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Bekenntnisschulen benachteiligen Migrantenkinder

Mit der Abschaffung der Schulbezirksgrenzen dürfen Eltern ihre Kinder an eine Schule Ihrer Wahl schicken und sind nicht mehr ortsgebunden. Dies hat zur Folge, dass „bessere“ Schulen sich ihre Schüler aussuchen können. Eine weitere Folge ist, dass nun auch die Konfession eine Rolle spielt und teilweise Vorrang vor der Wohnortnähe bekommt. Bürgerinitiativen beklagen nun, dass Kindern ohne Taufschein – überwiegend Migrantenkinder – der Weg zu einer besseren Schulbildung verwehrt wird.

Diese Woche wandten sich mehr als 500 Eltern mit einer Petition an den nordrhein-westfälischen Landtag. Sie beklagen, dass Kinder ohne Taufschein im Schuljahr 09/10 trotz Wohnortnähe an konfessionellen Schulen nicht aufgenommen werden, obwohl konfessionelle Schulen nicht von den Kirchen, sondern von den Kommunen getragen werden. Sie hoffen, dass sich die Regelungen für die Anmeldung für die Einschulung 2010 ändern werden.

Die Bürgerinitiative trägt den Namen „Kurze Beine, kurze Wege“ und möchte eine politische Lösung. Die aktuelle Regelung führe zur sozialen Desintegration von Schulbeginn an. Sie führe zur Entstehung von Brennpunktschulen für Kinder aus Migrantenfamilien. Besserverdienende Eltern würden keine Mühe und keine langen Wege scheuen, um ihre Sprösslinge an Bekenntnisschulen von Migranten zu separieren.

Renate Hendricks, schulpolitische Sprecherin der SPD-Opposition im Landtag unterstützt die Bürgerinitiative und bezeichnet die Neuerung als bildungs- und integrationspolitisches Problem, die zur sozialen Spaltung führe. „Dagegen müsste Integrationsminister Laschet vorgehen“, so die Politikerin. SPD und Grüne fordern, dass alle 3500 Grundschulen in NRW, davon 1100 katholisch und 100 evangelisch, in erster Linie Kinder aus der Nähe, also mit kurzem Schulweg, aufnehmen.

FDP hingegen gehört zu den Befürwortern der Neuerung. Die Aufhebung der Schulbezirksgrenzen sei ein Wettbewerbsanreiz für die Schulen, ein Druckmittel zur Qualitätssicherung und Profilierung.