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Türkische Presse Europa

21.11.2009 – Religionsunterricht, Sarrazin, Dogan, Springer

In der türkischsprachigen Presse in Europa kommt erneut der hessische Integrationsminister zum Thema islamischer Religionsunterricht zu Wort. Außerdem wird eine Umfrage zur Wertewelt von Türken in Deutschland vorgestellt. Weiterhin soll das Verfahren gegen Thilo Sarrazin eingestellt werden. Außerdem wird das Personalkarussel im Auswärtigen Amt und der Ärztemangel in Deutschland thematisiert.

Islamischer Religionsunterricht wird in das Bildungsprogramm aufgenommen
Mit dieser Aussage zitiert die SABAH den hessischen Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn. Der Unterricht für muslimische Schüler soll demnach unbedingt seinen Platz im Bildungsprogramm einnehmen. Sie würden immer noch nach dem geeigneten Partner auf muslimischer Seite suchen. Wenn dies nicht gelinge, werde ein Unterricht für alle Konfessionen in Betracht gezogen werden können. Er würde es jedoch vorziehen, wenn jede Konfession einen eigenen Unterricht hätte.

Türken wollen verstanden werden
Die TÜRKIYE berichtet von einer Umfrage der Liljeberg Research International, wonach 82 % der befragten Türken eine größere Berücksichtigung ihrer Besonder- und Gewohnheiten fordern. An der Vorstellung der Umfrage in Berlin nahm auch die frühere Ausländerbeauftragte von Berlin, Barbara John, teil. 45 % der Befragten äußerten demnach, sich als nicht erwünscht zu fühlen. 54 % meinen, die gleichen Bildungsbedingungen wie Deutsche zu haben. 42 % der Befragten äußerten eine Rückkehrabsicht in die Türkei. 62 % beklagten sich darüber, in Deutschland als Türken und in der Türkei als Deutsche angesehen zu werden. 93 % sind der Ansicht, dass die türkische Kultur in Deutschland unbedingt erhalten werden muss, 83 % denken, dass man sowohl Deutscher als auch ein guter Muslim sein kann.

Verfahren gegen Thilo Sarrazin eingestellt
Nach einem Bericht von SABAH und MILLIYET wurden die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen das Bundesbankvorstandsmitglied Thilo Sarrazin eingestellt. Nach Aussagen der Staatsanwaltschaft würden die Aussagen Sarrazins die Grenze zwischen freier Meingungsäußerungen und strafrechtlich relevanten Äußerungen nicht überschreiten. Außerdem hätten die Aussagen keinen volksverhetzenden Charakter gehabt.

Islamischer Religionsunterricht wird in das Bildungsprogramm aufgenommen
Türen stehen Migranten offen
Auf einer Veranstaltung in Berlin erklärte Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, dass ihre Türen für Migranten offen stehen, berichten die MILLIYET und SABAH. Migranten könnten sich in allen Arbeitsangelegenheiten an sie wenden. Migranten würden in Arbeits- und Ausbildungsfragen noch zu wenig Informationen erhalten. Die Türen der BfA würden jedoch offen stehen, die Jugendlichen müssten sich nur mit dieser in Verbindung setzen. Außerdem hätte die BfA die Bearbeitung von Anerkennungsanträgen von ausländischen Ausbildungen beschleunigt.

Migrantenärzte halten Deutschland am Leben
So fasst die SABAH einen Bericht der Bundesärztekammer zusammen. Danach arbeiten 21 784 ausländische Ärzte  in Deutschland (Stand Dezember 2008). Nehme man die Zahl der Ärzte zwar mit deutscher Staatsbürgerschaft aber auch einem Migrationshintergrund hinzu, werde die Bedeutung  dieser Ärzte für die Gesundheitsversorgung in Deutschland noch deutlicher. Nur so könne der Ärztemangel, der durch eine stete Medizinerabwanderung aus Deutschland entstehe, ausgeglichen werden. Außerdem würden es viele deutsche Ärzte vorziehen, in der eigenen Praxis statt in Kliniken zu arbeiten, weil dies mehr Gewinn bringe.

Gesichter aus der Türkei im Auswärtigen Amt
Die SABAH zeigt in einem Beitrag auf, dass mit der neuen Regierung sehr wichtige Aufgaben im Auswärtigen Amt von Bürokraten besetzt werden, die zuvor in der Türkei tätig gewesen sind. Das Amt des Staatssekretärs im AA übernahm Dr. Wolf-Ruthart Born, der von 2003 bis 2006 Botschafter in der Türkei gewesen ist. Der Diplomat Thomas Bagger ist Guido Westerwelles neuer Büroleiter im Außenministerium. Bagger hatte schon für Außenminister Joschka Fischer in seinem Ministerbüro gearbeitet. Von 2002 bis 2006 war Bagger politischer Gesandter in der deutschen Botschaft Ankara.

29 Prozent gehen an den „deutschen Axel“
Mit dieser Überschrift kündigt die HÜRRIYET den Verkauf von 29 % der Anteile an der Dogan Medien Holding an den Axel Springer Verlag an. Ein Vorvertrag wäre bereits unterschrieben, der jedoch noch an die Überwindung des Steuerverfahrens gegen die Dogan Holding geknüpft sei.