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Türkische Presse Europa

04. und 05.10.2009 – Laschet, Sarrazin, Moschee

Rücktrittsforderungen an Thilo Sarrazin findet erneut breiten Raum. Er hatte mit seiner Ausländer-Schelte eine Welle der Empörung ausgelöst. Armin Laschets Forderung, eine Integrationspolitik mit Vision, ist ein weiterer Schwerpunktthema. Schließlich wird die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Schächten thematisiert.

04.10.2009

Thilo Sarrazins Ausländer-Schelte
Die Ausländer-Schelte des Vorstandsmitglieds der Deutschen Bundesbank, Thilo Sarrazin, ist Top-Thema in den türkischen Tageszeitungen. Die SABAH hebt die Worte des Bundesbank-Vorsitzenden Axel Weber hervor und betont, dass dieser Sarrazin indirekt den Rücktritt nahegelegt habe.

Die TÜRKIYE fordert: „Enthebt ihn vom Amt!“ und gibt die Kritik Webers und des SPD-Politikers Vural Öger wieder. Für die HÜRRIYET reicht die Entschuldigung nicht angesichts Sarrazins Äußerungen, die noch einmal wiedergegeben werden. Die MILLIYET titelt ebenfalls sehr scharf: „Der Undankbare ist nun dran“.

Bundesverfassungsgericht gibt türkischem Metzger recht
Unter dieser Überschrift verkündet die TÜRKIYE die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, der einem türkischen Metzger das Recht zugesprochen habe, nach islamischen Vorschriften zu dürfen. Die MILLIYET titelt dazu: „Türkischer Metzger erhält Unterstützung von der Verfassung“.

Tag der offenen Moschee
Der Tag der offenen Moschee ist in den türkischen Tageszeitungen lediglich eine Randnotiz. Die TÜRKIYE titelt: „Sowohl die Türen als auch die Herzen wurden geöffnet“. Die SABAH titelt und berichtet nüchtern darüber. Die MILLIYET meldet, dass die Moscheen viele Besucher empfangen haben.

Das Zuwanderungsrecht kann verschärft werden
Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz (Die Grünen) habe gesagt, dass unter der schwarz-gelben Regierungskoalition, das Zuwanderungsrecht möglicherweise weiter verschärft werden könnte. Hierüber berichtet die SABAH und hebt hervor, dass Türken aktiver werden müssen.

Wer nachts rausgeht, sollte aufpassen
Unter dieser Überschrift warnt die SABAH Ausländer in Deutschland. Der CDU-Politiker Zeca Schall fühle sich zwar bedroht, habe aber keine Angst. Dennoch warne er ausländische Mitbürger: Wer Nachts rausgeht, sollte aufpassen. Zeca Schall wurde bekannt, als er zur Zielscheibe der NPD in Thüringen wurde.

05.10.2009

Der Integration fehlt Vision
Unter dieser Schlagzeile berichtet die SABAH über den Vorstoß Armin Laschets, der sich über mangelnde Vision in der Integrationspolitik beschwert habe. Die ZAMAN legt den Worten Laschets historische Bedeutung zu und titelt: „Historisches Eingeständnis: Jahrelang haben wir Migranten nicht berücksichtigt“. Die MILLIYET hingegen betont die Forderung des NRW-Integrationsministers und titelt: „Laschet will Fortsetzung des Integrationsplans“.

Thilo Sarrazin
Für SABAH ist ein Rücktritt Sarrazins schwer. Sarrazin, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, hatte in einem Interview mit dem Kulturmagazin „Lettre International“ in rechtspopulistischer und herabwürdigender Manier Türken und Araber diffamiert. Die SABAH bemerkt, dass Sarrazin nur vom Bundespräsidenten Horst Köhler vom Amt geholt werden könne.

Ungleichbehandlung von Migrantenkindern muss aufhören
Die Bundestagsabgeordnete Petra Merkel (SPD) habe einer Meldung der ZAMAN zufolge gefordert, die Ungleichbehandlung von Migrantenkindern im Bildungssystem abzuschaffen. Immer noch sei es so, dass Kinder aus sozial schwachen Familien im Vergleich zu Kindern aus besser betuchten Familien benachteiligt seien und sich diese Benachteiligung von der Schule bis ins Arbeitsleben durchziehe.

Die Türkei ist ein Unersetzbarer strategischer Akteur
Über diese Worte Ralf Fücks‘, Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll Stiftung, berichtet die ZAMAN. Fücks habe außerdem gesagt, dass Deutschland seine Beziehungen mit der Türkei unter die Lupe nehmen und verbessern müsse. Als den größten Hindernis zwischen Ankara und Berlin habe Fücks Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgemacht, die sich gegen den EU-Beitritt der Türkei ausgesprochen habe.

Unter einer weiteren Schlagzeile (Die Wahlergebnisse der Bundestagswahlen sind für die Türkei ungüngstig) analysiert die ZAMAN die Ergebnisse der Bundestagswahlen im Lichte der EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei. Dabei wird betont, dass Deutschland ein Schwergewicht sei, wenn es um den EU-Beitritt der Türkei geht.