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Migration und Integration in Deutschland

Bei dem Lebensalter der ausländischen Arbeitnehmer wirkt sich das z. Z. vor allem für die deutsche Rentenversicherung sehr günstig aus, weil sie weit höhere Beiträge von den ausländischen Arbeitnehmern einnimmt, als sie gegenwärtig an Rentenleistungen für diesen Personenkreis aufzubringen hat.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Optionsmodell

Zahl der Kritiker wächst

Schleswig-Holsteins Justiz- und Integrationsminister Emil Schmalfuß spricht sich gegen das Optionsmodell aus und erntet Zuspruch – Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hingegen lehnt die doppelte Staatsbürgerschaft weiterhin kategorisch ab.

Der schleswig-holsteinische Justiz- und Integrationsminister Emil Schmalfuß (parteilos) spricht sich für die doppelte Staatsbürgerschaft und für die Abschaffung der Optionsregelung aus. Auf der Integrationsministerkonferenz am kommenden Freitag in Düsseldorf möchte er sich dafür einsetzen.

Unterstützung bekam Schmalfuß‘ Vorstoß vom Landesbeauftragten für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen des Landes Schleswig-Holstein, Wulf Jöhnk. „Das Argument der Befürworter des Optionsmodells, dass Mehrstaatlichkeit Integration behindert, ist durch die bisherigen Erfahrungen nicht zu belegen“, sagte Jöhnk gestern in Kiel. Der Zuwanderungsbeauftragte wies darauf hin, dass der Grundsatz, keine Mehrstaatlichkeit zuzulassen, im Gesetz und in der Praxis bereits heute oftmals nicht eingehalten werde.

Hintergrund: Nach dem umstrittenen Optionsmodell besitzen Jugendliche mit ausländischen Eltern nur eine zeitlich begrenzte doppelte Staatsangehörigkeit: Mit Erreichen der Volljährigkeit müssen sie sich entscheiden, ob sie die ausländische Staatsangehörigkeit ihrer Eltern oder die durch die Geburt in Deutschland erworbene deutsche Staatsangehörigkeit behalten wollen. Je nachdem, wie sich die Betroffenen nach Eintritt der Volljährigkeit entscheiden, verlieren sie entweder die deutsche Staatsangehörigkeit oder müssen den Verlust der ausländischen Staatsangehörigkeit nachweisen. Treffen sie keine Entscheidung oder weisen sie den Verlust der ausländischen Staatsangehörigkeit nicht nach, verlieren sie in der Regel die deutsche Staatsangehörigkeit.

Mehrstaatigkeit keine Ausnahme
Insbesondere im Zusammenhang mit Antragseinbürgerungen komme es in der Praxis häufig zu Entscheidungen, die Mehrstaatlichkeit zulassen. Auch in Schleswig-Holstein werde bei ca. 50% der Einbürgerungen eine doppelte Staatsangehörigkeit genehmigt.

Ein entscheidender Kritikpunkt am Optionszwang ist nach Jöhnks Auffassung, dass er die davon betroffenen jungen Menschen in eine schwere emotionale Lage versetzt. Zur Begründung sagte der Beauftragte heute: „Diese jungen Erwachsenen sind in Deutschland geboren und in der Regel hier aufgewachsen. Sie sind in den meisten Fällen gut integriert. Auf der anderen Seite haben sie durch ihre Eltern und ihre Verwandten regelmäßig noch Bindungen an das Herkunftsland ihrer Eltern“, so Jöhnk. Von ihnen zu verlangen, sich von ihrer durch Geburt erworbenen deutschen Staatsangehörigkeit oder der gleichfalls erworbenen Staatsangehörigkeit ihrer Eltern zu trennen, könne für sie eine enorme Belastung bedeuten.

Auch die integrationspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Luise Amtsberg, sicherte Schmalfuß Unterstützung zu. Fast ein Fünftel der in Deutschland lebenden Menschen habe einen Migrationshintergrund. „Eine doppelte Staatsbürgerschaft für junge Menschen mit Migrationshintergrund ist somit keine Bedrohung für unseren Staat, sondern Zeugnis der gesellschaftlichen Realität“, so Amtsberg. Sie hoffe, dass es Schmalfuß gelingt, seinen Koalitionspartner CDU vom Positiven der doppelten Staatsbürgerschaft zu überzeugen.

Herrmann für das Optionsmodell
Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hingegen machte erneut deutlich, dass sie an der Optionsmodell festhalten wollen: „Wir erwarten, dass sich in Deutschland geborene Kinder von Einwanderern nach der Volljährigkeit klar für die eine oder andere Staatsbürgerschaft entscheiden“, sagte er am Samstag in München.

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5 Kommentare
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  1. Non-EU-Alien sagt:

    Ich hoffe, dass Herr Schmalfuß nicht auf taube Ohren stösst…

  2. Az ve Öz sagt:

    Wenn 52,9% der Eingebürgerten im Jahre 2008 , mindestens eine Doppelte Staatsangehörigkeit besitzen, frage ich mich, wen der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) & Co mit der Festhaltung des Optionsmodells ausschliesssen wollen?
    Die Antwort müsste nicht so schwer sein.

    http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Standardartikel/DE/Themen/MigrationIntegration/ohneMarginalspalte/Einbuergerungsstatistik.html?nn=257720

  3. delice sagt:

    Männer und Frauen, die so wie Herr Innenminister Joachim Herman denken sind nicht gerade wenige. Leider leben sie entweder in einer anderen Welt oder man kann ihnen das alles nicht vermitteln, dass sie für etwas stehen oder beharrlich verlangen, was nicht unbedingt der Lebenswirklichkeit entspricht. Da hat sich doch sehr vieles gewandelt. Natürlich haben auch sie recht, dass durch derartige Mär, für Menschen aus Anatolien leider gar nichts geändert hat. Aber ist es dennoch gerecht, vor allem gegenüber uns?

    Da kann man kommen wie man will, mit was auch immer, denn sie sagen immer nur: „Nein!“, und immer wieder nur ein „Nein!“ Man kann Ihnen aus den vorhandenen und aktuellen offiziellen Statistiken, selbst der eigenen Behörden her kommen und auch mit dem längst schon geändeten Gesetz, dennoch behaupten sie trotzig: „Eine doppelte bzw. Mehrstaatigkeit gäbe es im Grunde nicht, und wenn überhaupt sei es eh nur die Ausnahme! “ An diesem Starrsinn kann man sich abreiben wie man will, man kann regelrecht daran verzweifeln! Sie bleiben dabei!

    Aber sie alle sind auch nur Opfer. Opfer ihrer eigen ihnen ausgedehnten und angedeiht langen (Eliten-)Bildung. Bayern ist da ein besonderes Paradebeispiel dafür, wie man an dieser Gehirnwäsche einen bis ins Knochenmark infiltrierten und freiwillig verinnerlichten Hass vorzüglich aufbauen kann. Wenn man ehrlich mit sich selbst ist, verwirklichen sie auch nur diese in ihnen eingetrichterte Ideologie und Dogma. Denn die Türkei und alles was so auch nur ansatzweise türkisch ist, anmutet oder aus der Türkei kommt, ist für sie alleinig schon ausreichend für ein Feindbild, das als solches stets auszugrenzen, auszumerzen und demnach ergo auch zu verfolgen sei. Seien wir doch einmal wirklich ehrlich! Das ist nun mal das ursächliche, der Grund für alles, was uns in deren Augen so Unannehmbar macht. Und da können wir uns ändern wie wir wollen, daran werden und können wir absolut nichts ändern. Diese Scholastik ist über Jahrhunderte hinweg schon über viele unzählige Generation von Bildungsschichten erzieherisch durchgepeitscht worden. Selbst wenn es gelänge hier eine Gegenaufklärung zu veranstalten, es würde zum Scheitern kommen. Denn dieser ungezügelte Hass hat nämlich zwei robuste Standbeine. Es ist zum Einen eine religiös motivierte Grundeinstellung und zum Anderen, auch wenn es im Grunde sein Gegenpart ist, ein anderes Standbein, nämlich die so genannte „Aufklärung“, also dem anhimmeln des Humanismus und des Klassizismus des alten Griechenland, wobei natürlich die Kirche auch vom diesem alten Griechenland geprägt ist. Und so ist auch der überzeugte Atheist ein anderer Gegner des Islams und stellvertretend ist so auch der Türkei sein natürliches Feindbild.

    Wie wir wissen waren gerade die Bayern die Glühendesten Fanatiker in dieser Richtung. Bei der Befreiung vom „Türkenjoch“ über das geliebte Griechenland opferten sich nicht wenige enthusiastische vorgebildete Bayern ihr Leben für dieses Ziel. In Griechenland steht denn auch zu deren Ehren ein Denkmal. Außerdem stellte ein bayerischer Prinz, nämlich Prinz Otto, den ersten König von Griechenland.

    Und da die Osmanen, sprich die Türken zweimal schon die Fahne bzw. Banner des Islams vor Wien trugen und damit im Abendland wedelten, wurden sie dafür persönlich von Rom aus, als die Stellvertreter des Anti-Christen erklärt, eigensinniger Weise neben Luther.

    Es gibt also für Menschen aus der Türkei kein entrinnen vor dieser Wahrheit, wenn sie sich selbst erklären wollen, warum den die Europäer, die Deutschen und im speziellen die Bayern so in Gegnerschaft zu ihnen ist. Denn wer diese und andere Tatsachen nicht erkennt oder ihr die Wahrheit abspricht, wird den Zugang zu diesem beinahe schon ungezügelten Hass nicht verstehen und ergründen können! Sie werden von mindestens zwei Seiten angefeindet. Es gibt also für aufgeklärte und dennoch gläubige (Elitäre) Bayern mindestens zwei Gründe uns zu hassen! Von daher sollte sich niemand mehr wundern, warum gerade die Bayern die Sperrspitze in unserer Sache spielen. Und das wird für alle Ewigkeit so bleiben, die Türken sind nun mal ihr Lieblingsfeind und auch Feindbild Nummer 1! Und das steht wie das Amen in der Kirche!

  4. Non-EU-Alien sagt:

    Es sind ja nicht nur Menschen aus der Türkei von diesen Regelungen betroffen, sondern auch Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien (Kroatien, Bosnien, Serbien, Montenegro, Mazedonien), Albanien, Russland, etc.
    Die Menschen aus der Türkei stellen augenscheinlich die größte Gruppe dar, aber es handelt sich nicht eindeutig um ein „türkenspezifisches“ Problem!

  5. D. E. sagt:

    ist ja auch purer zufall das dieses optionsmodell hierzulande auf türkische mitbürgerInnen maß-geschneidert wurde 😀



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