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Migration und Integration in Deutschland

Es gab vor allem in der Anfangsphase der Anwerbung von Türken häufige Klagen der deutschen Arbeitskollegen darüber, dass die Türken … an ihrem Arbeitsplatz wie verrückt arbeiten und dadurch die Akkordsätze verderben.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

FDP-Einladung

Thilo Sarrazin zu Gast im Hessischen Integrationsministerium

Zur Diskussionsveranstaltung „Chancen und Grenzen der Integration“ im Hessischen Justiz- und Integrationsministerium wurde auch Thilo Sarrazin eingeladen. Für Die Linke im hessischen Landtag ist das eine Provokation.

Das Hessische Justiz- und Integrationsministerium veranstaltet eine Diskussionsveranstaltung unter dem Titel: „Chancen und Grenzen der Integration“. Als Diskussionsteilnehmer wurden unter anderem der Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Thilo Sarrazin, eingeladen.

Für die Vorsitzende der Linksfraktion im Hessischen Landtag, Janine Wissler ist das nicht nachvollziehbar. „Herr Sarrazin hat hinlänglich unter Beweis gestellt, dass er zum Thema Integration nichts Hilfreiches beizutragen hat. Es ist eine Provokation, ausgerechnet ihn einzuladen“, so Wissler.

Gegen Migranten und Muslime gehetzt
Mit Äußerungen wie „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert“ habe Sarrazin in unerträglicher Weise gegen Migranten und Muslime gehetzt.

Zu Recht habe es Empörung über Sarrazins Äußerungen gegeben. Auch die Deutsche Bundesbank habe eine förmliche Distanzierung veröffentlicht. „Dass dem hessischen Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) ausgerechnet Thilo Sarrazin in den Sinn kommt, wenn er eine Veranstaltung zum Thema Integration plant, ist schockierend. Die FDP begibt sich in beängstigender Weise auf FPÖ-Kurs. Wer geistigen Brandstiftern wie Sarrazin ein Podium im Ministerium bietet, dem liegt Integration sicher nicht am Herzen“, so die Linkspolitikerin.

Eindeutig rassistisch
Ihren Standpunkt unterstreicht die Linkspolitikerin mit einem Gutachten des Potsdamer Extremismusforschers Gideon Botsch vom Moses-Mendelssohn-Zentrum (MMZ). Dieser kam in einer vom Ortsverband Berlin-Spandau in Auftrag gegebenen Studie zu dem Ergebnis, dass Sarrazins Äußerungen „eindeutig als rassistisch“ eingestuft werden müssen (wir berichteten).

Die Aussage „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt und ständig neue Kopftuchmädchen produziert” ziehe eine Logik nach sich, „die tendenziell auf physische Elimination dieser nicht anzuerkennenden Bevölkerungsgruppen aus der Berliner Stadtgesellschaft hinausläuft”, so Botsch.

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6 Kommentare
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  1. bogo70 sagt:

    Lassen wir uns überraschen, vielleicht hat er ja inzwischen konstruktive Vorschläge.
    Im besten Fall überführt er sich in der Diskussion selbst und gibt den Medien neues Futter, für ein paar Wochen.

  2. Pro Diskussionsfreiheit sagt:

    Frau Wissler scheint offensichtlich ein Problem mit der Meinungs- und Diskussionsfreiheit zu haben. Möglicherweise hat sie aber auch das betreffende Sarrazin-Interview nicht gelesen oder zumindest nicht verstanden. Der Rassismusvorwurf ist schlicht unzutreffend und infam. Die öffentliche Diskussion in den vergangenen Wochen hat doch deutlich gemacht, dass es (auch) in Deutschland Integrationsprobleme gibt, über die man offen und ohne Tabuisierung im Interesse aller Beteiligten reden muss. Frau Wissler will aber Sarrazin offenbar nur mundtot machen, wobei sie auch nicht vor dem Mittel der Diffamierung zurückschreckt. Frau Wissler soll sich z. B. mal in Berlin-Neukölln oder Kreuzberg sachkundig machen.

  3. Schmitt Elisabeth sagt:

    Es ist schade, dass man in Deutschland als Rassist beschimpft wird wenn man nur ein kritisches Wort über unsere auslandischen (türkischen) Mitbürger verlauten läßt. Wenn Kreuze in Zimmern eines Krankenhauses abgehängt werden (so geschehen in Bad Soden a.Ts.), weil sich ein muslimischer Patient darüber beschwert hat, regt sich niemand auf, schon gar nicht die Linken.

  4. bogo70 sagt:

    Wollen sie ein Kreuz mit einem Menschen vergleichen? Ganz abgesehen davon das Muslime, Ausländer, Migranten nun mal auch Kritik ertragen müssen, finde ich ihren Vergleich, ganz schön ignorant! Schließlich ist es den meisten kranken Menschen ob Muslime oder sonstwas ziemlich egal was da an der Wand hängt, sie sind froh wenn ihnen geholfen wird. Davon abgesehen, wurde die Kreuzdebatte nicht von Muslimen angestossen, sondern von Atheisten und wenn sich ein Moslem gestört fühlt, spricht der noch lange nicht für alle Muslime. Wer daraufhin sofort das Kreuz abhängt, ist selbst schuld.

  5. Selçuk sagt:

    Sie werden nicht als Rassist betitelt, wenn Sie sich gegenüber andere kritisch äußern. Sie sollten aber nicht unbedingt Sarrazin als Vorbild nehmen. Er ist schießlich nicht der erste, der Kritik übt. Er ist aber ein tolles Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Wenn Sie dennoch seine Art gut finden, sollten Sie damit rechnen, dass Sie von Menschen wie mir kein Gehör finden werden.

  6. […] Hahn (FDP) an einer Diskussionsveranstaltung über die Chancen und Grenzen von Integration teil (wir berichteten). Dort verteidigte er seine umstrittenen Äußerungen über Türken und Araber. Irrelevant sei, ob […]



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