MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

Alex W.'s Anwalt

Chance vertan, nach den Ursachen zu fragen

Vorabmeldung – Veikko Bartel, Strafverteidiger von Alex W. im Dresdener Mordfall, spricht in einem Interview mit MiGAZIN über den Umgang der deutschen Presselandschaft mit dem Fall, über seine Berufung und das Urteil.

Veikko Bartel sei Strafverteidiger geworden, weil er ein „geradezu sentimentales Verhältnis zur Gerechtigkeit“ habe. Für seine Arbeit als Strafverteidiger sei daher nicht wichtig, welche Nationalität sein Mandant habe oder welche „Religion oder Gesinnung“. Als bekannt geworden sei, dass er Alex W. verteidigen wird – den Mörder von Marwa El-Sherbini, habe er viel Post von „Extremen beider Seiten“ bekommen, die ihn betroffen gemacht haben.

Im Gespräch mit MiGAZIN kritisiert er, dass Medien einzelne Zitate von ihm „aus dem Zusammenhang gerissen“ hätten und bedauert, „dass man in diesem Verfahren die Chance vertan hat, auch danach zu fragen, wie denn eine solch völlig inakzeptable persönliche Meinung, so ein Hass auf Muslime bei einem Menschen entsteht.“

Mitursächlich für die Tat in Dresden sieht Bartel „das nahezu tagtägliche Schüren von Angst vor islamischem Terrorismus in den Medien und die Instrumentalisierung dieser Angst“. Das allerdings verkaufe sich nicht. „Aber es verkauft sich bei ‚Spiegel Online‘ oder in der ‚Süddeutschen‘, mir zu unterstellen, ich hätte gesagt, der Islam wäre schuld.“

Das Urteil habe ihn nicht überrascht. Es sei auf Basis der in der Hauptverhandlung erhobenen Beweise vertretbar. Gleichzeitig, so der Strafverteidiger, sei es „objektiv kein gerechtes Urteil“.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...