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Migration und Integration in Deutschland

[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden.

Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Weber, 1974

Hessischer Kulturpreis

Kermani soll nun doch ausgezeichnet werden

Der Streit um die Verleihung des Hessischen Kulturpreises wurde beigelegt. Die drei Preisträger des Hessischen Kulturpreises 2009 Prof. Dr. Salomon Korn, Karl Kardinal Lehmann und Kirchenpräsident i.R. Prof. Dr. Peter Steinacker seien nunmehr der Ansicht, dass Herr Dr. Navid Kermani mit dem Hessischen Kulturpreis mitausgezeichnet werden soll.

Das ist das Ergebnis eines mehr als zweistündigen Gespräches, zu dem sich Lehmann, Steinacker und Korn mit Kermani in Mainz getroffen haben. In einer kurzen Mitteilung äußerten sie, dass „alle Aspekte der Kontroverse“ in einer sachlichen, offenen und respektvollen Atmosphäre diskutiert worden seien. Steinacker sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, man habe sich darauf geeinigt, nichts Näheres zum Inhalt des Gesprächs verlauten zu lassen. Nun müsse das Kuratorium des Preises entscheiden, ob es der Empfehlung folge, auch Kermani auszuzeichnen. Am Montag hatte Ministerpräsident Roland Koch (CDU) einen ersten „Kontakt“ mit dem muslimischen Schriftsteller; bisher ist aber noch kein Termin für eine Sitzung des Kuratoriums bekannt geworden.

Die hessischen Parteien haben erleichtert auf die Einigung der vier Träger des Hessischen Kulturpreises 2009 reagiert. „Das ist die Entwicklung, die wir uns erhofft haben“, sagte Regierungssprecher Dirk Metz. „Es war unser Ziel, dass wir aus dieser verfahrenen Situation herauskommen“, sagte auch Justizminister Jörg-Uwe Hahn. Die FDP sei immer dafür eingetreten, dass auch der von den christlichen Preisträgern kritisierte muslimische Autor Navid Kermani den Preis bekommt.

Grüne und SPD erleichtert
Die Sprecherin der Fraktion der Grünen im Hessischen Landtag sagte indes, die Tatsache, dass es nur eines zweistündigen Gesprächs bedurft hat, um die Missverständnisse auszuräumen, zeige, wie sehr das Kuratorium des Preises mit Ministerpräsident Roland Koch an der Spitze versagt habe.

Kritik kam auch von der SPD. Koch habe sich zunächst auf Seiten Lehmanns und Steinackers geschlagen und sich gegen Kermani gestellt. „Der Schaden für den Kulturpreis ist entstanden, aber das besonnene Vorgehen der vier Beteiligten trägt dazu bei, diesen zu begrenzen“, sagte der SPD-Generalsekretär Michael Roth.

Linke fordern Entschuldigung
Auch die migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Hessischen Landtag, Barbara Cardenas, zeigte sich erfreut über den Ausgang. Allerdings sei das ein etwas später Sieg der Vernunft.

„Dass es nach den Peinlichkeiten von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) als Vorsitzenden des Kuratoriums des Kulturpreises, noch zu dieser Einigung gekommen ist, ist der Offenheit Navid Kermanis zu verdanken. Im Gegensatz dazu haben sich Koch und sein Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) als unfähig erwiesen, den notwendigen Dialog anzustoßen“, sagte Cardenas. So erwarte die Linkspartei von Roland Koch, dass er sich bei Navid Kermani entschuldigt.

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  1. […] Grüne erwarten Entschuldigung von Koch bei Kermani2.353Heute wird der Hessische Kulturpreis für die interreligiöse Kooperation und die Schaffung einer ‘Kultur des Respekts’ von Roland Koch unter anderen an Navid Kermani verliehen. „Diese Preisverleihung ist ohne eine ehrliche Entschuldigung von Koch bei Kermani schlicht nicht vorstellbar”, so die Grünen im hessischen Landtag. Hessischer Ministerpräsident Roland Koch (CDU) © (bearb. MiGAZIN) Hintergrund: Die Diskussionen um den Hessischen Kulturpreis entflammten, nach dem die beiden christlichen Preisträger sich weigerten, den Preis zusammen mit Kermani anzunehmen. So wurde dem muslimischen Preisträger der Preis auf Druck der christlichen Kandidaten aberkannt. Roland Koch, Hessischer Ministerpräsident und Vorsitzender des Kuratoriums, erntete dafür breite Kritik, dass er den Preis des Landes nach dem Willen der beiden christlichen Vertreter, Karl Kardinal Lehmann und der frühere Kirchenpräsident der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker, vergibt. (Wir berichteten hier, hier und hier) […]



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