weitere Steuerzahler und das nicht zuwenig in zwei Clubs abgewiesen worden. Überall auf der Welt kommen wir rein,nur hier ist es immer wieder ein Problem.Ich weiss ,das auch vielen Deutschen unrecht widerfahren ist und das macht mich ebenso traurig.Aber jeder intelligente Mensch weiss doch,dass beide Seiten nicht so weitermachen können.Vor allem müssen wir auch an die nächsten Generationen denken,denn sie sind dafür nicht verantwortlich.Also PEACE.CEM:G

  9. Kai sagt:

    Ich finde, dass das ein gelungenes und spannendes Interview ist. Cem Gülays Argumente sind nachvollziehbar. Freundliche Grüße, K. Lau

  10. municipal sagt:

    @Cem Gülay

    Und wieder wird gejammert und beklagt. Hier ein Zitat aus einem lesenswerten Artikel aus der ZEIT:

    “Träumt ihr türkisch?” – mit Sigmar Gabriel im Moscheenland Ruhr

    Oder: Wie Sigmarg Gabriel auf Migranten-Wählerstimmen-Fang geht, und welche für Ihn merkwürdige Erfahrungen er dabei macht:

    Zitat

    Da platzt es aus Alev Aksu heraus, einer jungen Frau mit Beyoncé-Lockenkopf und Wangen-Piercing: “Sorry. Mir kann keiner erzählen, dass die schlechten Bildungserfolge daran liegen, dass achtzig Prozent Türken in einer Klasse sind. Was spricht denn für ein Selbstbild aus so einer Aussage? Wenn wir zuviele auf einem Haufen sind, lernen wir nicht mehr? Es wird genug getan für die Bildung in diesem Land. Alle Chancen sind da. Aber wenn ich den Lehrer nicht respektiere und mich daneben benehme, kann es eben nichts werden. Setzt euch auf den Hintern und lernt!”Jetzt ist Gabriel verdutzt und hat einen Moment den Faden verloren. Die Jungs schauen verlegen unter ihren Basecaps hervor. Der SPD-Vorsitzende macht Erfahrungen mit einer türkischen Suböffentlichkeit, die offener und härter diskutiert, als sich manche Deutsche trauen.

    Zitat Ende
    http://blog.zeit.de/joerglau/2010/04/01/traumt-ihr-turkisch-mit-sigmar-gabriel-im-moscheenland-ruhr_3577

    Lesenswert !


Seite 1/1612345»...Letzte Seite

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...