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[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden.

Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Weber, 1974

Schulfrei

Kenan Kolat fordert islamischen Feiertag

Der Vorstoß des Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, einen islamischen Feiertag einzuführen, stößt auf breite Ablehnung. Der Zentralrat der Juden unterstützt Kolat in seiner Forderung und schlug zugleich einen eigenen Festtag vor.

Der Vorstoß Kenan Kolats für einen muslimischen Feiertag in Deutschland ist für den Nordrhein-Westfälischen Integrationsminister jedoch Nachrangig: „Wir müssen Bildungs- und Aufstiegschancen und Deutschkenntnisse für Zuwandererkinder verbessern, statt neue Feiertage einzuführen“, sagte er der FAZ. Kolats Vorschlag zeige eine mangelnde Ernsthaftigkeit.

Als ein Zeichen von Toleranz hatte Kolat einen muslimischen Feiertag im deutschen Schulkalender bezeichnet. „Ich fände es gut, wenn man an einem Tag, etwa dem muslimischen Opferfest zum Ende des Ramadans, allen Kindern frei gibt“, sagte er der „Berliner Zeitung“. Viele strenggläubige türkische Eltern seien inzwischen auch dazu bereit, ihren Kindern zuliebe einen Weihnachtsbaum aufzustellen, obwohl sie dies eigentlich ablehnten.

Für einen Tag der Religionen an einem Samstag oder Sonntag plädierte hingegen der Paritätische Wohlfahrtsverband, unter dessen Dach 100 Migrantenorganisationen ver-sammelt sind. Vom Vorschlag Kolats halte die Vorsitzende Heidi Merk „gar nichts. Das würde andere Religionen nur vor den Kopf stoßen“.

Auch Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutsch-land, lehnte den Vorschlag in diesem Umfang ab. Es gebe einen „Vorrang für christliche Feiertage in der Kultur unseres Landes“. Darüber bestehe breiter Konsens. Allerdings befürworte er die Möglichkeit, muslimische Schüler an islamischen Festtagen vom Unterricht zu befreien.

Schließlich lehnte auch der Zentralrat der Muslime den Vorstoß ab. „Ich sehe keine Ver-anlassung, aus diesem Tag einen generell schulfreien oder arbeitsfreien Feiertag für alle zu machen“, sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Aiman Mazyek. Allerdings forderte er muslimische Feiertage als deutsche Feiertage aufzunehmen – nicht aber als generell arbeitsfreie Tage.

Unterstützung vom Zentralrat der Juden und Ströbele
Unterstützung bekam Kolat vom Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer: „Es wäre ein sehr schönes Signal.“ Zugleich sprach er sich für einen jüdischen Feiertag im deutschen Schulkalender aus und schlug „Jom Kippur“, das Fest der Ver-söhnung vor. Wenn alle Kinder an diesem Tag schulfrei hätten, könnten sie sich der Be-deutung des Tages bewusst werden.

Außerdem begrüßte auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele die Forderung nach muslimischen Feiertagen. Es könnte ein „positives Signal an die dreieinhalb Millionen Muslime in Deutschland“ sein, sagte Ströbele, der bereits 2004 einen islamischen Feiertag befürwortet hatte und dafür von Politikern aller Parteien heftig kritisiert worden war.

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13 Kommentare
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  1. Selçuk sagt:

    Meiner Meinung nach ist diese Forderung absolut sinnlos.

    „Allerdings befürworte er die Möglichkeit, muslimische Schüler an islamischen Festtagen vom Unterricht zu befreien.“
    Hmm, das ist doch jetzt schon der Fall oder nicht?

  2. Bogo sagt:

    In NRW gibt es diese Befreiung, wovon aber zum Glück nicht alle Gebrauch machen.
    Es ist nämlich ziemlich unsinnig, wen Muslime an einem normalen Schultag fehlen und im schlimmsten Fall der Unterricht für den Tag stagniert.
    Ich finde den Zeitpunkt für eine solche Forderung sehr schlecht gewählt.
    Es wirft ein Bild auf die Muslime, von Vogel Strauss Taktik in der gegenwärtigen Situation.
    Schade, dass ausgerechnet gebildete Menschen dieses Bild verfestigen.

  3. Cirien sagt:

    Einen Anstoß daran zu finden, dass muslimische Kinder, an ihrem Feiertag vom Unterricht befreit sind , ist ziemlich ungescheit und bedenklich. Angesichts dessen, dass der deutsche Kalender übersäht ist mit christlichen Fesstagen, an denen der Unterricht für Kinder anderer Religionen auch ausfällt, obwohl diese nicht an diesen Feierlichkeiten teilnehmen. Außerdem gibt es Feiertage, wie der Vatertag, der im Volksmunde oft mit dem Sauftag betitelt wird, aus dem ganz einfachen Grund, dass er oft für Saufgelagen genutzt wird. Da frag ich mich und jeden ein wenig gescheiten Menschen, was wohl sinnvoller ist, dass Kinder die Möglichkeit kriegen, einen für sie besonderen Tag, mit ihrer Familie und Freunde verbringen zu können – was grad erziehungswissenschaftlich ja nur positiv gewertet werden kann und dafür einen einzigen Tag nicht am Unterricht teilzunehmen oder sich zu betrinken?
    Warum sollte es also unsinnig sein, dass Muslime für einen Tag freigestellt werden?
    Denn wenn die Schule in der Koordination des Lehrplanes, diese 2 Tage im Jahr mit einbezieht kann man den Unterricht so konzipieren, dass die fehlenden Kinder nichts fundamentales verpassen würden.
    Es gibt immer Wege, um das Miteinander von heterogenen Gruppen zu optimieren, es ist alles eine Sache des guten Willens und des Bewußtseins, sich selbst nicht zum Ausgangspunkt der Welt zu machen sondern nur als Teil dessen zu betrachten.
    Die Diskussion, die muslimischen Feiertage, für alle geltend zu machen find ich persönlich schwierig aber nicht unmöglich oder gar sinnlos, ich finde es aber viel wichtiger, und gar notwendig, dass den Relgionsanhängern selbst, die Möglichkeit geboten wird, ihre besonderen Tage ausleben zu dürfen und dazu zählt auch die Befreiung von Angestellten.
    Daher finde ich diese Debatte grade unter den Intellektuellen angebracht, da sich Lösungen und Ansätze, nur in einem vorurteilslosen und objektiven Austausch eröffnen können.

  4. Bogo sagt:

    Sorry, ich denke sie beziehen sich auf meine Aussage.
    So wie es jetzt in NRW läuft, schicken viele Muslime ihre Kinder an dem Tag trotzdem zur Schule.
    In dieser Form ist es unsinnig denn es gibt keine Garantie dafür das Lehrer den Stundenplan nicht in gewohnter Weise fortführen und grade Migrantenkinder sollten nun mal nichts verpassen.
    Wenn es so wie von Hr. Kolat gefordert für alle freigeben würde, wäre es ok mit dem Feiertag.
    Doch bleibt immer noch der Aspekt, dass grade in der momentanen Situation nach dem ganzen Aufstand um Sarrazins Äußerungen, der Zeitpunkt der Forderung mehr als schlecht gewählt wurde.

  5. Boli sagt:

    Ich habe nur eine Frage:
    Was sollen solche unsinnigen Forderungen bringen? Damit ist letztendlich niemandem geholfen.

  6. Johanna sagt:

    „Es gibt immer Wege, um das Miteinander von heterogenen Gruppen zu optimieren, es ist alles eine Sache des guten Willens und des Bewußtseins, sich selbst nicht zum Ausgangspunkt der Welt zu machen sondern nur als Teil dessen zu betrachten.“

    Genau, und das sollte sich auch ein Herr Kolat einmal merken und nicht einseitig nach „Toleranz“ rufen;)

  7. Religiöse Feiertage abschaffen!

    Der Vorschlag, einen muslimischen Feiertag einzuführen, wäre dann in Ordnung, wenn auch jede andere der ca. 4000 religiösen und nichtreligiösen Weltanschauungen ebenfalls ihren speziellen Feiertag bekäme. Da dies faktisch nicht möglich ist, würde ein muslimischer Feiertag eine (weitere) nach den Menschenrechten und dem deutschen Grundgesetz unzulässige Bevorzugung darstellen.
    Dies bedeutet natürlich zugleich, dass die jetzigen vielen christlichen Feiertage massiv rechtswidrig sind.
    Hinzukommt, dass sich laut wissenschaftlicher Umfragen nur eine sehr kleine Minderheit der Bevölkerung in Deutschland als Christen bezeichnen – fast alle Menschen also diese Feiertage mittlerweile völlig anders nutzen als früher mal im Mittelalter.
    Diese zum Himmel schreiende extreme Ungerechtigkeit sollte folglich schnellstens abgeschafft werden.
    Höchst sinnvoll und sogar notwendig sind hingegen weltanschauungsneutrale Feiertage, welche die immer mehr unterschiedlichen individuellen Menschen integrieren – statt wie bisher spalten!
    Ein gemeinsamer Anlass zum Feiern für alle(!) Menschen könnten z.B. sein:
    „Friedensfest“ (für das bisherige rein christliche „Weihnachten“), Europatag und Tage der Liebe, Gerechtigkeit, Integration, Kulturen, Natur, erneuerbaren Energien, Erde im Weltall.

  8. Nordtürke sagt:

    Hr.Kolat, ihr Vorschlag ist meiner Meinung nach völlig unnötig und Populistisch geprägt, ich merke sie sind auf Stimmenfang. Sie sollten eher Vorschlägen nachgehen wie das Bildungsproblem mit Herranwachsenden Menschen mit Migrationshintergrund gelöst werden kann. Ich als Migrant 2.´er Generation schäme mich dafür wenn ich das Verhaltenskodex und die Orientierungslosigkeit von Türkischen Jugendlichen heute beobachte. Und leider sind es nicht wenige, die eigentlich schon verloren sind.

  9. D. E. sagt:

    Anscheinend ist die TGD/ATT und der neue türkisch-stämmige FDP-Bundestagsabgeordnete voll auf Schaira-Trend.
    Jüngst meinte der frisch gewählte FDP-Türke, er plädiere für Kopftuchfreiheit sowie Islam-Unterricht in deutschen Schulen usw.

  10. Bernd S. aus H sagt:

    @ Nordtürke.

    Ihrer Aussage ist nichts hinzuzufügen. Leider melden sich zuwenige Leute mit Migrationshintergund in dieser Form um auch hier Druck auf die Integrationsunwilligen Menschen jedweder Coleur zu machen, denn nur mit einer gewissen Leistungsbereitschaft kann man als Einwanderer und auch Einheimischer viel erreichen.
    Ich Danke ihnen für ihren Kommentar, daran sehe ich das unser friedliches und dem Gemeinwohl förderliches Zusammenleben in D. noch nicht verloren ist.


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