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Migration und Integration in Deutschland

Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

Caren Marks

Kinder aus Migrantenfamilien haben schlechtere Bildungschancen als andere Kinder

Kinder aus Migrantenfamilien haben immer noch schlechtere Bildungschancen als andere Kinder. Das ist die Feststellung der SPD. Um die der sozialen Schieflage entgegenzuwirken baut die SPD vor allem auf frühkindliche Förderung unabhängig von Geldbeutel der Eltern.

„Kinder aus Migrantenfamilien haben immer noch schlechtere Bildungschancen als andere Kinder – das muss sich dringend ändern“, so die familienpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Caren Marks. Auf den Anfang komme es an: „Eine gute Integration beginnt schon vor der Schule mit frühkindlicher Bildung. Ein mehrjähriger Kitabesuch erleichtert Kindern den Start in der Schule und legt den Grundstein für die gesellschaftliche Integration.“

Daher wolle die SPD den Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige weiter voranbringen. 2013 tritt der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag in Kraft. In einem nächsten Schritt wolle die SPD wir den Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz durchsetzen.

Außerdem solle die Betreuungsqualität verbessert werden. Dazu gehöre auch eine gute Sprachförderung. Schließlich müsse die Kinderbetreuung vollständig von Gebühren befreit werden. Denn die Teilhabe an Kinderbetreuung und damit an Bildung dürfe nicht länger vom Geldbeutel der Eltern abhängen.

Marks weiter: „Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sind die heute hier lebenden Familien wichtig, die wir unabhängig von der sozialen Herkunft unterstützen wollen. Wir halten uns nicht mit der Diskussion um Geburtenraten auf. Anders die CDU-Familienministerin: Ihre hektischen Manöver, die Geburtenstatistik schön zu reden, haben für Familien keine Bedeutung.“

Dieser Weg führe in die Sackgasse ebenso wie die unsinnige Forderung nach einem Betreuungsgeld. Das Betreuungsgeld solle Kinder von der Kita und Frauen vom Arbeitsmarkt fernhalten. Besonders fatal wäre die Wirkung für Familien mit Migrationshintergrund. Denn der Verzicht auf den Kitabesuch würde den Verzicht auf wichtige ergänzende Integrationsangebote und Sprachförderung bedeuten.

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22 Kommentare
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  1. Derya Gül sagt:

    Fördergeld ist eine der politisch dümmsten Ideen, die es gibt, da stimme ich der SPD absolut zu! Keiner denkt an die verheerenden Folgen, die diese Zahlung vor allem für Kinder mit Migrationshintergrund mit sich bringen würde.
    Es würde eine Art Kettenreaktion auslösen: späterer und deutlich schlechterer Spracherwerb der Kinder, Effekte auf die Lernfähigkeit und -erfolge in der Grundschule, eine schlechte Bewertung beim Übergang zur weiterführenden Schule, Ankunft an der Hauptschule! Es ist absolut vorhersehbar. Frühkindliche Betreuung ist das A und O, hoffentlich wird hierauf in Zukunft wirklich mehr Wert gelegt, statt kontraproduktive Maßnahmen zu beschließen und dadurch Rückschritte zu machen. Man sollte darauf abzielen, die Milieus zu mischen, nicht sie zu trennen.

  2. Sabine v.C. sagt:

    Hören Sie auf zu jammern und […] zu erzählen, Frau Marks. In der Klasse meines Kindes auf dem Gymnasium sind sind so viele Ausländer die durch hervorragende Leistungen hervorstechen, sodass mein hochbegabtes Kind nur mit Fleiss und Lernarbeit mit diesen nichtdeutschen Kindern mithalten, sie manchmal „übertrumpfen“ kann. Im Übrigen sind viele dieser SchülerInnen erst im Alter von 6- 8 Jahren nach Deutschland gekommen und hatten keinerlei Sprachkenntnisse. Keines von denen ist Türke/ Araber oder Kurde. Also Frau Marks, nun die Frage: Halten sie die letztgenannte Zuwanderergruppe für blöde (was ich nicht tue), dass man immer Extrasüppchen im Bildungsbereich für die kochen muss, gehts hier um Anbiederei an diese Zuwanderergruppe oder haben Sie nur einfach keine Ahnung? Machen Sie an Türken, Kurden und Araber klare Ansagen, hören Sie mit der Tätschelei auf und es gibt keine Probleme mehr. Mensch, die Türken können einem ja richtig Leid tun, für wie dumm die von der Politik gehalten werden.

  3. Mehmet sagt:

    Schön, dass Sie solche Erfahrungen gemacht haben. Ich (und viele andere türkische Migrantenkinder) können Ihnen genau das Gegenteil beweisen. Bei Bedarf werde Ihnen mal aufzählen, was uns so widerfahren ist. Als unbeteiligte haben Sie natürlich gut reden. Wenn Sie aber mal ein Bruchteil von dem mitbekommen würden, was unser einer so mit sich machen lassen musste, dann bezweilfe Ich stark, dass Sie hier noch die gleichen Bemerkungen „von sich geben“ würden…

  4. Johanna sagt:

    Warum dies überhaupt auf „Migranten“-Familien beschränken.

    Kinder aus der Unterschicht haben schlechtere Chancen.

  5. Selçuk sagt:

    Wo spricht die Frau Marks von Türken, Kurden oder Arabern? Beziehen Sie sich auf eine Aussage von ihr, die Sie anderwärtig gelesen haben? Wenn ja, würde ich mich über einen Link (falls im Internet) freuen.

  6. Sabine v.C. sagt:

    Nun kommen Sie doch mal zur Sache! Sind „die Türken“ blöder als beispielsweise Russen, Chinesen, Vietnamesen oder warum schaffen es die einen ohne Sonderbehandlung und die anderen sind fast mehrheitlich auf der Loserseite? Natürlich kann ich als Biodeutsche nicht wissen, was Ihnen und anderen Ihrer Landsleute widerfahren ist, woher auch. Woran liegt es also, dass die einen Ausländer so gar kein Problem mit dem Bildungssystem haben, bei dem Türken aber so viel nicht klappt. „Unterschichtskinder“ (welch scheusslicher Begriff) kommen übrigens auch aus der vietnamesischen Community, die mehrheitlich Gymnasien besuchen, sollten von daher also als Argument ausscheiden. An einer Beantwortung resp. Erklärung bin ich ernsthaft sehr interessiert.

  7. Sabine v.C. sagt:

    Richtig. Nur warum stellen so viele Türken (Kurden, Araber) die „Unterschicht“?

  8. Markus Hill sagt:

    Ich glaube, dass moniert wird, dass im Artikel von Frau Marks wieder von Migrantenkindern gesprochen wird, um nicht klar diese Problemgruppen (pauschlisiert ausgedrückt: Türken, Kurden, Araber) zu benennen. Aus Differenzierungsgründen wäre es schöner, wenn man da in diesen Artikeln präziser wird. Man schmeisst da immer Asiaten und andere, schulisch erfolgreiche Migrantengruppen etc. mit den Problemgruppen zusammen, dass ist der Sache weniger dienlich.

  9. Mehmet sagt:

    Zu welcher Sache soll Ich kommen?!
    Dass wir in der Grundschule benachteiligt wurden, weil wir Ausländer waren?! Hierzu eine Geschichte:
    Meine Geschwister (beide älter) hatten nur 4en und 5en auf dem Zeugnis in der 4. Klasse und man hatte sich überlegt, ob man sie nicht auf die Sonderschule schicken solle. Sie wurden verschont und wurden doch noch auf die Hauptschule geschickt. Dann sah allerdings alles auf einmal ganz anders aus: aus 4en und 5en wurden auf einmal nur 1en und 2en (wobei die Anzahl ersterer höher war). Weiterhin wurde nun auf der Hauptschule gesagt, dass meine Geschwister doch lieber mal auf der Hauptschule bleiben sollten, da sie schlechter werden würden. Unser Türkisch-Lehrer hat allerdings gesagt, dass er schon mehrere Gespräche mit den Lehrern an der Schule hatte und diese Migrantenkinder per se nicht auf höhere Schulen schicken wollten. Dies wurde auch so gesagt!! Dennoch haben meine Eltern meine Geschwister auf ein Gymnasium geschickt. Wir alle 3 studieren und werden auch den Doktortitel anstreben.
    Ach: Auf dem Gymnasium wurde meinem Bruder gesagt, dass er, weil er Türke und Muslim sei, seine Deutschkenntnisse ja natürlicherweise schlecht seien. ( Und dies hat er meinem Bruder in der Mittelstufe vor allen Schülern ins Gesicht gesagt!!!) Er konnte sich Jahrelang nur schwer von einer 5 retten, bis ein anderer Lehrer dieses Vorurteil nicht als Kriterium für die Benotung heranzog.

    Meine Story auf der gleichen Grundschule: Meine Bewertungen waren in der 2. Klasse so schlecht, dass man sich überlegt hatte, mich sitzen zu lassen. Glücklicherweise sind wir genau dann umgezogen. Ich kam nach der 4. Klasse auf ein Gymnasium. Mein damaliger jugoslawischer Freund musste sitzenbleiben, kam auf die Sonderschule und ist jetzt Hartz iV – Empfänger.
    Meine Story auf dem Gymnasium: Eine Lehrer haben sich gar nicht drum geschehrt, dass man 4 Jahre lang von seinen Mitschülern diskriminiert wurde:
    „Der Dreckstürke zieht deutsche Klamotten an und verschmutzt unser Gut!“
    „Sag mal, warum wurden Türken damals eigentlich nicht vergast?!“
    Das war nur zwei der vielen Sprüche, die man sich anhören musste, bis irgendwann in der 10. Klasse eine Lehrerin den Mut ergriff, diesen Schülern mit dem Rausschmiss zu drohen. Bisher war dies schwierig, da deren Eltern entweder Doktoranden, Professoren waren oder sich in der Schule engagierten.
    Was denken Sie, wie oft man sich die Frage gestellt hat, einfach nur wegen dieser Vorfälle auf die Hauptschule zu wechseln, um endlich mal unter seinesgleichen zu sein, damit man Ruhe hat?!

    Mein Bruder hat für eine Zeit lang in einer Nachhilfeorganisation für Migrantenkinder gearbeitet und hat ständig solche Geschichten erzählt.

    Und kommen Sie mir nicht mit „Kommen Sie mal zur Sache!“ !!
    Was wissen Sie denn schon von den Erlebnissen der Migranten?! Theoretisierren hier einfach nur rum und versuchen, Ihr eigenes Bild von den Orientalisten mit irgendwelchen Gegenbeispielen zu zementieren! Machen Sie nur weiter mit einer derart abscheulichen Ignoranz, dass einem die Galle hochkommt! So langsam reicht es mir mit diesen „Mitbürgern“, die meinen, alles besser zu wissen! Ich lege Ihnen folgendes Zitat ans Herz:

    „Ich weiß, dass Ich nicht weiß!“

    Falls Sie den Sinn dieser Aussage nicht verstehen, dann tun Sie sich selbst mal einen Gefallen und beschäftigen sich selbstkritisch damit!

  10. Sabine v.C. sagt:

    Weshalb so gereizt? Sehen Sie, Sie bedienen genau das Klischee, das „man“ von Türken hat: Zu keiner normalen Diskussion fähig und ätzend aggressiv. Ich bat um eine Antwort und bekam einen Schwall Vorwürfe . Deshalb EOT.


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