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Sarrazynismus
Hans Werth | 19. Oktober 2009 | Kommentar Seite 1 2 3 - Alle Seiten | Ansicht | Weiterempfehlen |Wie gehen wir miteinander um?
Wann wird es in Deutschland zum Standard sich aus diesen Nebelschwaden zu lösen, um gesellschaftliche Probleme sachbezogen und offen, aber „ohne rassistische und fremdenfeindliche“ und verächtliche Einschläge der Mehrheit, sondern im objektiven Respekt vor ausnahmslos allen Menschen dieses Landes zu diskutieren?
Es steht im Vordergrund, wie wir in dieser Diskussion miteinander umgehen – jede Kritik über Missstände ist dann akzeptabel, wenn diese Kritik nicht selbst neue Missstände erzeugt! Die Missachtung des grundrechtlich geschützten Werte-Konsens gegenseitiger Achtung ist ein Missstand, selbst dann, wenn es dabei noch nicht um strafrechtlich relevante Normverstöße geht. Insoweit verbietet es sich, auf der Basis der inkriminierten Anwürfe die Diskussion inhaltlich aufzunehmen!
Als vorbildliches Beispiel für durchgängig sachgerechte Darstellung mit klarem Blick erweisen sich zahlreiche Sachbeiträge öffentlicher und nichtöffentlicher Organisationen jüngster Zeit. Zu erinnern ist an die Vorlage von 2008 des „Deutschen Instituts der Wirtschaft (DIW)“: „Migranten in Berlin – Schlechte Jobchancen, geringe Einkommen, hohe Transferabhängigkeit“
Die „Deutschland“-Datengrundlagen des begründenden Mikrozensus wurden im Migazin.de bereits in anderen sachorientierten Zusammenhängen verwendet. Auch das Buch von Armin Laschet, Integrationsminister NRW, „Die Aufsteiger-Republik – Zuwanderung als Chance“ setzt sich in vorbildlicher Weise mit den Gegebenheiten konstruktiv auseinander.
Zur Erhellung zuvor dargelegter Auffassungen noch einen Hinweis für nachdenkliche Geister zur eigentlich schon mehrfach positiv aufgefallenen „Lettre International“, die seltsamerweise den sarrazynischen Beitrag veröffentlichte. Das ach so in Verwirrungen der Zeit verhaftete Goethe-Institut beschreibt dieses Print als eine „Diskussionsplattform der Weltbürger, gegen jede nationale Borniertheit anschreibend” – - – ok, üben wir uns auch hierzu in Toleranz.
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Da tut man ihm aber zu viel des Guten an. Er prägt gerade keine neue Entwicklung, die die Verbindung seines Namens damit rechtfertigen könnte.
Er macht sich lediglich zum Exponenten einer vorhandenen Denkweise. Das ist in der Tat schrecklich.
Das System reagiert mit dem deutlichen Signal, dass diese Denkweise bei den Lenkern zwar nicht gern gesehen aber toleriert wird. Es gehört zum System Deutschland, dass Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit Mittel der Politik sind.
Es gibt auch die anderen Stimmen, die sich um konstruktiven Umgang mit allen anfallenden Themen bemühen; es gibt aber eben auch die schlichten ‘Gemüter, die auch bedient werden wollen.
“Die zerstörerische(zersetzende) Arbeit der Frankfurter Schule- einer Gruppe deutsch-amerikanischer Gelehrter, die hochgradig provokative und originäre Perspektiven für die gegenwärtige Gesellschaft und Kultur entwickelten, bezugnehmend auf Hegel, Marx, Nietzsche, Freud, und Weber. Nicht das ihre Idee einer Kulturrevolution neu war. “Bis jetzt”, schrieb Joseph, der Comte de Maistre (1753-1821), der 15 Jahre lang Freimaurer war, ” wurden Nationen durch Eroberung, d.h. durch Invasion, vernichtet: Aber jetzt drängt sich eine wichtige Frage auf; kann eine Nation nicht auf ihrer eigenen Erde untergehen, ohne Umsiedlung oder Invasion, indem man den Kräften der Zersetzung erlaubt, den innersten Kern der originären(heiligen?) und konstituierenden Prinzipien dieser Nation, die sie zu dem machten, was sie ist, zu zerstören? ” Nun denn was, am Ende werden eure Lebenslügen nicht einmal euch überleben in eurer [...] Weltbürgerecke. Die geschundene werden es euch nicht vergessen, wenn sie euch dereinst aus ihrer Not heraus erschlagen werden. Wehe wehe wehe..wenn ich auf das Ende sehe!!
Es ist schon fast erschreckend wie sich Goehtes Zauberlehrling immer wieder aufdrängt.
Gültig wahrscheinlich für alle Seiten.
Mit einer gehörigen Portion Geistesstärke seinen Worten und Werken, merkt ich den Brauch und nun tu ich Wunder auch. Walle, walle manche Strecke,daß zum Zwecke, Wasser fließe und mit reichem, vollem Schwalle zum Bade sich ergieße. Und sie laufen, naß und nässer wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer, Herr und Meister, hör mich rufen!
Ach, da kommt der Meister, Herr die Not ist groß, die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los.
Sarrazynismus finde ich übrigens ziemlich orginell, schade das mir dieser Begriff nicht eingefallen ist.
@Andreas Scholz
“Es gehört zum System Deutschland, dass Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit Mittel der Politik sind.”
Die vermeintliche “Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit” ist kein Mittel der Politik, sondern das traurige Ergebnis der Verhaltensauffälligkeit und des Erscheinungsbildes (verbunden mit einer integrationsablehnenden Haltung), das Teile bestimmer Migrantengruppen nun seit Jahrzehnten an den Tag legen.
Irgendwann (und das scheint JETZT verstärkt der Fall zu sein) ist die aufnehmende Gesellschaft und Staat nicht mehr bereit, dies länger hinzunehmen.
Und die Maßnahmen, die jetzt (hoffentlich) dazu ergriffen werden, diese Zustände (im INTERESSE der nachwachsenden Generationen AUCH und GERADE dieser Migranten)
endlich zu verändern, ist genauer DER “konstruktiven Umgang”, den Sie anmahnen.
@municipal,
die von Ihnen in Paranthese gesetzte Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit sind absolut real.
Sie haben vielmehr mit natürlichem Revierverhalten als mit bewußtem kognitiv begründetem Verhalten als Reaktion auf echte Verhaltensauffälligkeiten zu tun.
Dieses Revierverhalten ist für Tiere in jedem Fall angemessen. Das Säugetier Mensch nimmt für sich allerdings in Anspruch sein Handeln bewußt steuern zu können.
Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit gab es (und gibt es ) keineswegs nur in Deutschland; insbesondere gibt es sie in Deutschland nicht erst seit den sechziger Jahren.
Zu meiner Schulzeit gab es als Objekt die Polaken, weil einfach noch keine Kanaken da waren.
Der konstruktive Umgang hat dort anzufangen, wo Menschen für sich in Anspruch nehmen nur wegen ihres Stammbaumes annehmen, sie seien besser als andere Menschen mit anderem Stammbaum.
Sie sind es nicht und insbesondere verhalten sie sich keinesfalls anständiger, wenn sie fortwährend die anderen als Gruppe abwerten.
@ Andreas Scholz
“Sie haben vielmehr mit natürlichem Revierverhalten als mit bewußtem kognitiv begründetem Verhalten als Reaktion auf echte Verhaltensauffälligkeiten zu tun.”
Sie werden mir sicher nicht verübeln, das ich (und der größte Teil der deutschen Gesellschaft/Politik) das NICHT so sehen. Aus leidigen Erfahrungen. Das SIe das anders beschreiben (sehen werden Sie es, da vernunftbegabt,ähnlich) liegt in den von Ihnen angestrebten Zielen.
Sie haben Recht, man kann das differenziert diskutieren. Es ist keineswegs so einfach, wie es scheint. Viele Leute haben Ängste und reagieren oft irrational.
Wegen der Schlüssigkeit (Zitat):
“Sie sind es nicht und insbesondere verhalten sie sich keinesfalls anständiger, wenn sie fortwährend die anderen als Gruppe abwerten.”
Meiner Ansicht nach machen Sie (unbewusst oder bewusst) auch den gleichen Fehler und und werten alle die Menschen pauschal ab, die genau nicht aus primitivem (natürlichen) Revierverhalten reagieren, sondern aus sachlichen (kognitiv gesteuert!) Erwägungen heraus reagieren. Zumindest sollten Sie fairerweise unterstellen, dass es solche Menschen gibt und Sie diese (wissentlich oder unwissentlich) mit den anderen in einen Topf werfen.
PS: Ein Gebot der Fairness – reagieren sollte reagieren sein (Kritik äussern etc.) und eben nicht Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Irgendwie scheint mir auch das bei der Diskussion nicht ganz passend, damit kann ich jeden Kritiker pauschal diskreditieren – möchte Ihnen das nicht unterstellen, die Begriffe verführen einfach zu einer sehr engen Perspektive für Reaktionsmöglichkeiten der Bevölkerung.
Aus leidigen Erfahrungen?
Haben Migranten keine leidigen Erfahrungen?
Sei es mit anderen Migranten oder mit Deutschen selbst.
Wenn Vergehen von Migranten anders bewertet werden als die der deutschen Bevölkerung, kann es kein Miteinander geben. Hier spielt das IHR und WIR immer noch eine zu große Rolle, auch schon Integrierte werden vor den Kopf gestoßen, nicht unbewiesen ist, dass Migranten einen schlechten Ruf haben, weil Missetaten ihrer Mitmigranten auf alle übertragen werden, was einem Deutschen gar nicht erst passieren kann.
Migranten bekommen schwerer die gewünschte Arbei, die gewünschte Wohnung, sogar die gewünschte Braut.
Gut Integrierte verlegen sich inzwischen auch darauf, auf ihre schlecht integrierten Mitmigranten zu schimpfen, da ihre Chancen durch die vermeintlich schlecht Integrierten sinken.
Können sie sich vorstellen, dass ihre Chancen sinken, weil es schlecht integrierte Deutsche gibt?
@Bogo 20.10.2009 00:11h
„Sarrazynismus“ ist eine geliehene Wortschöpfung. Benutzt habe ich sie ohne bewusste Quellenkenntnis. Wahrscheinlich speicherte meine neuronale Festplatte den Begriff beim Lesen von Unmutsbekundungen im Jahr 2005, als sich Berliner wieder einmal über S. „erfreuten“ …
Trifft der „Zauberlehrling“ wirklich für alle Seiten zu? Ich meine ganz klar – nein.
Denn ich will die gerufenen dienstbaren Geister, die bis heute auch funktionale Lücken in unserer Arbeitswelt ausgleichen und dadurch jenes „Wirtschaftswunder“ ermöglichten und heute auch eigene Wirtschaftskraft verkörpern, keinesfalls wieder los werden. Sie haben sich das Recht hier zu leben schließlich hart erarbeitet. Dass es bei solchen Prozessen auch weniger engagierte Trittbrettfahrer quer durch alle Ebenen und Gruppen der Gesellschaft gibt, liese sich allenfalls in totalitären Strukturen vermeiden und die will ich keinesfalls auch nur im Ansatz. Wir können dem Einfallsreichtum der Trittbrettfahrer unsere gemeinschaftsorientierte Kreativität entgegensetzen, anstatt unsere Energien in destruktiver Nörgelei versanden zu lassen.
@ Observer164 19.10.2009 21:14h
Wenn im Themenzusammenhang die „Frankfurter Schule“ erwähnt wird, sehe ich vor allem einer ihrer Grundgedanken: „kritische Reflektion über die Reflektion“, was vereinfacht bedeutet, dass unser „ so Sein“ ausnahmslos ständiger Überprüfung aus eigenem Antrieb bedarf. (vgl. J. Habermas, „Theorie des kommunikativen Handelns“, 1981).
Aus einem Diskurs zum „politisch zivilisierten Land“ (1995) lässt sich von Habermas zitieren, dass „der EINE nicht auf Kosten des ANDEREN wirklich frei sein kann, sondern erst dann, wenn alle gemeinsam die gleichen Freiheiten genießen“. Achtung – „Freiheiten“ gemeint im originär demokratischen („republikanisch“ „liberalen“) Kontext, der von unabdingbaren Rechten und Pflichten der Individuen in anerkannter Gemeinschaftsordnung in allen Organisationsebenen ausgeht.
Ist die Weltbürger-„Ecke“ etwas Reales oder eher ein Widerspruch in sich?. Der Weltbürger lebt nicht in der Ecke, sondern real und gedanklich bewusst erlebt er sich in der Weltgemeinschaft, die er positiv anerkennt und jedem Menschen so zugesteht, wie er es gemeinschaftsorientiert für sich beansprucht bzw. von den anderen einfordert und selbst auch einzulösen hat.
Das Verdienst des Internet, unsere Weltbürgerschaft in der Weltgemeinschaft unausweichlich stets aktuell vor Augen und bewusst zu sehen, ist unsere Chance, dies als integratives Instrument zur Verbesserung von Problemlösungen zugunsten unterschiedlichster Gruppen in der Gemeinschaft zu nutzen. Der diskursive Verständigungsprozess kann allseits sichtbar offenlegen, wie sich Gemeinschaftsordnungen und Individuen miteinander entwickeln können. Dies kann sich in sachlicher und in andere Menschen prinzipiell anerkennender Form entfalten – frei von verletzenden Qualifizierungen, einseitigen Schuldzuweisungen etc.
Die ernsthafte Diskussion in vorstehenden Kommentaren ermutigt sehr, im Gegensatz zu den jüngsten extremen und destruktiven Massenstimmen anderer Foren.