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Migration und Integration in Deutschland

[Es würde im Interesse der deutschen Arbeiter liegen, wenn wir sie zu Fachkräften ausbilden.] Dafür müssen wir natürlich dann die relativ primitiveren Arbeiten … von ausländischen Arbeitskräften besorgen lassen.

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, NWDR-Interview vom 9. April 1954

Wahlen 2009

20 Bundestagsabgeordnete mit Migrationshintergrund

20 Bundestagsabgeordnete mit Migrationshintergrund werden in den kommenden vier Jahren im Bundestag sitzen. Sechs Politiker stellen die Grünen auf, fünf die Linke, jeweils vier die SPD und die FDP. Die stärkste Fraktion im Bundestag, die Union, stellt einen Abgeordneten.

Damit ist die Zahl der im Bundestag sitzenden Abgeordneten nach der Bundestagswahl 2009 auf 20 gestiegen. Mit etwas mehr Glück hätten es mehr werden können. Trotz eines beachtlichen Achtungserfolges – Erststimmenanteil von 29,9 Prozent – hat beispielsweise Grünen-Chef Cem Özdemir den Einzug in den Bundestag über ein Direktmandat verpasst. Er kündigte allerdings an, 2013 noch einmal anzutreten.

Bei Özcan Mutlu (Die Grünen) war es besonders knapp. 68 Grünen-Politiker werden für die nächsten vier Jahre in den Bundestag einziehen. Mutlu wäre der 69. gewesen, wenn die Grünen Bundesweit 0,1 Prozent mehr Stimmen bekommen hätten.

Für Lale Akgün (SPD), die es ebenfalls nicht schaffte, wird ihr Nichteinzug in den Bundestag Konsequenzen haben. Sie hat angekündigt, sich aus der aktiven Politik zurückzuziehen.

Steckbriefe der 20 Abgeordneten mit Migrationshintergrund:

Sevim Dagdelen, DIE LINKE.

Journalistin

1975 in Duisburg geboren; ledig (türkischstämmig).

1997 Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife in Duisburg; 1998 bis 2001 Studium der Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg; 2001 bis 2002 Akademisches Jahr an der juristischen Fakultät University of Adelaide, Südaustralien; seit April 2002 an der Universität zu Köln.

Juni 1996 bis Juni 1998 Mitglied im Landesvorstand der LandesschülerInnenvertretung Nordrhein Westfalen (LSV NW) und Mitglied im Bundesausschuß der BundesschülerInnenvertretung; Juni 1999 bis Juni 2000 Autonomes AusländerInnenreferat der Uni Marburg; Journalistische Tätigkeiten.

Seit 1991 Mitglied in der Gewerkschaft (ver.di); Ende 1993 bis 2001 aktives Mitglied der Bundesjugendkommission der Jugendorganisation der DIDF (Föderation Demokratischer Arbeitervereine e.V.); seit Februar 2003 Mitglied im geschäftsführenden Bundesvorstand der DIDF; März 2005 Gründungsmitglied “Bundesverband der Migrantinnen“.

1995 bis 1996 redaktionelle Mitarbeit bei „Tatsachen“; 1996 ein Jahr freie Mitarbeiterin in der Europaredaktion der türkischsprachigen Tageszeitung „Evrensel“; Anfang 1998 bis 2001 Mitglied im Redaktionskollektiv der Zeitschrift „junge Stimme“; seit April 2002 freie Mitarbeiterin bei „Evrensel“; nebenher Übersetzerin für verschiedene Publikationen.

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39 Kommentare
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  1. Hallo,
    Sie haben noch Raju Sharma und Niema Movassat(die Linke) und Dr. Bijan Djir-Sarai (FDP) übersehen.
    Unter Beachtung auch der familialen Verknüpfungen haben wir also 14 Abgeordnete. Das entspricht dann 2,25 % der Abgeorrneten. Die türkischstämmige Bevölkerungsminderheit ist nur durch drei abgeordnete vertreten.

  2. Aziz sagt:

    Also wenn Michaela Noll mitzählt, dann gibt es noch einen weiteren Abgeordneten mit Migrationshintergrund. Swen Schulz aus Berlin-Spandau hat eine spanische Mutter… nur so zur Info.

  3. Anne sagt:

    Das bedeutet aber auch, dass es den jeweiligen Parteien keinen sicheren Listenplatz wert war, erfahrene Politiker wie Özdemir, Akgün und Mutlu wieder im Parlament zu sehen. Da kann ich Akgün verstehen – autsch.

  4. Der Fachmann sagt:

    Marc Mulia (Die Linke) sollte auch noch mitgenommen werden. Sein Vater kommt aus Indonesien!

  5. Der Fachmann sagt:

    Doch nicht. Musste gerade nachlesen, dass er nicht ins Parlament kam. Es fehlten ein paar hundert Stimmen zum Glück…

  6. Johanna sagt:

    Der Beste in meinen Augen ist

    Dr. Philipp Rösler MdL (FDP) Niedersachsen
    Landesvorsitzender
    Stv. Ministerpräsident
    Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

  7. Sabine v.C. sagt:

    Naja, er ist ein bissel jung… Ausserdem würde ich den nicht als Mihigru bezeichnen, da er in einem rein deutschen Elternhaus sozialisiert wurde. Deshalb macht er ja auch keine „Vietnampolitik“ :-), so wie insbesondere die Türken fast ausschließlich Klientelpolitik machen.

  8. Mensch mit Migrationshintergrund mit nicht eigener Migrationserfahrung sagt:

    Türken machen also Klientelpolitik. Ist doch sehr erfrischend, wenn man beachtet das bis dato Bio-Deutsche Politiker auch nur Klientelpolitik betreiben, Bio-Deutsches Klientel versteht sich..

  9. nurai sagt:

    @wSabine v.C.:Definition „Migrationshintergrund“ sagt nichts über deine kulturelle sozialisation aus, hier geborene, adoptierte, binationale werden statistisch als „Mensch mit Migrationshintergrund“ geführt …

    ein paar Abgeordnete:

    Agnieszka Malczak (Grüne)
    Polen

    Richard Pitterle Linke
    „Ich wurde am 2.3.1959 in der nordböhmischen Industriestadt Most (Tscheche) geboren. Mein Vater ist Sudetendeutscher. Meine Mutter ist Tschechin. “
    http://www.pitterle.die-linke-bw.de/

    Pascal Kober, FDP
    Mein Vater wurde im Riesengebirge (heute Republik Tschechien) geboren und wuchs im Allgäu auf. Meine Mutter ist französischsprachige Belgierin.
    http://www.pascal-kober.net

    Anrej Hunko, Linke
    ????

    Oliver Luksic FDP
    wahrscheinlich die Eltern Bosnier????

  10. Markus Hill sagt:

    Ich glaube, dass nur gemeint war, dass er neutral mit deutschen Pass keine erkennbare Poltik betreibt, bei der seine Herkunft eine Rolle spielt. Wie jeder andere Politiker ohne Migrationshintergrund. Hier sind ja unten noch andere Namen von solchen Politikern, die keinerlei Probleme mit dieser Haltung haben. Die meisten Bürger empfinden das wohl eher als angenehm, neutral, dem Gemeinwohl verpflichtet (keiner bestimmten Migrantengruppe verpflichtet). Wenn deutsche Poltiker für deutsche Bürger in Deutschland Politik betreiben, passt der Begriff „Klientelpolitik“ nicht. Das muss keineswegs heissen, dass die Interessen von Migranten vernächlässigt werden.


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