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Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland

Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

Integrationskurse

Kein Geld, nur jeder vierte Teilnehmer ist erfolgreich

Die Bundesregierung spricht von einer Erfolgsgeschichte, wenn es um Integrationskurse geht. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Nur jeder Vierte, der einen Integrationskurs besucht, besteht am Ende die Integrationskursprüfung. Die Linkspartei fordert mehr Geld und Mindestlohn für Lehrkräfte.

Von Anfang 2005 bis Ende März dieses Jahres haben bisher mehr als 500.000 Zuwanderer einen Integrationskurs besucht. Fast 264.000 Teilnehmer haben den Kurs bis zum Ende absolviert und knapp 192.000 haben an der Integrationskursprüfung teilgenommen, die von rund 126.500 Personen bestanden wurde. Somit liegt die Quote derer, die einen Integrationskurs besucht und erfolgreich abgeschlossen haben bei knapp über 25 Prozent. Dies geht aus der Antwort der der Bundesregierung (16/13972) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Für Sevim Dagdelen, migrations- und integrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion, ist dies das Resultat von „Dumpinglöhnen“ in den Integrationskursen. Die schlechte Bezahlung von Lehrkräften führe zwangsläufig zu Qualitätseinbußen und spiegele sich in den Statistiken wieder.

Eine angemessene Vergütung der Lehrkräfte sei auch aus der Sicht der Bundesregierung eine berechtigte Forderung. Allerdings unterliege die Höhe der Vergütung jedoch der Vertragsfreiheit zwischen dem jeweiligen Träger und der Lehrkraft. „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kann zwar im Rahmen der Trägerzulassung Auflagen zur Vergütung erteilen, aber nur um zu verhindern, dass durch Dumping-Löhne Wettbewerbsvorteile erschlichen werden“, so die Bundesregierung.

So lasse das BAMF diejenigen Träger, die im Rahmen des Zulassungsverfahrens keine Angaben zur Kursleitervergütung machen, nicht als Kursträger zu und erteile Trägern, die Honorare unterhalb einer ermittelten Durchschnittsgrenze von 15,00 Euro angeben, nur eine auf ein Jahr verkürzte Zulassung.

Für Sevim Dagdelen ist die Weigerung der Bundesregierung, eine Mindestentlohnung vorzuschreiben, „die den Betroffenen ein ihrer Qualifikation und Leistung entsprechendes Einkommen sichern würde“, nicht nachvollziehbar und eine Entlohnung von studierten Fachkräften auf „etwa Hartz IV“ Niveau“ gewollt.

Dagdelen weiter: „Im Durchschnitt erhalten Lehrkräfte, die auf Honorarbasis in den Integrationskursen arbeiten 18 Euro. Von diesem Geld müssen sich die Betroffenen selbst versichern, und sie erhalten weder Kranken- noch Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Der Druck auf Träger erhöht sich aber noch dadurch, dass Hungerlöhne unterhalb von 15 Euro zugelassen sind, wenn das geforderte Qualitätsniveau erfüllt wird.“

So kritisiert die Linkspartei die prekären Arbeitsbedingungen und schließt sich den Forderungen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft nach einem Honorar in Höhe von mindestens 25 Euro an. Solche Löhne seien angesichts der vom Staat derzeit bereitgestellten Pauschale in Höhe von 2,35 Euro pro Person und Stunde, von den Sprachkursträgern nicht zu gewährleisten. Die Linke fordert daher eine Erhöhung der Pauschale auf mindestens 3,00 Euro.

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21 Kommentare
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  1. Krause sagt:

    Man sollte an das erfolgreiche Bestehen des Kurse bestimmte Rechtsfolgen (z.B. Senkung sozialer Leistungen etc.) knüpfen, dann erhöht sich die Erfolgsquote – trotz schlechter Bezahlung – wie von Geisterhand. Wir fordern noch viel zu wenig von unseren Migranten. Wem dies nicht paßt, es ist keiner gezwungen nach Deutschland zu kommen.

  2. BiKer sagt:

    das wäre eine option, wenn deutschland nicht verpflichtet wäre, einene bestimmten mindeststandard zu gewährleisten. aber darin stimme ich ihnen zu. es könnte helfen.

  3. municipal sagt:

    Der etwas „unsubtile“ Beitrag von KRAUSE nötigt mich nun doch, mich ein wenig mit der unsäglichen „Kleinen Anfrage“ der LINKEN zu befassen, und deren „Erkenntnise“ bez. der Prozentsätze der Erfolgsquote ein wenig klarzustellen:

    Zitat

    Im Hinblick auf die Prüfungsteilnahme und die Quote der Prüfungsteilnehmer,
    die die Prüfung bestehen, wird darauf hingewiesen, dass im Zeitraum 2005 bis
    zum ersten Quartal 2009 263 973 Teilnehmer einen Integrationskurs absolviert
    haben. Davon haben 191 798 Teilnehmer an der Integrationskursprüfung
    gemäß § 17 Integrationskursverordnung (IntV) teilgenommen. Von diesen
    191 798 Prüfungsteilnehmern haben 126 452 (65,9 Prozent) die Prüfung bestanden
    Die Quote der Kursabsolventen, die die Prüfung bestehen, ist seit 2005
    von ca. 45 Prozent auf über 69 Prozent angestiegen. (Zu den Teilnehmerzahlen
    s. auch die Jahresbilanz 2008, http://www.bamf.de). Diese Zahlen sind im Vergleich
    zur Ausgangslage vor Einführung der Integrationskurse, als es keine Prüfungen
    zum Nachweis des Lernerfolges gab, ebenfalls als Erfolgsgeschichte zu werten;
    zur Ausgangslage s. Erfahrungsbericht der Bundesregierung an den Deutschen
    Bundestag zu Durchführung und Finanzierung der Integrationskurse nach § 43
    Abs. 5 des Aufenthaltsgesetzes (Bundestagsdrucksache 16/6043).

    Zitat (aus der angebegeben Antwort der Bundesregierung)

    Der Zusammenhang mit einem besseren Lernergebniss der Teilnehmer durch einen höheren Stundenlohn der Lehrenden erschliesst sich mir nicht. Man könnte natürlich die Anforderungen auf praktisch Null setzen, was sicher eine Erflogsquote von 100 % ergeben würde.

  4. berlino sagt:

    Laut Artikel hat rund die Hälfte der Teilnehmer den Kurs nicht zu Ende besucht. Vermutlich hatten sie kein Bock.

  5. Markus Hill sagt:

    Ohne einen bösen Hintergedanken:-): Was meinen Sie mit diesen Mindeststandards? (Nur zu meinem Verständnis).

  6. Thomas Hohlfeld sagt:

    Womit hat das MIGAZIN eigentlich solche Kommentare verdient?
    Die hohe Qualität der meisten MIGAZIN-Beiträge wird konterkariert von einem geradezu unterirdischen Niveau vieler User-Beiträge (siehe oben – es macht einfach zu viele Mühe, alle schwachsinnigen Äußerungen zu widerlegen, das musste ich bereits an anderer Stelle lernen…).
    Wie auch die Umfrage-Ergebnisse von MIGAZIN zeigen, beteiligen sich hier aktiv offensichtlich vor allem tumbe, xenophobe Gesellen. Ich würde ernsthaft überlegen, nur noch tatsächlich gehaltvolle inhaltliche Ergänzungen oder Korrekturen in der Sache zu veröffentlichen, oder – wenn man den Zensur-Vorwurf scheut – die Kommentare ganz abzuschaffen, oder eine gesonderte Kategorie „Blick in die kochende Volksseele“ zu eröffnen und die Beiträge dorthin zu verschieben.

  7. municipal sagt:

    @ Thomas Hohlfeld

    „Womit hat das MIGAZIN eigentlich solche Kommentare verdient?“

    Zum Beispiel mit eder Presse- und Meinungsfreiheit ? Unliebsame Meinungen einfach durch den Wunsch nach „unterdrücken“ aus dem Weg (Auge) zu rücken, woher kenne ich das nur……..

    Wenn es Ihnen „einfach zu viel Mühe macht“, solche Kommentare zu widerlegen, dann lassen Sie es doch einfach.

    Und WER entscheidet darüber „nur noch tatsächlich gehaltvolle inhaltliche Ergänzungen oder Korrekturen in der Sache zu veröffentlichen“, und nach welchen Kriterien? […]

  8. BiKer sagt:

    jetzt stellen sie sich nicht [selbstzensur] als sie schon sind. schreiben sie mal ein kommentar in den seiten des sog. mainstreams, die der redaktion durch den strich geht. selbstverständlich entscheidet auch hier die redaktion. sie sollten froh sein, dass sie hier überhaupt nocht posten dürfen auf sz, faz, welt, stern, spiegel etc. wären sie schon längst rausgeflogen, wenn sie ständig, unermüdlich, pausenlos und mit einer – zugegeben – eisernenn härte gegen das christentum schreiben würden. sie hetzen.

  9. Ekrem Senol sagt:

    Hallo Herr Hohlfeld,

    das mit der Kommentarmoderation ist auch innerhalb der Redaktion ein Thema für sich und wir überlegen uns, wie wir die Zahl der unsachlichen Kommentare reduzieren können. Schlicht löschen erscheint uns nicht die richtige Herangehensweise – auch wenn sich das manchmal nicht vermeiden lässt – und der Verzicht auf die Kommentarfunktion auch nicht. Die einzig verbleibende Lösung ist die von Ihnen vorgeschlagenen Kategorie „kochende Volksseele“ 🙂 oder eben klare Linien (was geht, was nix geht) für Kommentare – so schwer es auch ist, diese zu formulieren. Wie auch immer. Wir arbeiten daran.

  10. Markus Hill sagt:

    So eine Kategorie „Kochende Volksseele“ wäre wirklich nicht schlecht. Sie hätte bestimmt einen hohen Unterhaltungswert.:-)
    Dann kann jemand immer noch entscheiden, ob er höflich gegenüber auftritt und zumindest gewisse sachliche Töne überwiegen lassen möchte. Solche Rufe nach Zensur halte ich im Grunde genommen für demokratiefeindlicher, gefährlicher und „totalitärer“ von der Gedankenhaltung her, als irgend jemand, der im Ton sehr hart ist. (Natürlich, es gibt da Fälle die an der Grenze sind – auf beiden Seiten).
    Wenn ich mir hier viele Beiträge ansehe kann ich da keine Hetze erkennen. Das Hetze-Argument wird in der Regel dazu gebraucht, den politischen Gegner mundtot zu machen. Ausnahme dafür meines Erachtens: Der Blogg PI (Politically Incorrect) – die sind zum grossen Teil so unsachlich/einseitig und in Teilen hetzend, das es schon fast „weh tut“. 🙂
    Es besteht da sehr der Verdacht, dass man sich wieder beleidigt fühlt oder einem die Argumente vom Gegenüber nicht passen. Mehr ein Ausdruck von Frust und Resignation als von argumentativer Redlichkeit in der Diskussion. Es Ist zudem kein Ausdruck von intellektueller „Stärke“, wenn ich so mein Gegenüber im Diskurs diskreditieren möchte. Die meisten Leute, die hier diese Kommentarem lesen sollten erwachsen sein und schon differenzieren können, ob nun jemand aus einer rechtsradikalen deutschen oder rechtsradikalen türkischen Ecke kommt. Es gibt ja Grenzen, wo Sie sich selber vielleicht als Redaktion rechtlich beim Veröffentlichen in Schwierigkeiten bringen würden. Natürlich schaltet man das dann nicht frei.
    Ich habe die bisherige Linie der Redaktion bewundert und geschätzt. Obwohl ich auch teilweise die sehr einseitige Türkenorientierung (diese sind nur ein Teil der Migrantencommunity) kritisiere, empfinde im Ausgleich dafür den Kommentarbereicht als sehr freiheitlich orientiert. Auch wenn es da manchmal etwas hart hin und her geht, kann man immer wieder einmal neue Sichtweisen kennenlernen. Damit haben Sie als Redaktion fast ein Alleinstellungsmerkmal.
    Damit Sie dass nicht falsch verstehen: Harte Kritik ja, persönliche Diffamierungen/Beschimpfungen und Denkverbote – nein!:-)
    (Immer im Rahmen der geltenden Gesetze).


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