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Migration und Integration in Deutschland

Letztlich haben einige Industriestaaten ihren Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften … dadurch gedeckt, dass sie bei der Einstellung von irregulären Arbeitsmigranten ein Augen zudrücken.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Migration in einer interpedenten Welt, 2004

Maria Böhmer

„Muttersprachlicher Unterricht langfristig gesichert“

Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer, erklärte zur Vorlage eines Referentenentwurfs zur Änderung der Beschäftigungsverordnung am gestrigen Tage, dass das Bundesarbeitsministerium den Entwurf für die notwendige Änderung der Beschäftigungsverordnung vorgelegt hat.

„Damit ist der Weg dafür frei, dass auch über den 31. Dezember 2009 hinaus sogenannte Konsulatslehrkräfte nach Deutschland kommen können, um hier muttersprachlichen Unterricht zu erteilen. Ich freue mich sehr, dass damit der muttersprachliche Unterricht in Deutschland langfristig gesichert ist.“

Es sei vorgesehen, dass die beteiligten Ressorts die Änderung der Verordnung bereits im September abschließend beraten. Damit könne die Neuregelung rechtzeitig in Kraft treten. Allerdings müssten die Veränderung noch vom Innen-, Bildungs-, Wirtschafts- und Außenministerium sowie vom Kanzleramt abgesegnet werden, um dem Parlament vorgelegt werden zu können.

Proteste in der Vergangenheit
In jüngster Vergangenheit hatten insbesondere türkische Migrantenvertreter vehement gegen Ablauf der Beschäftigungsverordnung protestiert, Unterschriftensammlungen gestartet und Demonstrationen angekündigt. Während die Zahl der türkischsprachigen Schüler stetig steige, so die Sprecher der Migrantenorganisationen, gehe die Zahl der Türkischlehrer zurück. Mit dem Ablauf der bisherigen Regelung werde dieser Zustand nur verschärft.

Laut Pressemeldungen schaltete sich daraufhin Maria Böhmer ein und bat in einem offiziellen Schreiben Arbeitsminister Olaf Scholz um eine Lösung des Problems. Darin hatte die Maria Böhmer betont, dass türkische Kinder in Deutschland zweisprachig erzogen werden sollen, da interkulturelle Beziehungen der Gesellschaft sehr wichtig sind.

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5 Kommentare
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  1. Erkan A. sagt:

    Das ist doch einmal eine erfreuliche Sache. Zweisprachigkeit ist ein eindeutiges Plus, was sogar wirtschaftlich ein bedeutender Faktor sein kann. In den zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Türkei und Deutschland werden eben solche Faktoren einen Wettbewerbsvorteil mit sich bringen, der nicht unbeachtlich ist.
    Genau eben diese Menschen, die beide Sprache perfekt beherrschen schlagen die Brücke zwischen beiden Ländern und tragen zu einer effizienten Kommunikation bei. Dieser Faktor mit der Zeit auch immer mehr an Bedeutung gewinnen. Danke Frau Böhmer!

  2. Non-EU-Alien sagt:

    Ich finde auch, dass Deutschland von mehrsprachigen Bürgern in dieser globalen Welt nur profitieren kann!
    Aber wie sieht es denn mit der Loyalität aus? 😉

  3. municipal sagt:

    @ Erkan A.

    Mehrsprachigkeit, ja. Aber da zunächst vor allen Dingen Englisch.

    Nenbenbei bemerkt: Damit hapert es auch ganz erheblich an den Schulen/Hochschulen/Universitäten in der Türkei.
    Woran liegt das ?

  4. Erkan A. sagt:

    An den meisten Schulen in der TR muss ich zugestehen ist das Englisch grotten schlecht! Da versagt das Bildungssystem.
    Offenbar ist das aber auch in den südlicheren europäischen Ländern genauso, wie etwa Italien, Spanien etc.
    Im nördlichen Europa, Deutschland, die Beneluxstaaten etc. wird meist gut Englisch gesprochen. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Heimatsprachen doch ziemlich ähnlich mit dem Englischen sind. Bspw. ist in deutschen Schulen offensichtlich, dass die deutschen Kinder Probleme haben, Sprachen wie Französisch und Spanisch zu erlernen, was ein Indiz dafür sein könnte, dass Lernfähigkeit einer Sprache mit der Ähnlichkeit der Heimatsprache zutun haben könnte. Das ist ja ein anderes Thema.

    Zu Non-EU Alien

    In puncto Loyalität ist unklar, was du meinst. Übersetzt ist meines Wissens nach Treue gemeint, d.h. dass durch ein gegenseitiges Verhältnis von zwei Partnern, ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wird, was langfristig den Wohlstand beider Parteien erhöht.
    In unserem Fall geht es um einen ausländischen Mitbürger und den Staat. Es stellt sich hier die Frage, ob hier in den letzten 50 Jahren dieses Vertrauensverhältnis aufgebaut werden konnte? Klar ist, dass der Staat einige Voraussetzungen nicht schaffen konnte, damit es zu einem höheren Lebensstandard bei den ausländischen Mitbürgern kommen konnte. Das Bildungssystem hat es nicht geschafft, die Kinder, dabei handelt es sich um die 2.te Generation, eine ordentliche Ausbildung zu geben. Ich habe persönlich die Erfahrung gemacht, dass mir nach der Grundschule schon gesagt wurde, dass ich nicht aufs Gymnasium gehen dürfe, weil mir die Fähigkeiten fehlen würden. Dann als ich mein Abitur auf dem Gymnasium absolvierte schlug man mir dringenst vor, eine Ausbildung zu machen und auf gar keinen Fall zu studieren. Das hätte doch gar keinen Sinn. Ich solle doch am Besten Autoverkäufer werden. (Aussage von Dr.Marx – Stadtgymnasium Köln Porz, von dieser Sorte Lehrer laufen unzählige herum, kaum zu glauben oder).
    Die Hauptlösung sah das Bildungssytem darin diese Kinder, ob intelligent oder nicht, ganz egal, erst einmal in Sonder- und Hauptschulen zu schicken. Somit wurde bspw. auch die Bildungsqualität auf Hauptschulen, die damals noch ziemlich gut waren, permanent gesenkt.
    Das Ergebnis: Ein Fiasko. Das Ergebnis ist ganz offensichtlich zu erkennen.

  5. Markus Hill sagt:

    Ich glaube, dass das Argument mit Spanisch und Italienisch nicht ganz zutrifft. Meines Erachtens lernen die meisten lieber Englisch, weil es einfach eine Arbeitssprache ist. Für die meisten Deutschen hat Türkisch kaum Bedeutung. Erscheint zu exotisch, wirtschaftlich gesehen als zu unattraktiv. Die Türkei wird da nicht als so attraktiver Wirtschaftspartner wahrgenommen, ist zumindest mein Eindruck. Ist auch keine Türkeifeindlichkeit, nur konventionelles Desinteresse in Kombination mit anderen Prioritäten.. Natürlich sollte man das Potential nutzen. Die Vietnamesen in der Ex-DDR sind vielleicht auch ein gutes Beispiel als „Botschafter“.



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