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Migration und Integration in Deutschland

Wenn wir Millionen von Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft geben, die sie weitervererben, werden wir eine dauerhafte türkische Minderheit in Deutschland haben. Das bedeutet eine langfristige Veränderung der Identität der deutschen Gesellschaft. Ich bin dagegen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Münchner Merkur, 6.11.2013

Migrantenbiografien

Jung, erfolgreich, türkisch – hierzulande nicht gefragt?

Abitur, Studium, ein erfolgreicher Hochschulabschluss – eigentlich die besten Voraussetzungen für einen reibungslosen Berufseinstieg in Deutschland. Viele erfolgreiche Hochschulabsolventen mit Migrationshintergrund sehen ihre Chancen jedoch nicht in Deutschland, sondern in dem Land, aus dem ihre Eltern einmal eingewandert sind. Sie machen Karriere bei internationalen Firmen oder Institutionen außerhalb Deutschlands.

DATUM16. Dezember 2009

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RESSORTGesellschaft

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Mit den Biografien dieser so genannten bildungserfolgreichen Transmigranten mit Universitätsabschluss beschäftigt sich ein aktuelles Forschungsprojekt der AG Interpäd, ein interdisziplinärer Arbeits- und Forschungsbereich an der Philosophischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover. Unter der Leitung von Prof. Hartmut Griese untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Transmigranten, die heute in der Türkei, in Polen und in Russland arbeiten sowie eine Vergleichsgruppe in Deutschland. Die Kontakte entstehen über Internetforen, Vereine und Zusammenschlüsse von „Rückkehrern“. Die Interviews laufen in Kooperation mit Universitäten vor Ort.

Infobox: Interpäd ist ein interdisziplinärer Arbeits- und Forschungsschwerpunkt an der Philosophischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover, der 1985 am früheren Fachbereich Erziehungswissenschaften von Vertreter/innen unterschiedlicher Fachdisziplinen gegründet wurde.

Dabei stehen zwei Schwerpunkte im Mittelpunkt: Zum einen geht es um die Gründe für den Bildungserfolg. „Warum haben es diese Migrantinnen und Migranten geschafft und andere nicht?“, fragt Dr. Isabell Sievers, Koordinatorin der AG Interpäd. Zum anderen geht es um die Motive, die die jungen Männer und Frauen dazu bewogen haben, ihre berufliche und private Zukunft im Land ihrer Eltern weiterzuverfolgen: „Warum sahen sie hierzulande keine beruflichen Möglichkeiten für sich, und wieso lässt Deutschland sie ziehen?“

Für das Projekt, für das ein Antrag auf Förderung bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DGF) gestellt ist, lief bereits eine einjährige Vorstudie in Ankara und Antalya. In exemplarischen Biografie-Untersuchungen hochqualifizierter Transmigranten konnten die Forscher erste Erkenntnisse sammeln. Der Großteil der Befragten stammt aus klassischen Gastarbeiterfamilien. Gemeinsam ist fast allen, dass eine Person außerhalb der Familie, etwa eine Lehrerin, ein Lehrer oder eine Nachbarin, die jungen Migranten in ihrer schulischen Entwicklung und Ausbildung unterstützt hat. „Aus diesen Erkenntnissen können wir bildungspolitische Rückschlüsse ziehen: Wie können solche erfolgreichen Biografien besser gefördert werden?“, sagt Dr. Sievers.

In den Befragungen habe sich zudem herausgestellt, dass sich viele trotz ihres Bildungserfolges und der perfekten Zweisprachigkeit in Deutschland gesellschaftlich benachteiligt fühlten. Das zeigten Äußerungen wie: „In diesem Land werde ich nie Bürger erster Klasse sein.“ In ihren Herkunftsländern seien die Hochschulabsolventen hingegen äußerst gefragt. Das aktuelle Projekt soll weitere Erkenntnisse über „bildungserfolgreiche Transmigranten“ liefern.

Eine frühere Untersuchung des Instituts futureorg brachte ähnliche Ergebnisse zutage (wir berichteten). Danach sahen 36 Prozent der jungen türkischstämmigen Akademiker ihre Zukunft mehr in die Türkei als in Deutschland.

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8 Kommentare
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  1. Boli sagt:

    Falls es noch niemand gemerkt hat. Die überspitzte wirtschaftliche Entwicklung unterzieht sich zur Zeit einer Art Selbstreinigung. Und das bedeutet auch das Produktionsspitzen runter gefahren werden und Angestellte die kurz vor der Rente sind Abfindungen bekommen und gehen sollen. Und das betrifft ALLE. Wenn also türkischstämmige Leute selbst wenn sie sich erfolgreich gebildet haben dennoch keine Arbeit bekommen liegt dies an Genanntem und unter Anderem am schlechten Ruf der großen Masse der Türken. Das heißt die Chancen sind dann in doppelter Weise schlecht. Und das wird sich erst ändern, wenn sich die Masse der Türken ändert oder ein neuer Wirtschaftsaufschwung aufgrund z.B. neuer Technologien einsetzen würde. Fakt ist jedoch das die Wirtschaftsleistung Deutschlands im Abnehmen begriffen ist. Und ich finde das gar nicht mal so schlimm da vielleicht erst einmal so etwas wie Vernunft in die Köpfe der Menschen kommen wird, sich nämlich wieder einmal auf die kleinen Dinge und Wichtigkeiten im Leben zu konzentrieren.
    Jegliche Schwellenländer wie China, Indien, Türkei usw. mögen vielleicht in naher Zukunft einen Aufschwung erleben. Dies ist jedoch auch kein Wunder da alle 3 Länder immensen Nachholbedarf haben und somit kann es bei Entwicklungen jeglicher Art für diese auch nur erst einmal aufwärts gehen. Allerdings bezweifle ich das dieser Aufschwung von Dauer sein wird, da sich auch in diesen Ländern bestimmt kein Sozialsystem wie in Deutschland etablieren wird (es wird gar kein Interesse bestehen). Demzufolge wird max. die Hälfte der Einwohner besagter Länder irgendetwas davon haben was zu sozialen Miß- und Aufständen führen wird. Man darf nicht vergessen das immer noch Millionen von Menschen in Indien und China hungern. Desweiteren wird der Energiebedarf für diese Länder wie auch der Türkei so immens sein, das es früher oder später zu kriegerischen Konflikten kommen wird, vor allem im Bereich Wasserversorgung. Und die Notwendigkeit das Wachstum unter strengen Umweltschutzbedingungen entstehen zu lassen wird vollkommen untergehen da dies mit dem Wachstumsbestrebungen unmöglich mithalten kann. Man hatte in der Vergangenheit selbst in Deutschland gesehen das es während des Wirtschaftsbooms zu immensen Umweltschädigungen gekommen ist. Und das bei einem Volk von 80 Mill. Menschen. Rechnet man jetzt selbst dei EU als Ganzes kommt man auf 500 Mill. . Indien und China haben aber gut über 2 Milliarden Menschen. Viel Spaß sage ich da nur. Und auch die Türkei muß gut aufpassen das sie letztendlich nicht in einem kurzen Aufstieg tiefer fällt als vorher. Denn die Natur hat uns zu verstehen gegeben, das sie nichts mehr verzeihen wird.
    Somit ist das oben angesprochene Thema wesentlich Tiefgründiger in großen Zusammenhängen verknüpft und wird daher letztendlich im Zuge wichtigerer Themen untergehen.
    Außerdem hat es Ein- und Auswanderung schon immer gegeben. Es ist also völlig normal und wieso sollte es hier anders sein?? Was allerdings die Aufnahme von Heimkehrern insgesamt angeht. Hier haben diese durchaus auch große Probleme und deshalb gibt es zumindest in Istanbul Deutschländerstammtische in denen sich die Betroffenen gegenseitig treffen und unterstützen.

  2. elimu sagt:

    Komisch… warum gibt es denn keine heiße Diskussion über diesen Artikel? Ah ja.. ich weiss schon.. es ist nicht so spannend wie „Ehrenmorde“ oder „Zwangsverheiratungen“… 🙂

    mal schauen.. vielleicht die nächsten Tage.. ist ja noch relativ frisch die Veröffentlichung.

  3. elimu sagt:

    upss…da war ja doch einer 🙂

  4. Nihat sagt:

    dieser Artikel ist sehr interessant und pure Realität.

    Nur wollen die Medien lieber die Hauptschüler und Ehrenmorde zeigen um gezielt und bewusst ein schlimmes Bild über Türken zu realisieren

    Ich selbst bin Türke, habe das Abitur hinter mir und seit Sommer 2009 auch eine Informatikkaufmann Ausbildung super abgeschlossen, mein Ausbildungsbetrieb hat mich aus wirtschaftlichen Gründen (Krise) nicht übernommen.

    Seitdem bin ich arbeitssuchend und stelle fest, dass entweder der deutsche Arbeitsmarkt zurzeit von der Wirtschaftskrise effektiv getroffen wurde oder ich als Türke einfach schneller aussortiert werde. Die Bewerbungsunterlagen von mir sind OK, habe sie x fach kontrolliert und drüberlesen lassen.

    Ich steuere nun an an einer Berufsakademie berufsbegleitend Wirtschaftsinformatik zu studieren, weil ich auch festgestellt habe, dass ich ohne Studium echt zu nichts komme.

    Sollte ich endlich erfolgreich eine Wirtschaftsinformatik Stelle finden und die in ferner Zukunft erfolgreich absolviert haben = sehe auch ICH meine eigene Zukunft in der Türkei!

    Weil ich bin mir sicher und sehe es ja jetzt schon am ÜBERSÄTTIGTEM Arbeitsmarkt Deutschlands: Deutschland brauch mich ABSOLUT NICHT.

    Da behaupte ich mich lieber in einem Land, wo es noch totale Marktlücken gibt (Türkei).

    VIELE GRÜßE,

  5. […] der Uni Hannover untersucht Lebensläufe von Migranten mit hohen Bildungsabschlüssen. (wir berichteten) Professor Hartmut Griese, Leiter der Gruppe, hat während der Arbeit festgestellt, dass viele […]

  6. Thraker sagt:

    @Nihat
    Der deutsche Arbeitsmarkt ist nicht übersättigt. Es gibt nur in Deutschland ein gewaltiges Problem, wenn du nicht 22 Jahre alt, ledig, ein abgeschlossenes Hochschulstudium und mindestens 10 Jahre Berufserfahrung vorweisen kannst und nicht für ein Zeitarbeitsunternehmen für 2200 Euro Bruttolohn arbeiten willst, bist du nicht gefragt. Und wenn du dann auch noch ein Ausländer bist, kannst es eh vergessen.

    Am 19. Juni dieses Jahres um 13:10 fliege ich ja vom Frankfurter Flughafen in die Türkei und trete dort eine Stelle in einem großen türkischen Konzern an. Zu mir, Abitur, kaufm. Ausbildung, Hochschulstudium und zukünftiger Rückwanderer. Auswanderer will ich mich nicht nennen, weil ich hier nie zuhause war, selbst wenn ich hier geboren wurde.

  7. Oh Mann…! Noch ein TASD, den der deutsche Standort verloren hat. :-S

    Thraker, da du Rückkehrabsichten hast, solltest du dir den folgenden Link gut merken:

    http://www.zav-reintegration.de/

    Herzliche Grüße
    Kamuran Sezer

  8. Mehmet sagt:

    Das kann man diesen Leuten nicht „übelnehmen“. Je nachdem, wie schwerwiegend die Benachteiligungen in Deutschland für den einzelnen waren, entscheidet jeder, wann es zuviel wird. Obwohl ich nicht „zurückkehren“ werde (in die Türkei wäre es nämlich für mich zumindest kein „zurück“), kann ich ihn sehr gut verstehen.



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