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Migration und Integration in Deutschland

Wenn Ausländer […] von der einheimischen Bevölkerung als Konkurrenten um Arbeitsplätze […] und als Bedrohung der Sicherheit […] wahrgenommen werden, dann erhöht die vermehrte Sichtbarkeit der Migranten dieses Gefühl […]

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“ / 1979, 1979

Thilo Sarrazin

Rücktrittsforderung nach Ausländer-Schelte

Thilo Sarrazin ist erst seit dem 1. Mai 2009 Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank. Nach einem Interview mit dem Kulturmagazin „Lettre International“ Mitte vergangene Woche wird bereits nach knapp fünf Monaten Amtszeit sein Rücktritt gefordert. Er hatte sich in rechtspopulistischer und abfälliger Manier über Türken, Araber und über die Mittelschicht geäußert.

„Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate“ und „Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung. Ich habe dazu keine Lust bei Bevölkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht akzeptieren“, ist ein Auszug aus dem Repertoire Sarrazins. Außerdem meinte er: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert“ und „Das gilt für 70 Prozent der Türken und für 90 Prozent der arabischen Bevölkerung“.

Nachdem die Deutsche Bundesbank sich zuvor „entschieden in Inhalt und Form von den diskriminierenden Äußerungen von Dr. Thilo Sarrazin“ distanziert hatte und sich eine Empörungswelle breitgemacht hatte bedauerte Sarrazin den Vorfall: „Die Reaktionen, die mein Interview in Lettre International verursacht hat, zeigen mir, dass nicht jede Formulierung in diesem Interview gelungen war. Das bedauere ich“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Seine Absicht sei gewesen, „die Probleme und Perspektiven der Stadt Berlin anschaulich zu beschreiben, nicht aber einzelne Volksgruppen zu diskriminieren“.

Diese Entschuldigung reichte nicht. Auch Bundesbankchef Axel Weber attackierte seinen Vorstandskollegen scharf und forderte ihn indirekt zum Rücktritt auf. Die Aussagen seien „bedenklich“ und „nicht mit dem Verhaltenskodex der Bundesbank vereinbar“, sagte Weber am Samstag am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Istanbul. „Jeder hat Verantwortung für die Institution und muss mit sich selbst ins Gericht gehen“, sagte Weber weiter. Es gehe nicht um Personen, sondern um Institutionen.

Forderungen nach einem Parteiausschlussverfahren aus der SPD gegen den früheren Berliner Finanzsenator wurden ebenfalls laut. „Nach diesen Äußerungen ist Thilo Sarrazin in der Sozialdemokratie untragbar“, sagte die Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl. „Die Parteigliederung, bei der Herr Sarrazin Mitglied ist, sollte ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn einleiten. Dafür liegen nun ausreichend Anhaltspunkte vor. Er ist schon lange kein Sozialdemokrat mehr.“, so Högl weiter. Auch SPD-Politiker Vural Öger werde sich beim Parteivorstand für einen Parteiausschluss Sarrazins einsetzen. Er bezeichnete die Äußerungen als „beschämend, widerlich und skandalös“.

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    Richtig unangenehm wurde es für Sarrazin, als das Landeskriminalamt eine Prüfung angekündigt hatte, ob „die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten wurden und sich der Anfangsverdacht für einen strafbaren Inhalt ergibt“.

    Unterstützung erfuhr der frühere Finanzsenator lediglich von der NPD. Sarrazin bringe „die Entwicklung unseres Landes auf den Punkt“, sagte ein Sprecher der rechtsextremen Partei.

    So fiel auch dem Vizechef der türkischen Zentralbank, Ibrahim Turhan, nicht mehr ein, als höheren Beistand für Sarrazin zu rufen: „Allah möge ihm mehr Verstand geben.“

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    97 Kommentare
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    1. municipal sagt:

      @Markus Hill

      Dann stellt sich die Frage,warum ausgerechnet DIE, die mit dieser „harten Kritik“ ungerechterweise getroffen werden genau DIE verteidigen, bei denen diese Kritik wirklich angebracht ist, und die Kritiker an sich beschimpfen, und deren Kritik als nicht angebracht oder Lüge bezeichnen.

      Wagenburgmentalität?

      Aber hilft diese, um die Lage zu verändern?

    2. Markus Hill sagt:

      Vielleicht Faktor „Menschlichkeit“, Gefühle.

    3. Markus Hill sagt:

      PS: Natürlich sollte man auch die Gefühle der zu Unrecht angegriffenen bzw. diffamierten Kritiker würdigen. Ehrabschneidende Bemerkungen in die Richtung der Kritiker sind sehr oft völlig unangebracht. Erschweren die Diskussion.

    4. municipal sagt:

      @ Markus Hill

      Bleibt immer noch die Frage: Aber hilft diese, um die Lage zu verändern?

    5. Markus Hill sagt:

      Nein. Man kann zwar Verständnis für die Gefühle haben und in Teilen mit empfinden. Natürlich bringt das einen in der Sache nicht direkt weiter.
      Klar ist, dass es Interessengegensätze zwischen „Gastland“ und Migranten gibt. Die muss man klar benennen und diskutieren. Es liegt in der Natur der Sache, dass man da vielleicht auch nicht immer an einem Strang zieht. Aber in vielen Punkten gibt es ähnlich gelagerte Interessen zwischen nicht-bildungsfernden Migranten und Deutschen. Diese Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, kann schon einmal hilfreich sein für die Problemlösung.

    6. Markus Hill sagt:

      Zitat:
      “- repressives Verhalten aufgrund nicht aufgegebener vermischter kulturell-religiöser Vorschriften vornehmlich bezogen auf archaisch – traditionalistisch – islamischen Vorschriften.”
      Dies trifft nicht einmal auf mehr als die Hälfte der Türken zu.
      Stichwort „Empfindungen der Deutschen“:
      Für einen Nicht-Türken ist diese Prozentzahl „gewaltig“, ein Problem und auch langfristig nicht wünschenswert. Können Sie verstehen, dass man das als Staatsbürger im eigenen Land nicht möchte? Das man entsetzt ist und möchte, dass solche Denk- und Verhaltensweisen ein Ende finden?

    7. […] herablassend über Türken und Araber geäußert und ihnen Integrationsunfähigkeit vorgeworfen (wir berichteten). Thilo Sarrazin, Mitglied im Vorstand der Deutschen […]


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