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Elternintegrationskurse

Deutsch lernen – Deutschland kennen lernen

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Integrationsministerin Maria Böhmer haben gestern in Berlin-Kreuzberg eine bundesweite Motivationskampagne für Eltern-Integrationskurse gestartet. Unter dem Motto „Deutsch lernen – Deutschland kennen lernen“ sollen Müttern und Vätern aus Zuwandererfamilien Hilfestellungen gegeben werden, um ihren Nachwuchs besser durch den Schulalltag und das deutsche Bildungssystem begleiten zu können. Zugleich will die Kampagne Lehrer und Erzieher ermutigen, die Zusammenarbeit mit Vätern und Müttern aus Zuwandererfamilien zu verbessern.

„Damit Kinder in Deutschland erfolgreich sein können, müssen auch die Eltern die deutsche Sprache beherrschen“, betonte der Innenminister. Mangelnde Sprachkenntnisse machten es den Eltern oft unmöglich, sich in die schulische Gemeinschaft einzubringen, ihre Kinder in der Schule zu unterstützen und an ihren Erfolgen teilzuhaben. Um hier Abhilfe zu schaffen, können sich die Eltern in einem achtseitigen Magazin in deutscher, türkischer und russischer Sprache über das Angebot an Integrationskursen informieren. Wie das Innenministerium mitteilte, werden die Materialien Ende August an Schulen und Kindertagesstätten in ganz Deutschland versandt.

„Die Eltern motivieren, damit diese ihre Kinder motivieren“
Die Integrationsbeauftragte Böhmer wies darauf hin, dass viele Mütter und Väter aus Zuwandererfamilien Schwierigkeiten hätten, sich in unserem Bildungssystem zu orientieren. Deshalb sei die Information in den Eltern-Integrationskursen, wie Schule funktioniert, besonders wichtig. „Wir müssen die Eltern motivieren, damit diese ihre Kinder motivieren“, sagte Böhmer.

In einem Interview des Südwestrundfunks warb die CDU-Politikerin zudem dafür, die Eltern-Integrationskurse direkt in den Schulräumen anzubieten. Obwohl die Kurse nicht die Lehrer selbst, sondern spezielle Träger durchführten, verbessere sich so der Kontakt zwischen Elternhaus und Schule. In diesem Zusammenhang appellierte Böhmer an die jungen Migranten, stärker als bislang den Lehrerberuf zu ergreifen. Viele zugewanderte Eltern rieten ihren Kindern nach dem Abitur dazu, Medizin, Jura oder Betriebswirtschaft zu studieren. Jugendliche aus Zuwandererfamilien, die sich für den Lehrerberuf entschieden, hätten jedoch große Chancen. „Sie sind wichtige Brückenbauer, wir brauchen mehr von ihnen“, betonte die Integrationsbeauftragte.

Grundlegende Reformen im Schulsystem notwendig
Ali Al Dailami, Mitglied des Parteivorstandes und migrationspolitischer Sprecher der Linken, begrüßte die Kampagne, forderte allerdings auch grundlegende Reformen im Schulsystem. Wenn die Integrationsbeauftragte Böhmer davon spreche, dass Eltern aus Zuwandererfamilien Schwierigkeiten hätten, sich im deutschen Bildungssystem zu orientieren, dann liege es eher daran, dass das Bildungssystem sowohl für Schüler als auch für Eltern, egal welcher Herkunft, keinerlei Orientierung biete. „Das deutsche Schulsystem ist weltweit das einzige, in dem der Schulerfolg so stark von der sozialen Herkunft abhängt. Hier ist eine grundlegende Reform des dreigliedrigen, selektierenden Schulsystems von Nöten“, sagte Dailami.

Der Spracherwerb sei zum keine Garantie für die Integration. „Es nützt nicht viel wenn man die deutsche Sprache beherrscht, aber kein Wahlrecht hat und als erwerbsloser oder prekär Beschäftigter, wirtschaftlich abgehängt ist. Die Sprachfähigkeiten bringen auch alle jenen 500.000 nichts, deren im Ausland erworbenen Bildungsabschlüsse, weiterhin hier nicht anerkannt werden“, betonte Dailami. Integration heiße vielmehr gleichberechtigte Teilhabe am politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben.