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Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

EU-Agenda Türkei

Tarik Ramadan, Heidemarie Wieczorek-Zeul

Diese Woche widmet sich die EU-Agenda der Türkei den Erklärungen von Tarik Ramadan vom islamischen Forschungszentrum an der Universität Oxford und den Worten der deutschen Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Wieczorek-Zeul.

DATUM13. August 2009

KOMMENTARE6

RESSORTPolitik

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Tarik Ramadan vom islamischen Forschungszentrum an der Universität Oxford verfasste einen Artikel über die EU-Mitgliedschaft der Türkei. In seinem Artikel unter dem Titel „Die Türkei ist ein Teil Europas. Es ist die Angst, die die Türkei von der Europäischen Union fern hält“, widerspricht Ramadan den Thesen, wonach die Türkei kein Teil Europas ist mit den Folgenden Worten:

„Das Osmanische Imperium hat mehr als 400 Jahre die strategische und politische Zukunft des Kontinents geteilt und geformt. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es jedoch zum Kranken Mann Europas. Heute noch ist der historische und wirtschaftliche Einfluss der Türkei geltend. Niemand wird aufgrund von ideologischen und politischen Gründen den Vorstößen nach einer neuen Festlegung des Grenzen Europas einverstanden sein, wie es scheint. Wenn dieselben Kriterien auf bereits bestehenden Mitgliedern durchgeführt worden wären, hätte Südzypern nicht zu einem Teil Europas werden können. Diese Art von künstlichen Unterscheidungen übersehen die eigenen Tatsachen der europäischen Gesellschaft, die seit langer Zeit zum Treffpunkt von historischen und nationalen Wurzeln, Memoiren und Kulturen geworden ist.“

Ramadan unterstreicht in seinem Artikel auch, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs in Blick auf die Zukunft eine strategische Vision entwickeln müssen, anstelle sich nur mit ihren eigenen kulturellen und religiösen Problemen zu beschäftigen. Außerdem betont Ramadan, dass die Türkei, die nahe Beziehungen zum Iran, Syrien und zentralasiatischen Ländern unterhält, nicht außer Acht gelassen werden darf.

Der Schriftsteller betont zudem, EU-Dokumente sagten aus, dass der Kontinent in den nächsten 20 Jahren auf die Arbeitskraft von 15 Millionen Arbeitern angewiesen sein wird. Die Türkei könne bei der Bereitstellung dieser Arbeitskraft ein starker Verbündeter sein.

Die Islamophobie müsse überwunden werden, betont Ramadan und fährt wie folgt fort: „Es ist an der Zeit, dass europäische Länder die Islamophobie überwinden und die Türkei die EU-Mitgliedschaft nicht zu einem kulturellen Schlachtfeld verwandelt. Das einzige Kriterium der Mitgliedschaft müssen die Kopenhagener Kriterien sein. Der Bericht der EU-Kommission von 2004 sagte aus, dass die Türkei sehr nah daran ist, die Kriterien zu erfüllen. Die europäischen Staats- und Regierungschefs sind bereit, die langfristigen sozioökonomischen Bedürfnisse ihrer Länder zu übersehen, um die kurzfristigen religiösen und kulturellen Ängste ihrer Wähler aus dem Weg zu räumen. Millionen von moslemischen Frauen und Männern sind bereits Europäer. Die EU-Mitgliedschaft der Türkei wird keine neue Situation und auch keine Bedrohung darstellen.“

Seinen Artikel beendet Ramadan mit den folgenden Sätzen: „Die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union wird für Europa eine Aussöhnung mit den eigenen Prinzipien bedeuten, die bei der Umsetzung von Europa selbst oft missachtet worden sind.“

EU-Mitgliedschaft der Türkei ist sehr wichtig für die Region
Die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Wieczorek-Zeul sagte in Anlehnung an die von der Türkei auf dem EU-Weg gesetzten Schritte „die EU-Mitgliedschaft der Türkei ist sehr wichtig für die Region“.

Heidemarie Wieczorek-Zeul kam auf Einladung der Friedrich Ebert Stiftung mit Hauptsitz in Deutschland nach Istanbul und bekundete hierbei ihre Unterstützung für die EU-Mitgliedschaft der Türkei.

Gegenüber türkischen Medien erklärte die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung folgendes: „Als Sozial-Demokratische Partei sind wir für eine EU-Mitgliedschaft der Türkei. Die Mitgliedschaftskriterien dienen der Demokratisierung der Türkei. Eine Mitgliedschaft der Türkei ist auch wichtig für die Stabilität des Gebiets. Doch wäre es falsch, ein genaues Datum für die EU-Mitgliedschaft zu nennen.

Wieczorek-Zeul wies auch daraufhin, dass in der Türkei eine Türkisch-Deutsche Universität gegründet wird und somit die seit der Vergangenheit anhaltenden tiefgreifenden Kooperationen zwischen beiden Ländern in eine neue Dimension getragen werden. In diesem Rahmen spielten auch deutsche Vereine und Stiftungen bei der Entwicklung der bilateralen Beziehungen eine große Rolle.

Die Syrien-Problematik
Unterdessen schrieb die in Großbritannien monatlich veröffentlichte Zeitschrift „The Middle East“, dass die Rolle der Türkei in der Region ein wichtiger Vorteil für die EU-Mitgliedschaft ist. Die Zeitschrift schrieb über Syrien-Thematik folgendes: „Wenn die Türkei es schaffen sollte, ein reformiertes Syrien an den Verhandlungstisch zu bringen, wird dies auch zum Vorteil er EU-Politik in der Region sein. Solch ein Vorstoß, wird zweifelsohne das Ansehen der Türkei bei der Europäischen Union steigern und auch einen Beitrag zur Gewährleistung der Stabilität und Sicherheit im Gebiet leisten.“

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6 Kommentare
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  1. municipal sagt:

    Tariq Ramadan hier einfach kritiklos als „Schriftsteller“ zu bezeichnen ist schon ein starkes Stück. Ich erspare mir näher darauf einzugehen, jeder kann sich selbst im Net ein Bild von diesem Mann machen.

    Hier nur kurz

    Zitat
    Ramadans Kritiker – allen voran Caroline Fourest, Autorin von Frère Tariq („Bruder Tariq“) – sehen in ihm gleichwohl eine sich nur scheinbar aufgeklärt gebende Stimme des im Kern antiwestlich orientierten Islamismus. Fourest hält ihn gerade deswegen für besonders gefährlich, weil seine Ansichten auf den ersten Blick völlig vernünftig erscheinen.
    Zitat Ende
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tariq_Ramad

    Interessant ist aber, das jetzt Personen wie T.R.über den Beitritt der Türkei in die EU entscheiden wollen. Dieser Beitritt betrifft die Bürger der EU und die Bürger der Türkei. Würde es heute zu einer Volksbefragung in BEIDEN Ländern kommen, würden sich meiner Ansicht nach 70% der Europäer und 60% der Türken gegen einen Beitritt aussprechen.

    Die Türkei in ihrer heutigen Verfassung ist auf keinen Fall beitritsfähig, da sind sich sogar CDU,SPD und FDP einig.
    Welche Entwicklung die Türkei nimmt? Ich sehe unter Erdogans AKP und seiner Islamisierung keine Gute. Die Orientierung geht in den islamischen Raum, neue neo-osmanischen Bestrebungen (auch durch den neuen Aussenminister) sind zu erkennen.

    Was die geostrategische Lage angeht, ich möchte nicht Staaten wie Iran und Irak an einer EU Aussengrenze sehen.

    ………
    Der Bericht der EU-Kommission von 2004 sagte aus, dass die Türkei sehr nah daran ist, die Kriterien zu erfüllen.
    ……….

    Lesen Sie mal die EU Berichte 2007 und 2008.

    ………..
    Ramadan unterstreicht in seinem Artikel auch, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs in Blick auf die Zukunft eine strategische Vision entwickeln müssen, anstelle sich nur mit ihren eigenen kulturellen und religiösen Problemen zu beschäftigen.
    ……….

    Das ist wohl ein schlechter Witz ? Die Probleme sind die kulturellen und religiösen der Türkei,nicht der EU.

  2. Teleprompter sagt:

    „Unterdessen schrieb die in Großbritannien monatlich veröffentlichte Zeitschrift „The Middle East“, dass die Rolle der Türkei in der Region ein wichtiger Vorteil für die EU-Mitgliedschaft ist.“

    Ja die Briten; sind selbst nur halb dabei, aber empfehlen den Türkeibeitritt. Sehr witzig.

  3. municipal sagt:

    Rariq Ramadan wurde zu einer Diskussion an der Erasmus-Universität in Rotterdam eingeladen, als „Brückenbauer“ zwischen den Kulturen. Was dieser „Wolf im Schafspelz“ darstellt, hat Afshin Ellian als columnist for NRC Handelsblad and a professor of law at Leiden university am Schluss seines lesenswerten Artikels (leider nur in englischer Sprache verfügbar) wie folgt beschrieben:

    Zitat

    The television broadcaster for which Ramadan works also has a site in Persian. That site reported last week that the tragic death of a Turkish woman in Amsterdam (the woman murdered in front of a day care centre) was a racist killing of an Islamic woman wearing a headscarf. As if she was murdered because of her headscarf. This lie is necessary to divert attention in Iran from actual political murders that are taking place there. This club of liars and state rapists is who Tariq Ramadan, the Rotterdam builder of bridges, works for.

    Anyone who works for the immoral, extremely violent and anti-Semitic Iranian regime, not out of any necessity and certainly voluntarily, may not and cannot ever build bridges with Dutch money. And if Ramadan has unexpectedly built a small bridge, we should destroy it as quickly as possible. Because the other side of that bridge, the bank on which Islamic fascism thrives, must never be a Dutch polder.

    Zitat Ende
    http://www.nrc.nl/international/opinion/article2330925.ece/Rotterdam_should_get_rid_of_this_Islamist

  4. municipal sagt:

    Neue Entwicklung im Bezug auf den umstrittenen Tariq Ramadan in Holland. Der Vertrag mit Ihm wird aufgelöst.

    ROTTERDAM – Rotterdam ontbindt het contract met integratie-adviseur Tariq Ramadan. Dat heeft het college van burgemeester en wethouders dinsdagmiddag besloten, meldden goed geïnformeerde bronnen rond het stadhuis.

    http://www.ad.nl/rotterdam/3436896/Rotterdam_onslaat_Ramadan.html

    Auch die Holländer erkennen, mit WEM sie es da zu tun haben.

  5. Gecko sagt:

    Also wer Tariq Ramadan anhand von bloßen Vermutungen als gefährlich einstuft, der betreibt selber Meinungsmache (Da bezieht man sich auf seinen Arbeitgeber, der auch eine Seite im Iran hat, der den Mord an einer Türkin in NL thematisiert). Die extremistischen Populisten in Europa sind die eigentlichen Gefährder. Mit ihrem menschenverachtenden Gedankengut haben sie inzwischen viele Menschen verblendet, die, wie es vor einigen Jahrzehnten in Europa der Fall war, ihnen erneut blind folgen. Wenige Tage nach dem Mord an eine Türkin wurde in den Niederlanden erneut ein türkischer Geschäftsmann ermordet. In Belgien wurde ein Türke von Gefängniswärtern zu Tode geprügelt. Aber für Hetzer wie Wilders ist das bestimmt Notwehr, da man sich vor diesen Menschen schützen muss.
    Dass die EU-Berichte von 2007 und 2008 für die Türkei im Hinblick auf den Beitritt negativ ausgefallen sind, ist mit dem angestiegenen Engagement der Türkeigegner zu begründen. Dieser haben ihre Bemühungen, einen türkischen EU-Beitritt zu verhindern, verstärkt (2004 waren Schröder Bundeskanzler und Chirac französischer Präsident, die sich beide für einen Beitritt ausgesprochen hatten, während heute Merkel und Sarkozy dagegen sind. Deutschland und Frankreich gehören zu den Ländern mit dem größten Einfluss in der EU).

  6. Markus Hill sagt:

    Wir beide kennen Herrn Wilders nicht persönlich, insofern würde ich mich da mit solchen Urteilen über seine vermeintliche Sympathie für Mord sehr zurückhalten.
    Ich stimme Ihnen zu, die rechtspopulistischen Parteien gewinnen an Macht in Europa (Dänemark, Holland vielleicht bei den nächsten Wahlen). Im Grund genommen sind sie mit ein Ausfluss der danebengegangenen Migrationspoltik (frage Sie einmal einen durchschnittlichen Holländer, warum er Wilders wählt – ich habe selbst holländische liberale Grünen-Anhänger im Bekanntenkreis, die ihn auf jeden Fall wählen werden, viele haben wohl in Holland – O-Ton – „die Schnauze voll von dem unverschämten Verhalten von bestimmten Einwanderer“). Ich sehe hier die Gefahr in Deutschland weniger, da man noch miteinander konstruktiv spricht und auch die erste positiven Anzeichen am Horizont erkennbar sind. Türkische Akademiker machen sich bemerkbar, man bringt zum Ausdruck, dass man sich Deutschland verbunden fühlt, türkische Mädchen/Frauen geben ein gutes Bild ab etc.
    Was ich noch nicht ganz verstanden habe bei Ihren Türkei-Anmerkungen (Beitritt): Was meinen Sie, was die Erklärung für diesen Widerstand gegen den Beitritt ist? Warum will man die Türken nicht in der EU?



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