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So lange wie möglich mit der Schule weitermachen

Berlin – Charlottenburg. Hüseyin Ekici, ein talentierter Nachwuchsschauspieler aus Berlin, erscheint zum Interview mit dem Migazin. Er ist gespannt auf die Fragen, ist aber kaum nervös. Interviewsituationen kennt er mittlerweile zu genüge, seitdem er im Heimathafen Neukölln „Arabboy“ aufführt. Alle Journalisten reißen sich um das Phänomen, dass aus dem Brennpunkt Neukölln ein junger Türke der schiefen Bahn den Rücken gekehrt hat und es ernsthaft als Schauspieler versucht. Für viele ein Ding der Unmöglichkeit. Einmal kriminell immer kriminell, oder? Ekici beweist genau das Gegenteil. Wenn man hart für seine Träume kämpft und wenn man Möglichkeiten geboten bekommt, scheint der Weg gar nicht so schwer und so weit zu sein.

Wenn Ekici von der Schauspielerei, seinem Traum erzählt, dann glänzen seine Augen. Er erzählt von den ersten Versuchen im Grundschultheater und dem harten Weg bis eine Berliner Agentur ihn aufgenommen hat. Aber damit ist er noch lange nicht zufrieden. An die Ernst-Busch Schauspielschule soll es gehen. Die Bewerbung habe er schon eingereicht.

Die Frage, ob es schwer war Arabboy zu spielen verneint er, denn der Charakter ist ihm aus seinem eigenen Freundeskreis bekannt. Obwohl der Protagonist in Arabboy, Rashid, auch für ihn eine Nummer zu extrem ist, erkennt er deutliche Parallelen bei vielen Jugendlichen.

Woran hat es bei Rashid gelegen, dass er letztendlich im Gefängnis gelandet ist? „An allem“, antwortet Ekici. Das Problem habe verschiedene Ursachen, wie zum Beispiel die Angebotsarmut für Jugendliche. Jahrelang hat er in einer Plattenbausiedlung gewohnt und erst jetzt wurde ein Jugendzentrum eingerichtet. Des Weiteren sieht er auch eine große Mitschuld bei den Eltern, die wenig Zeit und auch wenig Interesse an ihren Kindern hätten. Nüchtern stellt er dann aber auch klar, dass kriminelle Jugendliche gleichermaßen selber an der Misere schuld sind. Gemischt mit falschen Freunden und der falschen Umgebung scheint es keine andere Möglichkeit außer der Kriminalität zu geben. Dabei schließt er aber jeglichen Zusammenhang mit der Religion oder einer „südländischen“ Erziehung definitiv aus. Sein Freundeskreis war voll mit Deutschen, Türken und Arabern; Muslimen wie auch Christen.

Er macht sich keine Illusionen, dass er mit „Arabboy“ einen wesentlichen Beitrag zu einer sachlichen Debatte leistet. Vielmehr erscheint ihm, dass oftmals die Menschen sowieso vielmehr an negativen Schlagzeilen interessiert sind und Jugendliche in einer Phase sind, in der sie sich eben nicht so gerne etwas sagen lassen. Sein Rat an Jugendliche lasse sich nicht so einfach kurz zusammenfassen. Er würde ihnen gerne von seinen eigenen Erlebnissen berichten und auch, dabei muss er schmunzeln, dass sie so lange wie möglich mit der Schule weitermachen sollten. Sätze, die auch er früher nicht wirklich ernst genommen hat. Zu der Frage, was denn die Wünsche von vielen Jugendlichen sind antwortet er knapp aber bestimmt: Erfolg, Anerkennung und Respekt. Ein nicht wirklicher Unterschied zu dem Ottonormalverbraucher!?

Angst davor, dass er nur noch Rollenangebote wie „Arabboy“ bekommen wird, hat er keine. Erstmal freut er sich auf jede Rolle und mit einer richtigen Ausbildung wird sich auch das legen. Er selber hätte sich die Frage gestellt, mit welchem Regisseuren und Schauspielern er gerne zusammenarbeiten würde. Nämlich mit Fatih Akin und Udo Kier.

Nach der Unterhaltung mit Hüseyin Ekici wird schnell klar, dass er ein ganz normaler Mensch mit ganz normalen Träumen und Wünschen ist. Und kein riesiges Integrationsproblem, das schier unmöglich zu lösen zu sein scheint.