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Migration und Integration in Deutschland

Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016

Türkische Presse Europa

09.03.2010 – Jugendamt, Islamkonferenz, Touristenvisum

In der türkischsprachigen Presse in Europa vom Dienstag werden besonders die Themen Jugendamt und Islamkonferenz aufgegriffen. Außerdem fordert Böhmer endlich das Gesetz zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Memet Kilic fordert die Aufhebung der Touristenvisa für Türken.

Jugendämter: Streit um die Kinder
ZAMAN und HÜRRIYET greifen erneut die Jugendamtsproblematik auf.  HÜRRIYET schildert dabei zwei Einzelschicksale, in denen die Väter sich darüber beschweren, kaum noch Kontakt zu ihren Kindern zu haben. Treffen würden nur unregelmäßig und dann für kurze Zeit unter Aufsicht eines Jugendamtsmitarbeiters stattfinden. Die beiden Väter wollen sich nun mit anderen Betroffenen organisieren und einen Verein mit Eltern gründen, die vor dem gleichen Problem stehen.

Derweil sucht das Jugendamt München nach Pflegefamilien mit Migrationshintergrund. Im Jahr 2008 hätten 58 der 323 in Pflegefamilien untergebrachten Kinder einen Migrationshintergrund gehabt. Sie würden türkischstämmige Kinder auch gerne in türkischen Familien unterbringen, bisher hätten jedoch keine türkischen Familien sich als Pflegefamilie zur Verfügung gestellt.

Auch in der ZAMAN werden zwei Einzelschicksale vorgestellt. In einem der Fälle hätte die Mutter selbst um die Unterstützung des Jugendamtes gebeten, nachdem ihr Sohn immer wieder die Schule geschwänzt hätte. Daraufhin hätte das Jugendamt jedoch gleich die Tochter der alleinerziehenden Mutter weggenommen. Nach ZAMAN würde sich auch das türkische Konsulat in Köln um die Familien kümmern und die Fälle untersuchen.

Islamkonferenz: Tanz der Konferenz mit dem Islam
Auch am Dienstag wird in den türkischsprachigen Zeitungen die Deutsche Islamkonferenz aufgegriffen. In der ZAMAN stellt Arhan Kardas die Frage nach der Art der Islamkonferenz. Der Begriff selbst erinnere zum einen an solche internationalen Organisationen wie die multilaterale OIC oder dem Namen nach an zum Beispiel die Bischofskonferenz in Deutschland oder den Zentralrat der Juden. Während diese Institutionen jedoch jeweils ihre Religionsangehörigen repräsentieren könnten, wäre dies bei der DIK gerade nicht der Fall. In jenen könnten die Gemeinschaften nämlich selbst über ihr Schicksal entscheiden – ohne staatliche Einmischung. Es stelle sich die Frage, ob der Islam mit der Konferenz oder die Konferenz mit dem Islam tanze. Doch manche der Teilnehmer sollten sich, bevor sie zu einfachen Tänzern werden, überlegen, inwieweit die Richtung der Konferenz mit diesen Vorbildern übereinstimmt.

Ismail Kul fragt in seiner Kolumne nach der Qualität der DIK. Nach der Ausrichtung der meisten Teilnehmer müsse sie sich eigentlich nicht Islamkonferenz, sondern Islamfernekonferenz nennen.  Auch der Umstand, dass Themen wie die Islamophobie in Deutschland nicht auf der Tagesordnung stehen, würden nicht zum Vertrauen in die DIK beitragen. Dennoch wäre die bisherige Form eigentlich konsequent. Mit zum Beispiel der Ernennung von Necla Kelek und Seyran Ates zu persönlichen Beratern des Ministers hätte dieser klar gestellt, dass er sich um seine „eigenen“ Leute kümmert. Auch dass beide Namen als Juroren für Integrationspreise sein sollen, zeige, wie Integration vom Minister verstanden wird. Nun müssten jedoch die teilnehmenden muslimischen Verbände sich vergewissern, inwieweit sie zueinander stehen können, ihre eigene Agenda bestimmen können, inwieweit sie eigentlich bereit sind auf solch eine Konferenz.

Süleyman Bag kritisiert die Form der Konferenz, die zwar als langfristige Dialogplattform angelegt sei, jedoch sowohl die Teilnehmer als auch die Inhalte einseitig von staatlicher Seite bestimmt worden sind. Die Form lasse die DIK  als eine Veranstaltung erscheinen, in der vorgegebene Ergebnisse abgenickt werden sollen. Der Staat entscheide nicht nur darüber, wer teilnimmt, sondern auch über die vermeintliche Nähe oder Distanz dieser Teilnehmer zu sich selbst. Die jetzige DIK stelle keinen Fortschritt dar. Vielmehr hätte der Staat hinsichtlich seiner Entscheidung zum Islamrat den KRM ins Herz getroffen. Offensichtlich sei es für das Innenministerium unangenehm, wenn die muslimischen Verbände sich koordinieren. Dabei war es immer wieder die staatliche Seite gewesen, die einen einheitlichen Ansprechpartner gefordert hatte. Dass der KRM an dieser Konferenz teilnehme bedeute, dass er für sich in diesem Katz-und-Maus-Spiel die Rolle der Maus akzeptiert und das Regiezepter in eigenen Angelegenheiten an den Staat abgibt.

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