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Türkische Presse Europa

18.07.2009 – Islam, Türkisch, Uiguren, Lehrer

Die heutigen Europaausgaben der türkischen Zeitungen berichten unter anderem über die Koalitionskrise in Schleswig-Holstein, über eine Protestveranstaltung in München gegen das chinesische Massaker in Xinjiang sowie über die Tarabya-Konferenz der Deutschen Botschaft in der Türkei zum Thema: „Theologische Forschung, Lehre und Ausbildung“.

Ucar: Auch Muslime müssen in Deutschland als Religionsgemeinschaft eingestuft werden
Die SABAH und TÜRKIYE berichten über eine Konferenz in Tarabya, die vom deutschen Konsulat in Ankara zum Thema theologische Ausbildung in Deutschland und in der Türkei sowie einige relevante Studien organisiert worden ist.

Der deutsche Botschafter in Ankara, Dr. Eckhard Cuntz, habe dabei gesagt, dass in Anbetracht des hohen Anteils der Muslime in Deutschland an der Gesamtbevölkerung der Islam auch als eine „deutsche Religion“ zu betrachten sei. Wenn man bedenke, dass es in Deutschland momentan 2 600 Moscheen gibt und aktuell 100 Moscheeprojekte laufen, sähe man sehr schnell, dass der Islam ein Teil der Gesellschaft sei. Damit die Bevölkerung dies aber auch so akzeptiere, müsse man noch viel arbeiten.

Prof. Dr. Bülent Ucar habe bei der Konferenz zunächst einige Aussagen zum Thema Imam- und Islamlehrerausbildung getroffen. Dabei habe er gesagt, dass die hiesigen Imame die deutsche Sprache, Kultur, Religion und Gesellschaft gut kennen müssten. Allerdings könne es für die Türkei nicht in Frage kommen, die Imamausbildung vollständig dem deutschen Staat zu übergeben, da dies ein Einflussverlust darstelle. Deutschland habe allerdings auch bestimmte Interessen an der Imamausbildung. Das wichtige sei, einen Mittelweg zu finden. Darüber hinaus könne es nicht sein, dass während in Deutschland sogar die Aleviten den Status einer Religionsgemeinschaft besitzen, wogegen man den rund vier Millionen Muslimen in Deutschland diesen Status verwehrt. Dies stelle ein sehr großes Problem dar, das in kürzester Zeit gelöst werden müsse.

An der Veranstaltung habe auch Prof. Dr. Ömer Özsoy von der Goethe-Universität in Frankfurt teilgenommen. Dabei habe er sich wie Ucar ebenfalls zu den Themen Islamlehrerausbildung und zur Priesterschule in Heybeliada ausgesprochen.

Bayern möchte muttersprachlichen Unterricht verhindern
Die ZAMAN berichtet über den Beschluss der bayrischen Regierung, ab dem kommenden Schuljahr muttersprachlichen Unterricht an Schulen komplett zu streichen. Grund dafür seien fehlende finanzielle Mittel. Man könne keine Lehrer mehr für den Unterricht zur Verfügung stellen. Daher überlasse man das Finden von Lehrern den Konsulaten. Allerdings betonen Nichtregierungsorganisationen, dass beispielsweise Türkischlehrer, die aus der Türkei nach Deutschland einreisen, um an einer Schule Türkischunterricht zu erteilen, keine Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung.

Mit dieser Regelung sei es nunmehr auch für die Botschaften unmöglich, Lehrer zu finden. So habe die bayrische Regierung einen indirekten Verbot für muttersprachlichen Unterricht gesetzt, das aber in Bezug auf den Bundesintegrationsplan 2007, in der die Wichtigkeit des Erlernens der Muttersprache für die Beherrschung des Deutschen hervorgehoben wird, widersprüchlich ist. Ein Zusammenschluss aus zahlreichen Nichtregierungsorganisationen wie beispielsweise dem IGMG-Regionalverband Südbayern, der Türkisch-Deutschen Studentenvereinigung (TDS), der Türkischen Gemeinde Bayern uvm. Haben nun eine Unterschriftenaktion gegen dieses Vorhaben gestartet.

Die HÜRRIYET berichtet über das gleiche Vorhaben auf Bundesebene, nach der die Aufenthaltserlaubnis der Lehrer, die an Schulen muttersprachlichen Unterricht lehren und ihren Gehalt vom türkischen Bildungsministerium ziehen, auslaufe. Ali Can von der türkischen Botschaft in Berlin habe gesagt, dass die Mehrsprachigkeit für das heutige Deutschland eine Notwendigkeit darstelle und dem Land erheblich beitragen könne.

Vorgezogene Landeswahlen in Schleswig-Holstein
Die ZAMAN berichtet über den Zusammenbruch der schwarz-roten Koalition in Schleswig-Holstein, die evtl. sogar zu vorgezogenen Landtagswahlen führen könne. Während die Oppositionsparteien FDP, Grüne und SSW das Vorhaben der CDU unterstütze, am 27. September auch die Landeswahlen zu vollziehen, sei die SPD strikt dagegen. Der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner habe den CDU-Landesvorsitzenden Harry Carstensen für den Hauptverantwortlichen des Scheiterns der Großen Koalition erklärt und behauptet, dass die CDU lediglich um die Mehrheit der CDU-FDP in den Bundestagswahlen kämpfe. Ohne die Zustimmung der SPD sind die Landtagswahlen nicht realisierbar, da die Mehrheit von 2/3 der Stimmen fehlen würde.

Atay: Wir brauchen Lehrer mit Migrationshintergrund
Die ZAMAN hat in der Ausgabe vom 18. Juli den Gründer und Ehrenvorsitzenden der Föderation von Türkischen Lehrerverbänden Deutschland Mete Atay, der jahrelang auch für das Bildungsministerium als Autor von Schulbüchern gearbeitet habe, zu einigen Problemen in Bildungsthemen befragt. Seit der PISA-Studie von 2001 sei die Bildung in Deutschland eines der Hauptthemenbereiche, an der es noch zu arbeiten gilt. So werden bis 2015 rund 300 000 Lehrer Rentner. Atay habe gesagt, dass man diese Lücke mit Migrantenlehrern füllen sollte, da dies der Ausländerfeindlichkeit, den Vorurteilen und Akzeptanzproblemen erheblich entgegenwirken könne.

Was die Muttersprache anbelangt habe sich Deutschland auch sehr zum Positiven entwickelt. Früher, so Atay, habe es geheißen, dass man statt der Muttersprache lieber Deutsch lernen solle, da das gleichzeitige Lernen einen überfordern könne. Heute habe man allerdings anhand von wissenschaftlichen Studien bewiesen, dass man das Deutsche leichter erlernen kann, wenn man seine Muttersprache ebenfalls kennt. Positiv anzumerken seien auch die Reformen in der Schulpolitik seit 2001. Die inhaltlichen Verbesserungen und Erneuerungen der Schulbücher, Ganztagsangebote an Schulen, ein bilinguales und multikulturelles Bildungssystem seit der Grundschule seien insbesondere für Migrantenkinder von größter Bedeutung gewesen. Allerdings sei es zu kritisieren, dass das deutsche Schulsystem die Fähigkeit von Ausländern, zweisprachig und in zwei verschiedenen Kulturen aufgewachsen zu sein, nicht verwerten könne.

Schluss mit dem Massaker in Xinjiang
Die TÜRKIYE berichtet über eine Protestveranstaltung in München gegen das chinesische Massaker an die Uiguren in „Ost-Turkestan“, das von der Ost-Turkestanischen Union veranstaltet worden sei. Es haben sich im Zentrum Münchens rund 2 000 Demonstranten versammelt, um gegen das Massaker an die Uiguren ihre Stimme zu erheben. Der Vorsitzende des Welt-Uigurenkongresses Askar Can habe in seiner Rede den Zustand seines Volkes nochmals vor Augen geführt. So lebten die Uiguren unter chinesischer Knechtschaft in ständiger Unterdrückung und Folter. Er fordere, dass man dem „Völkermord endlich ein Ende setzt.“ Es treffe ihn hart, dass im 21. Jahrhundert die gesamte Welt den Massakern in Xinjiang lediglich zusieht. Die chinesische Regierung müsse die Unterdrückung und die Ermordung von Uiguren endlich einstellen, so Can. Darüber hinaus rief er alle Beteiligten auf, an der heutigen Protestbewegung in der Kölner Altstadt teilzunehmen.

Hamburger Familie lebt in einer Gartenhütte ohne Strom und Wasserversorgung
Die HÜRRIYET berichtet über das Einzelschicksal einer Hamburger Familie, deren Wohnung Feuer fing und unbewohnbar geworden sei. Deshalb lebten sie seit einem Monat in einem Gartenhaus ohne Strom und Wasserversorgung. Der Abgeordnete Mehmet Yildiz von der Linke habe sich nun für die Familie eingesetzt und Kontakt mit der Wohnungsgemeinschaft SAGA aufgenommen, die sich um die Familie Aycelebi kümmern wolle. Allerdings habe man der Familie immer noch keine Lösung für das Problem angeboten. Zudem habe sich herausgestellt, dass die Nachbarfamilie Solmaz ebenfalls keine Wohnung habe und seit dem Brand bei Verwandten wohne.