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Türkische Presse Europa

11.09.2009 – Özdemir, TGD, Wahlkampf

Die Europaausgaben türkischer Tageszeitungen berichten heute überwiegend über Wahlkampfveranstaltungen von Politikern und insbesondere von Cem Özdemir. Außerdem gibt es eine Reihe Artikel zu Integration und Migration sowie zu den Moscheekontrollen und zur Forderung der TGD, ein Ministerium für Partizipation und Migration zu schaffen.

Was wollen Türkeistämmige Wähler von der Politik?
Unter dieser Schlagzeile fasst die SABAH ausführlich die für Türken wichtigsten Themen zusammen und lässt einzelne zu Wort kommen. So wolle der 28jährige selbstständige I.Ö., dass das Steuersystem geändert und die Lohnnebenkosten gesenkt werden müssten. Die 48jährige Hausfrau N.Z. wolle, dass die Politik eine Lösung gegen die Arbeitslosigkeit finden müsse. Für die G.V (38) hingegen sei Vertrauen wichtig. Politiker sollten nur glaubwürdige Versprechungen machen.

Es ist Zeit für ein Ministerium für Partizipation und Migration
Unter dieser Schlagzeile berichten SABAH und TÜRKIYE über die Forderung des Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Berlin, Kenan Kolat, ein Bundesministerium für Partizipation und Migration einzurichten (wir berichteten).

Wahlempfehlung von Kenan Kolat
Über die Wahlempfehlung vom Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde Berlin (TGB) berichten heute mehrere Zeitungen (HÜRRIYET). Kolat habe alle wahlberechtigten dazu aufgefordert, wählen zu gehen. Dabei sollte jeder der Partei seine Stimme geben, die eine gute Integrations- und Migrationspolitik betreibe, den EU-Beitritt der Türkei unterstütze sowie Türken Vorteile auf dem Arbeitsmarkt in Aussicht stelle.

Ausländer müssen zu Inländern werden
Cem Özdemir habe an einer Integrationsveranstaltung in Aachen teilgenommen und dort gesagt, dass man vielmehr darüber nachdenken müsse, wie man aus Ausländern Inländer machen könne. In den 80ern, als klar wurde, dass die meisten Türken nicht mehr zurückkehren werden und spätestens beim Mauerfall hätte man den Migranten das Gefühl geben müssen, dazuzugehören – als sog. dritter Teil Deutschlands. Nach dem Brandfall in Solingen beispielsweise, sei es ein Fehler gewesen, dass der damalige Bundeskanzler nicht auf der Trauerfeier war.

Armin Laschet, NRW Integrationsminister, der ebenfalls an der Veranstaltung teilgenommen hat, habe hingegen gesagt, dass der größte Fehler nach der Gastarbeiteranwerbung gemacht worden sei. Spätesten dann hätte man sich mehr um die Gastarbeiterkinder bemühen müssen. (SABAH)

Cem Özdemir kritisiert deutsches Bildungssystem
Grünen Vorsitzender Cem Özdemir, so die MILLIYET, kritisierte in Duisburg das deutsche Bildungssystem und forderte Verbesserungen im Vorschulischen Bereich und Chancengleichheit. Die ZAMAN räumt der Veranstaltung mehr Raum ein und betont den Aufruf Cem Özdemirs an die Schüler der 13. Klasse. Er habe viel Arbeit gefordert und gesagt, dass sie Deutschland viel geben werden.

Wahlkampf der Grünen
Die HÜRRIYET berichtet über die Wahlkampftour Cem Özdemirs, dessen letzte Station Köln gewesen sei. Özdemir habe dort erklärt, dass die richtige Partei bei den Bundestagswahlen, die Grünen seien. Claudia Roth sei in Bremen gewesen und habe dort gesagt, dass trotz allen Problemen die Erfolg von Migranten nicht weggeredet werden können.

Die SABAH hingegen berichtet über ein Moscheebesuch von Grünen-Chefin Claudia Roth in Verden. Während des Besuchs der DITIB-Moschee habe sich Roth für die doppelte Staatsbürgerschaft und eine bessere Bildung ausgesprochen.

Mosscheekontrollen sind unglücklich
Der Delmenhorster Abgeordnete Murat Kalmis habe die in jüngster Zeit stattfindenden Moscheekontrollen als „unglücklich“ bezeichnet. Ein Polizeiwagen vor einer Moschee würde immer ein schlechtes Bild abgeben und den Integrationsprozess verlangsamen. Er halte es für nicht richtig, dass Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann Moscheekontrollen für Wahlkampfzwecke missbrauche. (TÜRKIYE und SABAH)

Drei Religionen in einer Schule
Das Bistum Osnabrück wolle einer Meldung der ZAMAN zufolge zusammen mit der jüdischen Gemeinde und dem Landesverband der Muslime Schura Niedersachsen eine interreligiöse Grundschule für die Kinder der drei abrahamischen Religionen – Christentum, Judentum und Islam – gründen. Ziel sei es, dass die Kinder schon früh Respekt gegenüber anderen Religionen entwickeln.

Das deutsche Schulsystem
Hierüber berichtet die ZAMAN und stellt unterschiedliche Standpunkte der Parteien gegenüber. Die Union und die FDP seien gegen Einheitsschulen und Studiengebühren. SPD/Die Linke/Die Grünen hingegen wollen Studiengebühren abschaffen. Die Linke und Die Grünen seien außerdem für Einheitsschulen, wobei die Linkspartei hier am aggressivsten agiere.

NPD-Verbot
Die HÜRRIYET berichtet über den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann und dessen Pläne, die NPD zu verbieten. Herrmann, so in der HÜRRIYET, wollen nicht warten, bis die Republik in Gefahr ist. Die HÜRRIYET weißt auch darauf hin, dass ein NPD-Verbot wegen den zahlreichen V-Männern der Verfassungsschutzämter bisher nicht möglich gewesen ist.

Integrationskurse
Die SABAH berichtet in einem kurzen Artikel über die Kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen (Die Linke). Sie kritisiert Dumpinglöhne, die den Lehrkräften in Integrationskursen gezahlt werden. Mit der Pauschale, die die Bundesregierung zur Verfügung stelle, sei es den Kursträger n nicht möglich, höhe Löhne zu zahlen. (wir berichteten)

Afghanen in Deutschland
Die ZAMAN bringt eine Reportage über Afghanen in Deutschland. Es lebten 120 000 Afghanen in Deutschland, die eine historische Verbundenheit mit Deutschland pflegten. Sie würden viel Wert auf Bildung legen, die Sprachen „pestun“ und „dari“ sprechen, aus Sunniten und Schiiten bestehen, keinen muttersprachlichen Unterricht an Schulen haben, die kulturelle und religiöse Unterweisung in der Moschee erhalten und über Satellitenschüssel Heimatsender anschauen. Außerdem so die ZAMAN, würden sie Taliban nicht mögen und seien für den Auslandseinsatz deutscher Soldaten in Afghanistan.

Kein Zutritt für Türken
Über einen Diskiminierungsfall in Lünen berichtet die HÜRRIYET unter großen Lettern. Dort sei einem türkischen Paar die Mitgliedschaft in einem Sportstudio mit der Begründung verweigert worden, dass die Kapazitäten ausgeschöpft seien. Würden sich allerdings Deutsche anmelden wollen, würden diese herzlich eingeladen. Außerdem sei den Betroffenen mitgeteilt worden, dass insbesondere Frauen es nicht haben wollen, dass zu viele Männer mit Migrationshintergrund aufgenommen werden.

Deniz Feneri
Gestern wurde über den Verein Deniz Feneri berichtet, die laut MILLIYET Spendengelder in Millionenhöhe veruntreut hat und nach dem Prozess die Spendensammlung wieder aktiv aufgenommen habe. Heute gibt die Zeitung Leserreaktionen wieder, die sich über die Dreistigkeit des Vereins empören. „Wollen die (Deniz Fener) die Türken in Europa ‚verarschen‘?“ heißt es in der MILLIYET.