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Migration und Integration in Deutschland

[Es würde im Interesse der deutschen Arbeiter liegen, wenn wir sie zu Fachkräften ausbilden.] Dafür müssen wir natürlich dann die relativ primitiveren Arbeiten … von ausländischen Arbeitskräften besorgen lassen.

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, NWDR-Interview vom 9. April 1954

Thilo Sarrazin

Geistige Brandstiftung aus Langeweile

Thilo Sarrazin sorgt erneut mit provokanten Äußerungen für Schlagzeilen. Der Bild-Zeitung zufolge forderte er ein Kopftuchverbot für Schülerinnen und mehr Integrationsdruck auf Migranten. Seine Kritiker werfen ihm geistige Brandstiftung und das Schüren eines Kulturkampfes vor.

Ferner bezeichnete Sarrazin Kopftücher als „Symbol des Machtanspruchs des Mannes über die Frau“. Zur besseren Integration schlug er vor: „Erstens den Zuzug begrenzen. Zweitens diejenigen, die da sind, unter Integrationsdruck setzen. Politik und Gesellschaft müssen eine Erwartungshaltung herstellen.“ Außerdem würde er „in Schulen darauf bestehen, dass man Deutsch redet.“

Geistiger Brandstifter
Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth kritisierte Sarrazins Äußerungen und forderte seine Entlassung aus dem Vorstand der Bundesbank. „Sarrazin ist in einem öffentlichen Amt längst nicht mehr zu rechtfertigen und gehört deshalb von der Bundesbank endlich gefeuert“, erklärte Roth in einer Pressemitteilung. Sarrazins Aussprüche zeigten „einmal mehr die Unfähigkeit, Minderheiten mit Respekt gegenüber zu treten“.

Infobox: Letzte Woche veröffentlichte die ARD eine Studie nach der sich nur 22 Prozent der Deutschen keine Sorgen machen, dass sich der Islam in unserer Gesellschaft zu stark ausbreitet. 39 Prozent haben ein wenig Sorge und 36 Prozent machen sich große Sorgen um eine Expansion des Islams.

Für Christine Buchholz (Die Linke), Mitglied des Parteivorstandes, ist der Vorstoß Sarrazins klar: „Er schürt weiter Ängste vor dem Islam.“ Sarrazins Angriffe seien in Kombination mit der Studie aus vergangener Woche “in höchstem Maße beunruhigend“ (siehe Infobox rechts). Sei es doch nicht das erste mal, dass in Zeiten wirtschaftlicher und sozialer Krise versucht werde, mit rassistischen Parolen von den Ursachen derselben abzulenken. „Sarrazin betätigt sich als geistiger Brandstifter“, so Buchholz.

Sarrazin hat Langeweile
Das Präsidiumsmitglied der Islamkonferenz, Badr Mohammed, bezeichnete Sarrazin in einem Bericht der „Berliner Morgenpost“ als einen „gefährlichen Prediger auf der christlichen Seite“. „Ich rufe Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, diesen Kulturkampf so schnell wie möglich zu beenden“, sagte Badr.

Auch der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening (Grüne) nahm Stellung zu Sarrazins provokanten Äußerungen. Das Kopftuchverbot sei „mit unserer Verfassung in keiner Form vereinbar“, sagte er der „Welt am Sonntag“. „Herr Sarrazin sollte ins Grundgesetz schauen: In unserem Land herrscht Religionsfreiheit“, sagte Piening weiter. Nach den jüngsten Äußerungen werde es wohl wieder eine Debatte um seine Funktion als Bundesbank-Vorstand geben. „Als Bundesbank-Vorstand wurde er vom Bundespräsidenten ernannt. Wenn so eine hoheitliche Institution so einen gefährlichen Unsinn erzählt, wird es schwierig“, so Piening.

Sarrazins Forderung nach einem Kopftuchverbot rief auch bei der SPD Unverständnis hervor. „Der Vorschlag ist weder neu, originell, realitätsnah noch verfassungsgemäß“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer, Christian Gäbler. „Ich weiß nicht, was Sarrazin dazu bewegt, vielleicht langweilt er sich in Frankfurt.“

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30 Kommentare
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  1. Mehmet sagt:

    Den Text kann man auch umwandeln:


    Dies geht jedoch mit deinen religiösen Einstellungen konform. Ein Dresscode, welcher nur mit der religiösen Einstellung einer Religionsrichtung konform geht, ist ein sehr intoleranter Dresscode.
    Letztendlich ist es doch so: Die Menschen in Deutschland weigern sich, den Hut bei Juden und die Ringellöckschen als eine mögliche Form der äußeren Erscheinung anzunehmen und grenzen somit jeden aus, der dieser Regel nicht folgt.
    In einem Callcenter sitzt ein Herr mit Hut und Ringellöckchen. Er trägt es aus Überzeugung und kein Schwein regt sich drüber auf. Er ist supernett und macht ihr Arbeit auch sehr gut. Bald wird anfangen zu promovieren. Und JA, man kann erfolgreich im Job sein UND einen diesen Stil haben. NUR will es der intolerante Großteil der Gesellschaft nicht.
    Ich persönlich halte nichts von Ringellöckhen und Hüten, habe aber auch nichts dagegen, wenn jemand so etwas tragen möchte. Nur verstehe ich die aversive Haltung der Deutschen nicht. Meinetwegen soll man die Dinger verbieten. Jedoch mit einer Bedingung: Deutschland sollte sich dann auf die Fahne schreiben, dass es ein intolerantes Land ist. Auf Kongressen soll dann gesagt werden: “Als intolerantes Land, welches in gebildeten Arbeitsumgebungen mit Hüten und Ringellöckchen verbieten will…..” Weiterhin soll noch hinzugefügt werden:” Als Putzen sind Menschen mit Ringellöckchen NOCH ok.” Oder noch besser: “Das Grundgesetz sollte für Menschen mit Ringellöckchen nicht gelten.”
    Wenn Deutschland sich SO präsentiert, dann können sie auch Ringellöckchen und Hüte verbieten.“

    Ich habe hier nur die Kopftücher mit Hüten und Ringellöckchen vertauscht. Die Interpretation überlass Ich anderen.

  2. HoKo sagt:

    Wieso? warum kann es nicht sein, dass mir meine Religion befiehlt, dauernd Muskelshirt und Bermuda-Shorts zu tragen? Ist halt eine kleine Religion. Es ist intolerant, wenn Du Dich über meine Religion lustig machst, nur weil meine religiösen Gefühle das Tragen von Muskelshirts und Bermuda-Shorts verlangen. Was für ein kopftuch gilt, muss auch für Bermuda-Shorts gelten. Jeder, der sich aufregt, dass Frauen mit Kopftüchern nicht überall mit Kopftuch arbeiten dürfen, müsschen sich auch darüber aufregen, dass Bermudashorts-Träger nicht überall arbeiten dürfen.

  3. Boli sagt:

    Wie sich jemand kleidet, sollte generell IMMER Privatsache sein.

    “Dann versuch mal, in einer Bank einen Job zu bekommen, wenn Du in Bermuda-Shorts und Muskel-Shirt erscheinst.”

    Richtig! Und da wo die Arbeit anfängt hört bei vielen Jobs die Privatsache auf. Wie schon gesagt: Bank, Anwaltskanzlei, Beamter, Fabrikarbeiter bei Mercedes usw. das sind alles Jobs die sehr häufig einem Dresscode unterliegen. Wenn die Frau Christin und Nonne werden möchte wird das mit dem Kopftuch auch bei uns in Ordnung gehen. Ansonsten kenne ich keinen Beruf etc. der eine Kopfbedeckung zulässt. Außerdem so wie ich den Bericht gelesen hatte ging es doch vorher auch das mit der Arbeit das Kopftuch eben runter kam. Jetzt auf einmal nicht mehr. Empfinde ich als reine Provokation und dumm dazu weil Job weg.

  4. Boli sagt:

    Das Problem mit dem Kopftuch ist gegenüber Folgendem noch richtig harmlos. Die Franzosen sind schon einen Schritt weiter:

    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Wenn-Muslime-Geburtshelfer-niederschlagen/story/24584619

  5. bogo70 sagt:

    In Bermuda und Muskelshirt, wie mit weissen Tennissocken und Latschen elegant zu erscheinen, dürfte tatsächlich schwer fallen. Wohingegen manche verhüllte Frau schon fast zu sexy erscheint für ein Kopftuch.
    Ist doch alles Schmarrn, Intoleranz und die Entwicklung in einer Ellenbogengesellschaft die nichts akzeptiert als ihr eigenes abgehobene Ego, der einzige Faktor der es Menschen die sich anders entschieden haben verwehrt an der Erfolgsgesellschaft teilzunehmen. Möchte zu gern wissen wie es ist, wenn dieses ganze Geldsystem nicht mehr funktioniert und nur noch diese sogenannte Unterschicht weiß wie man Kartoffeln anbaut oder ein warmes Essen auf den Tisch bringt. Das wird bestimmt lustig.

  6. Anne sagt:

    Die Situation in Frankreich und Belgien ist, was ein Kopftuchverbot an Schulen angeht, nicht vergleichbar mit der in Deutschland. In beiden Ländern besteht keine Schulpflicht wie in Deutschland, sondern eine Unterrichtspflicht. Sprich: die Mädchen können zu Hause oder in Gruppen lernen und müssen nur zu jährlichen Prüfungen antreten (und da, hat man mir gesagt, sei man in Frankreich über das Kopftuchverbot hinweggegangen). In Deutschland hingegen hätten die Mädchen nur die Wahl zwischen Kopftuch abziehen oder im Ausland die Schule besuchen ….

  7. HoKo sagt:

    Ich bezweifle sehr, dass ausgerechnet „die Unterschicht weiß wie man Kartoffeln anbaut oder ein warmes Essen auf den Tisch bringt“. Witrd das auf rtl2 gezeigt?

  8. Selçuk sagt:

    Was ist denn das bitte für eine Argumentation? Sie sollten sich nicht irgendwelche „Pseudo-Religionen“ ausdenken, nur um damit Ihre Begründungen stützen zu können. Warum soll eine Arzthelferin kein Kopftuch tragen können, solange sie ein gepflegtes bzw. sauberes Erscheinungsbild hat, was ja für diesen Beruf besonders wichtig ist? Das eigentliche Problem hat nichts mit der vorgeschriebenen Kleiderordnung bzw. einem Dress-Code zu tun. Das Problem ist unter anderem, dass ein Teil dieser Gesellschaft das Bild einer Frau, die ein Kopftuch trägt, nicht sehen will.

  9. NDM sagt:

    Sarrazin arbeitet ganz offenbar intensiv daran, die SPD-Wahlergebnisse an den Zinssatz für Dispoüberziehungen anzugleichen…

    Hier und dort wird gesagt, dass die Wirtschaftskrise noch weitere Sarrazins hervorrufen könnte. Bereits zu Anfang des Jahres wurde in der Presselandschaft deutlich gemacht, dass die Wirtschaftskrise rechtsextreme Denkmuster stärken könnte – was ja z.Zt. auch innerhalb mehrerer Parteien passiert. Die Rechtsextremen mit ihren Anti-Minarett- und Anti-Moschee-Aktionen setzen dem ganzen lediglich das I-Tüpfelchen drauf.

  10. hoko sagt:

    was man privat macht, bleibt jedem selbst überlassen. Ob die Frau zu Hause, beim Einkaufen oder beim Schlittschuhlaufen also ein Kopftuch, ein Prada-Kostüm oder einen Kartoffelsack trägt, ist nur ihre Entscheidung. Das muss jedem vollkommen egal sein, niemand darf hier jemandem was vorschreiben. Wenn sie aber eine öffentliche Rolle einnimmt, in diesem Fall eine Rolle als Arbeitnehmerin, muss sie kompromissbereit sein und sich an Dresscodes halten. Wenn nicht, dann muss sie halt auf die Einnahme einer Rolle (hier: Arbeitsplatz) verzichten. Das ist ihr Problem.
    Wenn mein Arbeitgeber will, dass ich im Büro einen Anzug trage, dann muss ich das tun, ich trage viel lieber Jeans und T-Shirt, ich finde Krawatten schrecklich unbequem. Zu Hause trage ich also nie einen Anzug, allerdings muss ich in der Arbeit kompromissbereit sein.
    Wer entscheidet eigentlich, was eine Pseudo-Religion ist und was nicht? Gibt es in Deutschland schon einen religiösen Wächterrat, der darüber befindet?


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