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Türkische Presse Europa

26. und 27.07.2009 – Türkisch, Aufenthaltstitel, Loyalität

Die Europaausgaben türkischer Tageszeitungen berichten insbesondere über den Türkischunterricht an Deutschen Schulen, über die Zu- und Abwanderungsstatistik für das Jahr 2008 und über ein Streit zwischen Reinhard Grindel (CDU) und Kenan Kolat (TGD). Grindel hatte Kolat vorgeworfen, nicht loyal zu sein.

26.07.2009

Türkischlehrer
Die Beschäftigungsverordnung für türkische Lehrer aus der Türkei, die vor vier Jahren unterzeichnet worden sei, laufe zum Jahresende aus. Ab 2010 würden Türkischlehrer nicht mehr nach Deutschland einreisen können, um an den Schulen muttersprachliches Ergänzungsunterricht zu lehren. Diese Problematik wurde auf einer Tagung des Bundes der Immigrantenvereine türkischer Herkunft für Bildung, Integration und Kultur in Baden-Württemberg e.V. (BUND-BIK) in Bruchsal diskutiert und der Beschluss gefasst, eine Unterschriftenkampagne zu starten. Außerdem wurde vereinbart, am 4. Oktober in Mannheim eine Demonstration zu veranstalten. (HÜRRIYET)

Die MILLIYET teilt außerdem die Forderung des BUND-BIK mit, dass türkischer Sprachunterricht ein Bestandteil des deutschen Bildungssystems werde müsse.

Anerkennung ausländischer Abschlüsse
Laut einer Meldung der MILLIYET wurden die ausländischen Meisterbriefe von sechs türkischstämmigen Friseuren in Berlin anerkannt. In Zusammenarbeit der Türkischen Unternehmer und Handwerker e.V. Berlin (TUH) und der Handwerkskammer wurde ein sechs Monatiger Anerkennungskurs veranstaltet. Im Anschluss an den Kurs wurden die Meisterbriefe ausgestellt. Nun seien die türkischstämmigen Friseure in der Lage, ein Friseurgeschäft zu führen und Jugendliche auszubilden.

Wenn man „Türkei“ sagt…
Die TÜRKIYE berichtet auf der Titelseite seiner Europaausgabe über die Ergebnisse einer Umfrage von Öger Tour unter deutschen Touristen in der Türkei. Danach würden Deutsche Urlauber, wenn sie „Türkei“ hören zunächst an „Urlaub“ denken; anschließend falle ihnen „Istanbul“ und „Gastfreundschaft“ ein.

Ausgrenzung im Kinderbuch
Die Titelseite der Europabeilage der TÜRKIYE berichtet halbseitig über die Kritik von Nebahat Güclü, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Sie hat das Kinderbuch „Politik und Demokratie“ kritisiert. In dem Buch würde Kindern beigebracht, wie Politik und Senat arbeiten und funktionieren. Allerdings, so Güclü, würden im Buch nur deutsche Politiker, deutsche Kinder und klassische deutsche Familien erwähnt. Dies werde der Realität nicht gerecht. Allein in der Hamburgischen Bürgerschaft würden sechs Mitglieder mit Migrationshintergrund sitzen und in den Hamburger Schulen habe jedes zweite Kind einen Migrationshintergrund. Keines dieser Kinder würde sich in dem Buch wiederfinden, was aber wichtig für ihn sei. Ein Kind würde in seinem Selbstvertrauen gestärkt werden, wenn auch er etwas aus seiner Kultur in dem Buch wiederfinden könnte.

Wir brauchen keinen Musterdeutschen
Jörg Steinbrenner, Fachbereichsleiter für Jugend und Soziales in Pinneberg (nähe Hamburg) habe gefordert, dass Integration und Assimilation nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Auf einer Fachtagung habe man ein neues Integrationskonzept herausgearbeitet, wonach Ausländer die Sprache lernen aber ihre Kultur beibehalten sollen. Man brauche keinen Musterdeutschen. Dies gebe Migranten Selbstvertrauen und eine Identität. Hierüber berichtet die SABAH auf der Titelseite der Europabeilage.

Auswanderung schadet der Wirtschaft
Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet habe laut SABAH die Zu- und Auswanderungszahlen für 2008 kommentiert und die Auswanderung von qualifizierten Personen als einen herben Rückschlag für die deutsche Wirtschaft beschrieben. Einwanderer hingegen seien meist unqualifiziert.

27.07.2009

Diskussion um Loyalität
Während seiner Rede am 2. Juli 2009 im Bundestag über den Antrag der Grünen zur Abschaffung des sog. Optionsmodells im Staatsangehörigkeitsrecht hatte Reinhard Grindel (CDU) dem TGD-Vorsitzenden Kenan Kolat vorgeworfen, nicht loyal zu sein.

Grindel im Wortlaut: „Die Kampagne gegen die Optionsregelung unterstützt zum Beispiel der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Herr Kolat, der beide Staatsbürgerschaften besitzt. Wenn wir von Loyalitätskonflikten sprechen, dann werden wir, wie das auch gerade geschieht, von Frau Roth und anderen belächelt. Ich sage Ihnen: Ihnen gefriert das Lächeln – mir ist das passiert –, wenn Sie mit türkischen Ministern zum Beispiel über die Frage der Notwendigkeit der verpflichtenden Deutschkenntnisse beim Familiennachzug diskutieren. Sie stellen dann fest, dass die Minister, Ihre Gesprächspartner, Sprechzettel haben, die von Herrn Kolat stammen. Dieses Politisch-über-die-Bande-Spielen, türkische Minister intern so zu positionieren und zu munitionieren, dass sie Druck auf unsere Minister ausüben können, um in der deutschen Diskussion Erfolge zu erzielen, ist genau das, was wir als Loyalitätskonflikte bezeichnen und nicht wollen.“ (wir berichteten)

Kenan Kolat habe sich laut HÜRRIYET gegen diesen Vorwurf gewehrt und in einem Brief an Reinhard Grindel erklärt, dass eben disee ideologische Sichtweise, mit der in Deutschland Ausländer- und Staatsangehörigkeitspolitik betrieben werde, ein Problem darstelle. Solange man sich von dieser Sichtweise nicht verabschiede, werde man keine Lösung finden. Außerdem würden seine Briefe an türkische Minister denselben Inhalt haben, wie seine Pressemitteilungen in Deutschland. (HÜRRIYET)

Bundesverdienstkreuz erster Klasse
Kommentar: von Mikdat Karaalioglu – Chefredakteur der SABAH, Europa-Ausgaben

In der deutschen Öffentlichkeit kursieren allgemein Misstrauen und Vorurteile gegen die türkischen Medien, da sich diese auf den Integrationsprozeß eher negativ auswirken sollen. Dies wird in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen und Berichterstattungen ständig betont. Wir bemühen uns immer und überall bei allen Veranstaltungen, wo wir präsent sind, unsere Meinung darzustellen. Nachdem in der deutschen Öffentlichkeit ein solches negatives Bild gegen die türkischen Medien herrscht, ist es begrüßenswert dass Aydın Dogan das Bundesverdienstkreuz ester Klasse verliehen bekommt. Dieses ist allerdings eine offizielle Bestätigung dafür, dass die türkischen Medien zum Integrationsprozeß positiv beitragen. Bemerkenswert dabei ist nur, das diese Auszeichnung an ein Medienorgan verliehen wird, das meist als integrationshemmend kritisiert wird. Es ist umso erstaunlicher, dass eine solche Zeitung, die in den deutschen Medien keinerlei positive Resonanz findet, von den Regierungsstellen ausgezeichnet wird.

Die SABAH hat die Vorwürfe gegenüber den türkischen Medien in Deutschland, auch wenn sie nicht direkt an uns gerichtet waren, immer ernst genommen. In einer Mehrheitsgesellschaft muss Kritik ertragen und ebenso Gegenargumente erbracht werden können. So haben wir, wenn auch zu Unrecht, solche Vorwürfe dulden müssen. In diesem Punkt ist es erforderlich, sich an die Berichterstattungen über den Ludwigshafener Brand zu erinnern. In diesem Fall sind entweder die allgemeinen Vorwürfe gegenüber den türkischen Medien oder der ausgewählten Person falsch!

Seit 33 Jahren kein Aufenthaltserlaubnis
Die ZAMAN räumt dem Fall des türkischen Seemanns Raum ein, der seit 33 Jahren in Deutschland lebe, arbeite aber immer noch kein Aufenthaltstitel bekommen habe obwohl Er vor dem Europäischen Gerichtshof Recht zugesprochen bekommen habe. Nun werde er den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrufen und Klage gegen Deutschland erheben.

DITIB Vorsitzender
Der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB), Sadi Arslan, hat einer Meldung der ZAMAN zufolge Spekulationen über seinen Posten zurückgewiesen. Die HÜRRIYET hatte berichtet, dass Sadi Arslan zurück in die Türkei abberufen und Ali Dere seinen Posten in Deutschland einnehmen werde.

Vorwürfe gegen die SPD
Der Stellvertretende Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Seref Erkayhan, habe der SPD vorgeworfen, die türkischstämmigen Wähler immer wieder enttäuscht zu haben. Auch würde die SPD ihre türkischstämmigen Mitglieder ignorieren. (MILLIYET)

Verweisung auf die E-Schule
Der Neunjährige Muhammet aus Elsdorf habe aufgrund einer Hörschwäche das Reden und infolge dessen auch das Lesen später erlernt als seine Altersgenossen. Diese beiden Schwächen seien ärztlich attestiert worden und auch, dass er sonst keinerlei Einschränkungen habe. Dennoch habe die Schule den Eltern empfohlen, Muhammet in eine sog. E-Schule – Schule für aggressive Kinder – zu schicken. Die Familie sei nun schockiert und wehre sich gegen diese Entscheidung, berichtet die HÜRRIYET.

Türkischlehrer
Die Tagung des Bundes der Immigrantenvereine türkischer Herkunft für Bildung, Integration und Kultur in Baden-Württemberg e.V. (BUND-BIK) in Bruchsal ziert heute die Titelseite der Europabeilage der MILLIYET. Ausführlicher als am Vortag wird mitgeteilt, dass allein in Baden-Württemberg 30.000 türkischstämmige Schülerinnen und Schüler den türkischunterricht besuchen.

Aus einer Feierlichkeit der FDP in München berichtet hingegen die ZAMAN. Dort habe Mahmut Türker (FDP) auf die Probleme im Zusammenhang mit Türkischunterricht an Beyerischen Schulen aufmerksam gemacht aber betont, dass Bayern eine Lösung finden werde. 10.000 Schüler könne man nicht ignorieren.