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Maria Böhmer

„Wir wollen Integration verbindlicher gestalten“

Die alte und neue Staatsministerin für Integration, Maria Böhmer, spricht im Interview über Integrationsverträge, den Nationalen Integrationsplan und die Entscheidung, das Thema Integration im Kanzleramt zu belassen.

Frage: Vor wenigen Tagen haben Sie von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Ernennungsurkunde für Ihre zweite Amtszeit als Staatsministerin erhalten. Ein bewegender Moment für Sie?

Maria Böhmer: Ganz sicherlich bewegend- in doppelter Hinsicht. Zum einen freut es mich sehr, dass mir die Bundeskanzlerin auch für die neue Wahlperiode das Vertrauen schenkt. Zum anderen ist es eine gute Entscheidung, das Thema Integration im Kanzleramt zu belassen. Gerade weil wir von hier aus sehr viel bewegen können- Integration ist eine Querschnittsaufgabe.

Frage: Wie kann Integrationspolitik wirksam gestaltet werden?

Böhmer: Mit den Integrationsgipfeln, dem Nationalen Integrationsplan und der Deutschen Islamkonferenz haben wir bereits in der letzten Wahlperiode die Weichen richtig gestellt. An diese Erfolge wollen wir anknüpfen. Jetzt kommt es vor allem darauf an, Integration verbindlicher zu gestalten. Der Koalitionsvertrag setzt dazu einen sehr guten Rahmen.

Frage: Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Böhmer: Der Nationale Integrationsplan mit den 400 Selbstverpfllichtungen hat sich bewährt. Jetzt gilt es, ihn zu einem Aktionsplan mit klar definierten und zu überprüfenden Zielen weiterzuentwickeln. Dadurch erreichen wir eine größere Verbindlichkeit. Ein weiteres Beispiel ist das Instrument der Integrationsverträge. Damit können wir künftig Fortschritte bei der Integration kontinuierlich überprüfen. Beide Seiten wissen, worauf sie sich einlassen. Für die Zuwanderer ist klar, welche Unterstützung sie erfahren und was von ihnen erwartet wird. Und für die Einheimischen wird deutlich, was sie selbst zum Gelingen von Integration beitragen können und was die Bemühungen der Migranten sein sollten.

Frage: Das sind die Instrumente. Was ist inhaltlich entscheidend für eine gelingende Integration?

Böhmer: Ganz wesentlich ist die Beherrschung der deutschen Sprache. Deutsch zu lernen muss für alle eine Selbstverständlichkeit sein. Wir müssen bei den Kindern beginnen: Mit den verbindlichen Sprachtests für Vierjährige setzen wir ein deutliches Signal. Entscheidend ist auch, dass die Eltern ihre Kinder beim Spracherwerb unterstützen. Dafür müssen sie selbst Deutsch sprechen können. Eine gute Möglichkeit, sich die deutsche Sprache anzueignen, ist die Teilnahme an einem Integrationskurs des Bundes. Die Kurse sind ein Erfolgsmodell.

Frage: Was sind neben der Sprache weitere Schwerpunkte?

Böhmer: Entscheidend ist eine qualifizierte Bildung und Ausbildung. Ein erfolgreicher Schulabschluss ist unverzichtbar für den sozialen Aufstieg in unserem Land. Hier werden wir in den nächsten Jahren unsere Anstengungen deutlich intensivieren. Ziel ist es, die Zahl der Schulabbrecher bis zum Schuljahr 2012/2013 zu halbieren. Nach der Schule ist eine gute Ausbildung wichtig für den weiteren Lebensweg- und für eine erfolgreiche Integration. Denn Integration verläuft vor allem über den Arbeitsmarkt. Beide Seiten sind gefordert: Die Migranten fordere ich auf, sich einzubringen und eine Ausbildung durchzuhalten. Denn eine abgeschlossene Ausbildung ist die Eintrittskarte ins Berufsleben. Und an die Wirtschaft appelliere ich, mehr Jugendlichen aus Zuwandererfamilien eine Chance zu geben und ihre Potenziale zu nutzen. Viele Unternehmen setzen bereits auf Vielfalt- und das mit großem Erfolg.