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Migration und Integration in Deutschland

Nur die wenigsten dieser deutschen Arbeiter werden in dieser Situation mit den Ausländern solidarisch sein. Die meisten werden sich aggressiv von den Ausländern abgrenzen und bei ihnen die Verantwortung für die eigene schlechte Position suchen.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Türkische Presse Europa

02.12.2009 – Schweizer Minarett-Verbot, WDR, Geduldete

In den Europaausgaben türkischer Tageszeitungen ist das Ergebnis der Volksabstimmung in der Schweiz zum Minarett-Verbot Top-Thema. Zahlreiche Nachrichten, Berichte, Stimmen und Kommentare aus dem In- und Ausland füllen nahezu sämtliche Europabeilagen.

Minarett-Verbot in der Schweiz
Bei jeder Gelegenheit prahlt die Schweiz und möchte der Welt immer wieder Nachhilfeunterricht in Sachen Demokratie geben. Nun aber ist sie stark in die Kritik geraten wegen der Volksabstimmung zum Minarett-Verbot.

Die Schweiz hat die Religionsfreiheit zum Gegenstand einer Volksabstimmung gemacht und sie damit zur Disposition gestellt. Sie ist jetzt das erste Land auf der Erde, dass ein Minarett-Verbot hat, heißt es in der TÜRKIYE. Weitere Stimmen aus der TÜRKIYE:

  • Erinnert an 1930 (Stellvertretender Vorsitzender der COJEP in Frankreich, Veysel Filiz)
  • Minarett ist ein Teil der Moschee (Vorstandsmitglied der Zentrum-Moschee in Liege, Ömer Köcyigit)
  • Ausländerfeindlichkeit steigt (Vorsitzender Verbund türkischer Vereine in Belgien, Sedat Kaya)
  • Geschichtlicher Schmach (TAVAK Vorsitzender Faruk Sen)
  • Deren Gedankengut ist jetzt geoutet (HÜR TÜRK Vorsitzender Hasan Tekin)
  • Gegen Grundrechte (Grünen-Bundestagsabgeordneter Memet Kilic)
  • Offener Skandal (Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, Oguz Ücüncü)
  • Gegen den Islam (Grünen-Vorsitzende Claudia Roth)
  • Demokratie auf dem Papier (Vorsitzender des Europäischen Verbunds türkischer Vereine, Recep Yildirim)
  • Vorurteile müssen abgebaut werden,(NRW-Integrationsminsiter Armin Laschet)

In der ZAMAN ist zu lesen, dass das Minarett-Verbot die Demokratie, Menschenrechte und die Religionsfreiheit schwächt. Des weiteren wird darauf hingewiesen, dass deutsche Politiker den Schweizer Minarett-Verbot kritisieren. Es widerspreche der Religionsfreiheit. In Deutschland wäre ein Minarett-Verbot nicht vorstellbar. Es werden Uwe Hahn, Armin Laschet,Hans-Jochen Jaschke, Jerzy Montag und Alois Glück wiedergegeben.

Außerdem fragt Dr. Mehmet Hasgüller in der ZAMAN, ob die Lösung gegen die Islamophobia in Europa die EU-Mitgliedschaft der Türkei ist. Er ist der Ansicht, dass die Politik neue Wege gehen muss, die Muslime mit einbezieht. In Zeiten, in der der Islam und der Terrorismus gleichlautend verwendet werden, sei die EU-Mitgliedschaft der Türkei ein wichtiger Schritt. Vertreter eines demokratisch-islamischen Landes im EU-Parlament könnten dazu beitragen, dass Muslime anerkannt werden.

„Auch die Deutschen sagen Nein zur Minarette“ titelt die MILLIYET und beruft sich auf verschiedene Umfragen in Deutschland. Es hätten sich 80 Prozent gegen die Minarette ausgesprochen und lediglich 18 Prozent dafür. „Angst in der Schweiz“ lautet eine weitere Schlagzeile mit großen Letttern. Außerdem fasst die MILLIYET verschiedenen Stimmen zusammen und resümiert, dass das Image der Schweiz großen Schaden genommen hat. Auch Reaktionen aus der Türkei räumt die MILLIYET Raum ein:

  • Recep Tayyip Erdogan, Premier: In dieser Zeitrechnung geht das nicht
  • Agdullah Gül, Präsident: Schweizer Schande
  • Deniz Baykal, Vorsitzender der CHP: Das ist Gedankengut
  • Devlet Bahceli, MHP: Schwarzer Fleck

„Minarett-Verbot ist primitiv und nicht zeitgemäß“ titelt die HÜRRIYET und gibt Stimmen aus der Türkei und der Welt wieder. Dabei fasst sie u.a. Zeitungen aus den USA und den Niederlanden zusammen. Breiten Raum nimmt ein Interview der HÜRRIYET mit Sebastian Edathy (SPD) ein, der den Verbot als „Schwarzer Tag für die Schweiz und für die Demokratie“ bezeichnet.

Bringt eure Gelder in die Türkei
Unterdessen habe der türkische Minister Egemen Bagis Muslime aufgefordert, ihre Gelder von der Schweiz in die Türkei zu transferieren. Die Türen der türkischen Banken stünden offen. Während der Wirtschaftskrise hätten sich die türkischen Banken als krisensicher erwiesen und böten genügend Sicherheit, ist in der ZAMAN zu lesen. Die HÜRRIYET räumt der Aufforderung von Bagis ebenfalls großen Raum ein. Bagis habe die Schweiz als ein „Open-Air Museum für Toleranz“ bezeichnet und gefordert, den Verbot wieder aufzuheben.

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5 Kommentare
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  1. Krause sagt:

    „Unterdessen habe der türkische Minister Egemen Bagis Muslime aufgefordert, ihre Gelder von der Schweiz in die Türkei zu transferieren. Die Türen der türkischen Banken stünden offen. Während der Wirtschaftskrise hätten sich die türkischen Banken als krisensicher erwiesen und böten genügend Sicherheit, ist in der ZAMAN zu lesen.“

    Die Türkei hat als erstes islamisches Land wirtschaftliche Boykottmaßnahmen verlangt. Auf einen solchen Brückenbauer in die islamische Welt kann Europa sehr gut verzichten.

  2. municipal sagt:

    Ausgerechnet die Türkei, die in jedem Fortschrittsbericht der EU bezüglich der Gewährung von Religionsfreiheit angemahnt wird, erlaubt sich derartige Vorwürfe, mit einer Wortwahl
    (z.B. von Premierminister Erdogan), die unerträglich ist.

  3. Anne sagt:

    Da jammern unsere Spezial-Kommentatoren schon mal prophylaktisch. Denn das mit dem Geld, das könnte gerade der Schweiz richtig weh tun:

    • Saudi-Arabien 13,5 Milliarden Dollar
    • Vereinigte Arabische Emirate 6,9 Milliarden Dollar
    • Indonesien 6,6 Milliarden Dollar
    • Türkei 3,9 Milliarden Dollar
    • Libanon 3,5 Milliarden Dollar
    • Malaysia 3,3 Milliarden Dollar
    • Kuwait 2,3 Milliarden Dollar
    • Syrien 1,5 Milliarden Dollar
    • Jordanien 1,5 Milliarden Dollar
    • Iran 1,1 Milliarden Dollar
    • Marokko 1,0 Milliarden Dollar
    • Pakistan 1,0 Milliarden Dollar

    Quelle: Hürriyet.

  4. Krause sagt:

    @ Anne. Ich jammere nicht. Mir ist es egal, ob das Geld abgezogen wird oder nicht. Ich kann nur dieses verlogenen Brückenbauer-Geschwätz nicht mehr hören, von jemand der seit 2 Jahren eher Öl ins Feuer gißt.

  5. Boli sagt:

    @Anne

    Das Geld von dem Sie sprechen gehört eh nicht den Schweizern. Sie verwahren es nur. Es sind schnell überschlagen ca. 46 Milliarden Euro. So viel Geld ist das auch wieder nicht. Außerdem könnte ein Abzug von Geld aus muslimischen Ländern auch schnell dazu führen das westliche Anleger ebenso ihr Geld aus entsprechenden Ländern abziehen und vielleicht sogar wichtige Investitionen zurückziehen. Denn in der islamischen Welt gibt es wesentlich mehr Investitionsbedarf als in Europa. Es ist eh eine Schande wie die Machthaben in Saudi-Arabien das ganze Petrogeld nicht in die Bildung und Entwicklung im islamischen Raum nutzen sondern so viel verprassen und das Volk so lange ruhig stellen indem sie Gesundheitsleistungen umsonst bekommen.



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