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Migration und Integration in Deutschland

Es sei denn, man würde die Lebensverhältnisse der Ausländer in der Bundesrepublik derartig nachhaltig verschlechtern, dass ein Leben am Rande des Existenzminimums in den Herkunftsländern vorteilhafter erschiene.

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“, 1979

Türkische Presse Europa

26.06.2009 – DIK, Visafreiheit, Integrationspolitik

Die Europaausgaben der türkischen Zeitungen berichten heute vornehmlich über die gestrige Sitzung der Deutschen Islamkonferenz. Die Konferenz habe sich in den vergangenen drei Jahren bewährt; sie müsse in der nächten Legislaturperiode aber fortgeführt werden, lautet die einstimmige Meinung der Redaktionen. Weitere Themen sind unter anderem der Mordfall in Bayern, Visafreiheit für Journalisten sowie die Integrationspolitik in Köln.

DATUM26. Juni 2009

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RESSORTTürkische Presse Europa

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Die Deutsche Islamkonferenz
Die MILLIYET, TÜRKIYE, HÜRRIYET, SABAH und ZAMAN räumen in ihrer heutigen Berichterstattung der Deutschen Islamkonferenz (DIK) breiten Raum ein. Gestern trat unter der Leitung von Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble (CDU) nach einem Empfang bei der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zum letzten Mal in dieser Legislaturperiode das Plenum der DIK in Berlin zu seiner 4. Sitzung zusammen.

Die Konferenz habe sich in den vergangenen drei Jahren als Rahmen zur Pflege der Beziehungen zwischen Staat und Muslimen in Deutschland bewährt. „Dass diese Vielfalt der in Deutschland lebenden Muslime in der Öffentlichkeit im In- und Ausland mittlerweile stärker zur Kenntnis genommen wird, ist ebenfalls ein Erfolg der Islamkonferenz”, sagte Schäuble. Der Dialogprozess sei aber nach drei Jahren nicht an seinem Ende angelangt, sondern bedürfe der Fortsetzung auch über das Ende der Legislaturperiode hinaus, betonten die Konferenzteilnehmer.

Die Schlagzeilen im Einzelnen:

MILLIYET: Letztes Treffen
TÜRKIYE: Merkel: Die Gespräche müssen fortgeführt werden
HÜRRIYET: Unser Verhältnis hat sich gebessert – Dialog fortführen
ZAMAN: Dialog fördert die Zusammenarbeit
SABAH: Islamkonferenz plädiert für Fortsetzung der Gespräche

Der Kolumnist Ismail Kul kritisiert indes unter dem Titel „Ich würde meine Tochter nicht zum Schwimmunterricht schicken“ die Themenauswahl in der Islamkonferenz. Studien belegten, dass etwa 93 % Prozent der muslimischen Kinder am Schwimmunterricht teilnehmen. Dennoch werde das Thema durch die sogenannten Islamkritiker immer wieder hochgekocht. Ein Vertreter des Innenministeriums habe dazu gesagt, dass sie solche Themen auf die Tagesordnung setzten, die in Medienkreisen auf Interesse stoßen. Das habe das Innenministerium aber nicht nötig, so Kul. Kul empfiehlt dem Ministerium vielmehr die Probleme mit den richtigen Ansprechpartnern zu erörtern. Die sogenannten säkularen Muslime, die größtenteils islamfeindliche Tendenzen vertreten, hätten in diesem Diskurs nichts zu suchen. Außerdem müssten Muslime darin gestärkt werden, Problembereiche, wie Frauenrechte und Gewalt in der Familie in einem innergemeinschaftlichen Diskurs zu lösen. Ein Eingreifen von Außen löse Gegenwehr aus; insbesondere weil man belehrend wirke.

Mord in Schweinfurt
Die HÜRRIYET, SABAH und MILLIYET berichten über einen Mordfall in Schweinfurt. Ein 45-jähriger Vater habe seine 15-jährige Tochter erstochen. Der türkischstämmige Vater gab laut Polizei im Verhör zu, der Schülerin am frühen Mittwochmorgen in einer Wohnung die tödlichen Stiche versetzt zu haben. Zum möglichen Motiv habe die Polizei zunächst mitgeteilt, dass Vater und Tochter „völlig verschiedene Lebensauffassungen“ hätten. Die Zeitungen berichten, dass der Vater Probleme damit gehabt habe, dass seine Tochter nicht den „muslimischen Weg“ mitgehen wollte.

Cem Özdemir bezeichnet Hrant Dink als Vorbild
Die SABAH berichtet unter Berufung auf MiGAZIN über das Interview von Filiz Keküllüoglu mit dem Grünen-Chef Cem Özdemir. Özdemir hatte in dem Interview erklärt, dass der verstorbene türkisch-armenische Schriftsteller, Hrant Dink, ein „Role Model“ für ihn sei. Die Zeitungsredaktion nahm diese Aussage Özdemirs zum Anlass für ihre Berichterstattung.

Visafreiheit für Journalisten – Generalkonsul weist auf die Bedeutung der Pressefreiheit hin
Der Journalistenverband in Izmir fordert Visafreiheit auch für türkische Journalisten, ist in der TÜRKIYE zu lesen. Die Verbandsvertreter hätten einen entsprechenden Antrag beim Deutsche Generalkonsulat in Izmir gestellt. Der Generalkonsul Stefan Schneider versicherte, dass er das Anliegen des Journalistenverbandes zunächst der Deutschen Botschaft in Ankara und von dort aus nach Berlin senden werde. Schneider habe bei dem Treffen auch auf die Bedeutung der Pressefreiheit hingewiesen. Es sei wichtig, dass Medienvertreter ungehindert ihrer Arbeit nachgehen können. Das Generalkonsulat in Izmir habe in der Angelegenheit jedoch keine Entscheidungsbefugnis.

Die Bürgermeisterkandidaten in Köln diskutieren über die kommunale Integrationspolitik
Die Bürgermeisterkandidaten von Köln haben über das Thema Integration diskutiert. Darüber berichtet die ZAMAN. Der SPD-Kandidat Jürgen Rotes habe kritisiert, dass das Integrationskonzept der Stadt Köln noch nicht zum Abschluss gebracht werden konnte. Migranten seien keine Last, sondern eine Bereicherung, betonte Rotes. Der CDU-Kandidat Peter Kurth habe erklärt, dass die Zahl der türkischstämmigen CDU-Mitglieder stetig steige. Kurth sagte außerdem, dass die Bildungspolitik wegweisend für die Integration sei. Kurth wörtlich: „Wenn wir die Bildungsprobleme überwinden, ist auch das Integrationsproblem gelöst“. Der CDU-Kandidat lehnte auch jede Art von Diskriminierung ab. Der FDP-Kandidat Ralph Sterck ging in seiner Rede auf die Bemühungen der Landesregierung ein, die die Rechte der Integrationsbeiräte beschneiden wollten. Sterck versicherte, dass die FDP alles tun werde, um das Vorhaben der Landesregierung zu verhindern. Die FDP ist indes in der Regierungsbildung in Nordrhein-Westfalen beteiligt.

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