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Migration und Integration in Deutschland

Es wird selbstverständlich sein, dass jemand Mehmet heißt und nicht Hans – wir halten das aus.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

Türkische Presse Europa

28.10.2009 – Marwa, Islamfeindlichkeit, Sarrazin

Die Europaausgaben der türkischen Zeitungen berichten vornehmlich über den Mordprozess in Dresden, die Folgen der Ausländer-Schelte von Thilo Sarrazin und das Kommunalwahlrecht für Drittstaater. Weitere Themen sind die Islamfeindlichkeit in Deutschland, der Koalitionsvertrag und Einbürgerungsfeiern.

„Islamophobie ist weit verbreitet“
Professor Werner Schiffauer, Kulturanthropologe an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder und Mitglied des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration, glaubt, dass die Islamophobie bis in die Mitte der Gesellschaft reicht. Die Mitte der Gesellschaft stelle eine Minderheit an den Pranger, erklärt Schiffauer. Die bürgerliche Mitte verurteile zwar Hass und Gewalt rechter Randgruppen gegen Ausländer, “aber es gibt zunehmend Äußerungen aus dieser Mitte, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Machte jemand solche Äußerungen über Juden, würde das einen Skandal auslösen.”

Von der Politik erwartet Schiffauer ein Bewusstsein, dass es Rassismus nicht nur Randgruppen in Deutschland gibt. Die Politik müsse eine Kultur der Auseinandersetzung mit allen Einwanderergruppen und Minderheiten schaffen. “Wir haben erfolgreich Standards im Umgang mit den Juden oder auch mit den Homosexuellen etabliert, auf die die deutsche Gesellschaft stolz sein kann. Das ist keine Garantie gegen Gewalt, aber Voraussetzung dafür, Gewalt zu bekämpfen. So könnten wir den Opfern das Gefühl geben, Teil dieser Gesellschaft zu sein. Das Katastrophale an dem Mordfall Marwa El-Sherbini war auch, dass Muslime den Eindruck gewinnen mussten: Es ist gefährlich, sich wie sie zu wehren. Und die verzögerte politische Reaktion war mehr als skandalös: Letzlich hat die deutsche Politik erst reagiert, als sie merkte, wie es in Ägypten brodelte.”

Schiffauer kritisierte ferner auch die Äußerungen von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin (SPD). Es sei schlimm, dass seine Äußerungen in der Bevölkerung auf große Zustimmung stoßen. Der Wissenschaftler vergleichte die Aussage von Alex W., dem Mörder von Marwa El Sherbiny mit denen von Sarrazin. Ihnen sei gemein, dass sie einen sichtbaren Islam, ein Islam mit Kopftuch, in Deutschland nicht sehen wollen. (TÜRKIYE)

Strafanzeige gegen Sarrazin
Der Bundesverband unabhängiger Industrieller und Unternehmer (MÜSIAD) hat eine Strafanzeige gegen den Bundesbank-Vorstand Thilo Saarazin (SPD) eingereicht, berichten die TÜRKIYE, SABAH und ZAMAN.

Hoteleröffnung in Berlin als Antwort auf Ausländer-Schelte von Sarrazin
In Berlin hätten fünf türkische Restaurantbetreiber ein Hotel im Wert von über fünf Million Euro eröffnet, berichtet die MILLIYET. Die Hotelbesitzer bezeichneten die Neueröffnung als Antwort auf die Ausländer-Schelte des Bundebank-Vorstands Thilo Sarrazin (SPD). “Keiner hat das Recht uns als Belastung darzustellen”, sagte der Unternehmer Raif Yaman. “Ich beschäftige 40 Deutsche. Was ist daran auszusetzten?” fragte er Sarrazin.

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