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Migration und Integration in Deutschland

Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

German Marshall Fund

Breiter Zuspruch für Einwanderungspolitik in Deutschland

Der German Marshall Fund untersucht, wie Europäer und Amerikaner ihre Einwanderer beurteilen. Ergebnis: Wirtschafts- und Finanzkrise keinen bedeutenden Einfluss – die politische Orientierung umsomehr. In Deutschland findet die Einwanderungspolitik breiten Zuspruch.

Eines der Kernaussagen der Transatlantic Trends Umfrage ist, das Befragte in allen Ländern die Anzahl von Einwanderern in ihren Ländern weit überschätzen. U.S.-Amerikaner schätzen den Anteil von Immigranten in ihrer Gesellschaft auf 35% der Gesamtbevölkerung obwohl der tatsächliche Anteil bei 14% liegt, Kanadier auf 37% (tatsächlich 20%). Europäer schätzen den Immigrantenanteil auf durchschnittlich 24% – Deutsche sogar auf 33 %, obwohl Deutschland und Spanien mit nur 13% den höchsten Prozentanteil an Immigranten in Europa haben. „Die verbreiteten Fehleinschätzungen über die Anzahl von Einwanderern in den Vereinigten Staaten, Kanada und Europa sind ein Lehrstück für die jeweiligen Regierungen“, kommentiert GMF Präsident Craig Kennedy. Die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit könne die Debatte spürbar beeinflussen.

Transatlantic Trends: Immigration ist ein Projekt des German Marshall Fund of the United States in Kooperation mit der Lynde und Harry Bradley Stiftung (U.S.A.), dem Barrow Cadbury Trust (U.K.), der Compagnia di San Paolo (Italien) sowie zusätzlicher Unterstützung von der Fundación BBVA (Spanien). Sie misst die öffentliche Meinung zum Thema Einwanderung in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Spanien. Den vollständigen Bericht und Basisdatensatz finden Sie unter: www.transatlantictrends.org

Bei diesen starken Abweichungen müsse allerdings berücksichtigt werden, dass die Studie nur Einwanderer der ersten Generation als Immigranten zählt. Einwanderer der zweiten und dritten Generation, die in vielen Fällen bereits eingebürgert sind, aber von der Bevölkerung dennoch als Immigranten wahrgenommen werden, erfasst die Statistik nicht. Eine generelle Skepsis gegenüber Einwanderern lasse sich aus diesen Zahlen aber nicht ableiten.

Ein weiterer Befund ist, dass nahezu in allen Ländern, außer den USA, diejenigen Befragten, deren finanzielle Situation sich im vergangenen Jahr verschlechterte, legale Einwanderung skeptischer betrachtet. Dennoch habe die Wirtschafts- und Finanzkrise keinen bedeutenden Einfluss, sagt Antje Ziebarth, Projektleiterin der Studie. Politische Orientierungen hätten einen weitaus stärkeren Einfluss: Die zum konservativen Lager in Europa bzw. zum Lager der Republikaner in den Vereinigten Staaten gehörenden Befragten verzeichneten einen 7- bzw. 15-prozentigen Anstieg im Vergleich zu 2008 zur Frage, ob Zuwanderung eher ein Problem als eine Chance ist.

Weitere Studien und Umfragen rund um Integration und Migration im MiGAZIN Dossier.

Große Zustimmung über die Einwanderungspolitik
Die Meinungen darüber, wie gut Regierungen das Thema Einwanderung handhaben, gehen in den befragten Ländern weit auseinander. Britische (71%), spanische (64%), U.S.-amerikanische (63%) sowie italienische (53%) Befragte beurteilen die Politik ihrer Regierungen im Umgang mit Einwanderung eher negativ und sagen mehrheitlich, dass ihre Regierungen „schlechte oder sehr schlechte“ Arbeit geleistet haben. Die höchste Zustimmung herrscht in Deutschland, wo 71% der Befragten die Regierungspolitik als eher positiv beurteilen.

Breite Unterstützung für gleiche politische Mitwirkungsrechte
Wenn es darum geht, Zuwanderern die gleichen politischen Mitwirkungsrechte zu geben, sieht es in fast allen Ländern gleich aus. Mehrheitlich ist man dafür, dass Zuwanderer die gleichen politischen Mitwirkungsrechte wie Staatsbürger des Aufnahmelandes haben sollten. Nur in Deutschland sind die Befragten geteilter Meinung, 50% unterstützten diese Maßnahme; 49% sprechen sich dagegen aus.

Eine mehrheitliche Unterstützung für die Ausweitung von Kommunalwahlrechten für legale Einwanderer findet sich lediglich in Frankreich (65%), Italien (53%) und Spanien (52%); in Deutschland sprechen sich nur 46% für das Kommunalwahlrecht von legalen Einwanderern aus; 52% meinen, dass dieses Recht deutschen Staatsangehörigen vorbehalten sein sollte.

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