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Migration und Integration in Deutschland

Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.

Hessischer Integrationsminsiter Jörg-Uwe Hahn (FDP), Frankfurter Neue Presse, 7.2.2013

Die Mär vom

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Anlässlich der Feierlichkeiten zur Gründung des Ministeriums für Auslandstürken in der Türkei sprach der Türkische Premier Recep Tayyip Erdogan vor zahlreichen Vertretern türkischer Minderheiten und Moscheevertretern aus dem Ausland.

Erdogan hob die Bedeutung des Ministeriums für die Auslandstürken hervor und definierte klare Ziele für den Beauftragten: „Was ist der Kern oder die Gemeinsamkeit all der verschiedenen Gruppen, die hier anwesend sind? Ich würde sagen: das Bekenntnis zur eigenen kulturellen Identität. Das vereint Sie, verbindet Sie und das lässt Sie trotz unterschiedlicher Lebenssituationen auch immer wieder zusammenfinden und dem Beauftragten sagen, worum es eigentlich in der Ausführung dieser Aufgabe geht. Ich glaube, es ist auch richtig und wichtig, dass wir uns immer wieder vergegenwärtigen, dass es ein ureigenes und auch ein ganz natürliches Bedürfnis ist, die eigene Sprache zu sprechen und die eigenen Traditionen, Sitten und Bräuche zu leben und zu beleben. Genau das soll auch in der Zukunft weitergeführt werden.

In seiner Rede ging Erdogan auch auf Probleme mit Staaten ein, die sich eine Einmischung der türkischen Regierung nicht wünschen. „Das ist nicht immer einfach gewesen; da gab es dicke Bretter zu bohren. Das wird in gewisser Weise auch so bleiben. Es gab eine Menge Skepsis gegenüber unserer Unterstützung. Wir haben immer versucht, dieses Misstrauen abzubauen, allerdings mit einem klaren Kompass, nämlich dass es unser Recht und unsere Pflicht ist, diese Minderheiten auch außerhalb der Türkei zu unterstützen.

Im weiteren Verlauf seiner Rede zitierte Erdogan den türkischen Innenminister Besir Atalay: „Die Qualität einer freiheitlichen Gesellschaft bewährt sich nicht zuletzt darin, wie mit Minderheiten umgegangen wird und wie sich Minderheiten in einer Gesellschaft fühlen.“ Dabei legte Erdogan auf dieses „Fühlen“ ausdrücklich Wert: „Es kann ja sein – das ist auch im Gespräch mit den Titularnationen immer wieder möglich –, dass die meisten finden, alles sei in Ordnung, nur die, um die es geht, fühlen das nicht. Deshalb will ich ausdrücklich sagen: Es geht darum, dass sie sich gut fühlen, und nicht, dass wir oder dass andere Länder glauben, sie täten schon alles, was notwendig ist. Das ist die Grundlage des Gesprächs.

Faruk Celik, Beauftragter für Auslandstürken, hingegen machte auf die Notwendigkeit von türkischen Schulen im Ausland aufmerksam: „Im Zuge einer so verstandenen Hilfenpolitik kommt der Sprachförderung und der Förderung eines türkischen Schulwesens, das an die Bedürfnisse der türkischen Minderheit anknüpft, eine zentrale Bedeutung zu.

Eine klare Ansage
Viel Stoff für kontroverse Diskussionen. Erdogan gibt unmissverständlich vor, dass sie die Minderheiten außerhalb der Türkei dabei unterstützen werden, ihre kulturelle Identität, ihre Sprache, Traditionen, Sitten und Bräuche zu erhalten – zur Not auch gegen den Willen der Titularnationen. Denn entscheidend sei, wie sich die Türken im Ausland fühlten. Sich dafür einzusetzen sei das Recht und die Pflicht der Türkei. Der türkische Beauftragte hingegen scheint die Debatte um türkische Schulen in Deutschland erneut entflammen zu wollen. Insgesamt eine klare Ansage an alle Staaten, in denen türkische Minderheiten leben.

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35 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Erkan A. sagt:

    Es ist doch zumindest für uns Deutschtürken wichtig zu sehen, dass
    sowohl Deutschland als auch die Türkei daran interessiert sind etwas zu tun.
    Wettbewerb belebt den Markt.
    Will die Türkei vielleicht die Rückkehr der Deutschtürken vorbereiten oder wollen Sie
    das Vertrauen wieder aufbauen, damit stärker Investitionen in der TR getätigt werden?

  2. Sanne sagt:

    Oh-oh, das wird nicht besonders gut ankommen in Deutschland.

  3. Den Beitrag sollte man wirklich, wirklich, wirklich bis zum Ende lesen 🙂

  4. Yasar sagt:

    Dieser Artikel ist wunderbar gelungen; er stellt auf so einfache, spielerische und gleichzeitig sehr intelligente Art und Weise die Inkonsistenzen sowie verwendeten Doppelstandards der deutschen Politik in Bezug auf ihre eigenen – neuen – Minderheiten und den deutschen Minderheiten ausserhalb der BRD dar. Gäbe es einen Preis für „beste Artikel“, dann würde ich diesen auf jeden Fall mit einem belohnen.

  5. Ekrem Senol sagt:

    Danke für die Blumen! 🙂

  6. BiKer sagt:

    ein pi-leser (eurabier nennt er sich charmant) kommentiert diesen artikel wie folgt: „Da können wir IntegrationsbeauftragtInnen einstellen bis zum Abwinken, das neugegründete türkische Kolonialisierungsministerium sieht das aber anders, ein eigener Thread sollte das Theman behandeln:“

    herrlich! wer zu ende lies, ist klar im vorteil 🙂 ein eigener thread zum thema wird es bei pi aber nicht geben, lieber eurabier. 🙂

  7. MiGFan sagt:

    Seit Erscheinen dieses Kommentars frage ich mich, wo die ganzen Geister hin sind, die sich bei jeder bietenden Gelegenheit über die unmögliche türkische Einmischung beschweren. Wo seid ihr? Lasset uns diskutieren!

    Danke, Herr Senol! Besser hätte man es nicht machen können.

  8. Mehmet sagt:

    Selbst Trolle sind da stumm 🙂

  9. Selçuk sagt:

    Sie kommen noch, sicherlich! Die Frage ist nur, ob dies dann zu einer sachlichen Diskussion führt. Meine Vermutung ist eher die, dass es nicht der Fall sein wird. Ich hoffe, dass ich mich irre!

  10. Ekrem Senol sagt:

    Die Erfahrung zeigt in der Tat, dass die meisten Leser dann kommentieren, wenn sie etwas auszusetzen bzw. zu kritisieren haben. Einsicht zeigt man – sofern man es überhaupt hat – nicht offen.

    Danke auch Ihnen für die Blumen 🙂


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