MiGAZIN

Türkische Presse Europa

15.10.2009 – Kolat, Sarrazin, Türkei, DITIB

Die Europaausgaben der türkischen Zeitungen berichten nach wie vor über die Entmachtung Thilo Sarrazins. Außerdem ist die Forderung Kenan Kolats nach einem islamischen Feiertag Thema des Tages. Schließlich wird der EU-Fortschrittsbericht über den EU-Beitrittskandidaten Türkei ausführlich behandelt.

Islamischer Feiertag
Die Forderung nach islamischen Feiertagen des Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, hat sich laut MILLIYET „erhitzt“. Überraschenderweise, so die Zeitung, habe sich ausgerechnet Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, dagegen ausgesprochen. Auch die HÜRRIYET verweist auf unterschiedliche Stimmen während die TÜRKIYE darauf aufmerksam macht, dass nun auch die Juden einen eigenen Feiertag haben wollen. Süleyman Bag, Kolumnist der ZAMAN, kommentiert: Es ist falsch, dass Kolat mit religiösen Werten Politik macht.

EU-Fortschrittsbericht zum EU-Beitrittskandidaten Türkei
Die ZAMAN räumt dem EU-Fortschrittsbericht breiten Raum ein und berichtet insbesondere über die Feststellung der EU-Kommission, dass die Ermittlungen gegen Militärputschisten eine historische Chance für die Türkei sei auf dem Weg zur Demokratisierung. So bekräftige die EU immer wieder ihre Unterstützung für die Ermittlungen. Erstmalig in der Geschichte der Türkei stünden Militärs vor einem Gericht und würden zur Verantwortung gezogen.

Die SABAH fasst den EU-Fortschrittsbericht insgesamt für „gemäßigt“. Laut Fortschrittsbericht, die die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen des vergangenen Jahres wiedergebe, habe die Türkei in der Region für Sicherheit gesorgt und sich zu einem energiepolitisch wichtigen Partner für Europa entwickelt. Außerdem hätten die jüngsten Dialoge auf internationaler Ebene die Türkei zu einem Schlüsselakteur gemacht. Außerdem bemerkt die SABAH, dass der Lob, den die Türkei eingeheimst habe, die CSU gestört hat. So habe die CSU den Abbruch der Verhandlungen mit der Türkei gefordert.

Mesut Özil
Die TÜRKIYE räumt den Worten des türkischstämmigen Fußballnationalspielers Mesut Özil Raum ein. Er habe gesagt, dass er vor den Spielen und während die deutsche Nationalhymne gespielt werde, Verse aus dem Koran wiederholt. Verse aus dem Koran zu sprechen gebe ihm Kraft. Wenn er das nicht mache, fühle er sich nicht wohl. Dass die Türkei die Teilnahme an der Fußballweltmeisterschaft verpasst habe, finde er traurig. Deutsche Fans wünschten ihm viel Glück und er würde sich freuen, wenn auch türkische Fans das gleiche tun. Außerdem habe er betont, dass er nicht abheben werde, so sehr er auch gelobt werde. Das Verteilen von Autogrammen empfinde er als eine Ehre.

Hau ab, Sarrazin!
Unter diesem Titel berichtet die HÜRRIYET über eine Demo vor der Deutschen Bundesbank. Die Demonstranten hätten Sarrazin mit Schriftzügen zum Rücktritt aufgefordert und ihn als „Schande“ für die Bundesbank bezeichnet. Die SABAH kommentiert die Demo mit „Die Strafe war nicht genug“. Die TÜRKIYE titel „Sarrazins Verantwortung beschnitten“ und berichtet in aller Kürze über seine teilweise Entmachtung vom Vorstand der Bundesbank. „Sarrazins Stellung herabgesetzt“ titelt die ZAMAN und bringt Stimmen zu seiner Entmachtung. Die MILLIYET hingegen berichtet über eine Strafanzeige, die gegen Sarrazin gemacht worden sei.

DITIB-Moschee droht mit Rechtsweg
Ein Artikel aus der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ sorgt für Aufregung. Die FAZ hatte die DITIB-Moschee in Langen mit Al-Quaida in Verbindung gebracht und den Artikel mit Fotos der DITIB-Moschee geschmückt. Daraufhin haben DITIB-Verantwortliche die FAZ kritisiert und unverantwortliches Journalismus vorgeworfen. Die DITIB-Moschee in Langen weise jeglichen Zusammenhang mit Al-Quaida zurück. Hierüber berichtet die ZAMAN. Die DITIB werde, sofern sich die FAZ weigere, eine Gegendarstellung zu veröffentlichen, den Rechtsweg einschlagen.

Ismail Kul, Kolumnist der ZAMAN, schreibt, dass er den verantwortlichen FAZ-Journalisten angerufen habe. Er habe ihn gefragt, wie er zu so einem Artikel komme; ob er Quellen habe oder Belege, mit der er sein Artikel untermauern könne. „Was bedeutet Al-Qaida-Ortsverein Langen?“, habe Kul wissen wollen. Daraufhin habe ihm der Redakteur gesagt, dass er die DITIB-Moschee keinesfalls mit Al-Quaida in Verbindung gebracht habe, wenn man den Artikel genau lese.

Kul schreibt, dass die deutsche Sprache eine schwierige Sprache sei und er die Sprache erst lernen musste. Allerdings sei er nicht dumm. Kul habe die FAZ immer als eine intellektuelle und seriöse Zeitung geschätzt. Nun, so Kul, habe die FAZ einen ganz anderen Stellenwert bei ihm. Was nütze das Intellekt und die Seriosität der ganzen Welt, wenn sie auf diese Weise eine DITIB-Mosche unter Verdacht stelle und diskreditiere. „Billig!“, so Kul.

Eine Legende geht zu Ende
Unter dieser Schlagzeile berichtet die SABAH über die Entscheidung des türkischen Fussballklubs „Berlin Türkiyemspor“. Einst mit bis zu 15.000 Zuschauern und knapp den Aufstieg in die 2. Bundesliga verpasst, haben die Klubverantwortlichen die Reisleine gezogen aufgrund finanzieller Sorgen. Der Klub habe den laufenden Saison abgeschlossen und sei aus dem laufenden Wettbewerb zurückgetreten.