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Umfrage

Europa, ein Kontinent mit vielen Vorurteilen

Aus einer Umfrage des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung geht hervor, dass fast jeder zweite Europäer Vorurteile gegenüber Migranten, religiösen Gruppen oder Minderheiten hegt – Özdemir spricht von einer dramatischen Situation für Europa.

Während des Winters 2008/2009 hatten die Soziologen jeweils 1000 Einwohner aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Portugal, Polen und Ungarn zu ethnischen, religiösen und sexuellen Vorurteilen befragt. Die Ergebnisse des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung wurden die vergangene Woche vorgestellt.

Insgesamt sei in den osteuropäischen Ländern Menschenfeindlichkeit am stärksten verbreitet, am niedrigsten sei sie in den Niederlanden. Deutschland liegt nach den Ergebnissen in allen Kategorien im Mittelfeld.

In Europa würden diese Vorurteile aber „weitgehend geteilt“, sagt Andreas Zick, Leiter des Forschungsprojektes, auch wenn das Ausmaß der Zustimmung in den acht Ländern unterschiedlich sei. Im Durchschnitt sind die untersuchten Vorurteile in Polen und Ungarn am höchsten und in den Niederlanden und Großbritannien am wenigsten ausgeprägt.

Weitere Ausreißerländer sind: Antisemitismus ist besonders in Polen und Ungarn stark ausgeprägt, in Großbritannien eher schwach; in den Niederlanden würden viele nicht in ein Wohnviertel ziehen, in dem viele Migranten leben; in Polen sind 27,1 Prozent der Meinung, dass es zu viele Einwanderer im Land gibt; in Italien sind es 62,4 Prozent.

Bei der Islamfeindlichkeit aber ist die Zustimmung in allen Ländern hoch: Laut Umfrage halten 55 Prozent den Islam für eine intolerante Religion, und 31 Prozent glauben sogar, dass Muslime Terrorismus als Heldentat ansehen.

Laut Umfrage sind auch rassistische Einstellungen weit verbreitet. Ein Drittel der Befragten glaubt, dass es eine „natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Menschen gibt“.

Wichtig für den Abbau von Vorurteilen sei der „positive Kontakt“ mit anderen Gruppen, erklärte Zick und appellierte an Politiker, mehr Programme zum Austausch und der Kooperation zu fördern. Denn die Studie belegt, dass in sechs von acht Ländern der persönliche Kontakt von Menschen beispielsweise zu Migranten, Juden oder Homosexuellen zu einem Abbau von Vorurteilen Gruppen geführt hat.

Aber Mangel an Bildung sei die entscheidende Ursache für derartige Ressentiments. Nur mit gut ausgestatteten Bildungseinrichtungen sowie Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrpersonal könne man Vorurteile wirksam bekämpfen.

Bei der Präsentation sprach Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir von einer „dramatischen Situation“ für Europa. „Gerade weil niemand als Demokrat geboren wird“, müsse in den Bildungseinrichtungen mehr Wert auf „eine aktive Erziehung zur Demokratie“ gelegt werden.