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Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Türkei

Meilenstein für die Deutsch-Türkische Universität

Der Startschuss für die abschließenden Vorbereitungen zur Gründung der ersten deutsch-türkischen Universität in der Türkei ist gefallen. Anfang dieser Woche wurde ein deutsches Hochschulkonsortium gegründet, das unter Federführung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) die akademische Ausgestaltung der DTU mit den türkischen Projektverantwortlichen abstimmen und die Einzelheiten der Gründung, des Betriebs, der Zulassung und der Finanzierung ausarbeiten wird. Auf deutscher Seite wird die Finanzierung der DTU vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) getragen.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan sagte am Dienstag: „Die DTU ist eine Meilenstein der deutsch-türkischen Wissenschaftskooperation. Ich freue mich sehr, dass deutsche Hochschulen sich in so großer Zahl in diesem Projekt engagieren wollen. Ich bin davon überzeugt, dass die DTU Signalwirkung für die Türkei und die gesamte Region entfalten wird. Die Gründung der DTU ist ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung des internationalen Hochschulraums.“

„Der DAAD“, so Präsident Stefan Hormuth, „wird seine Erfahrung, die er in den letzten Jahren bei einer großen Zahl deutscher Hochschulgründungen im Ausland gesammelt hat, in dieses Projekt einbringen und dazu auch die vielfältigen Programme nutzen, die wir in Zusammenarbeit mit der Türkei seit langem entwickelt haben. Mit der Gründung eines so prominenten deutschen Hochschulkonsortiums sind jetzt optimale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start in Istanbul geschaffen.“

Die DTU knüpft an die traditionell enge Zusammenarbeit in Bildung und Forschung zwischen Deutschland und der Türkei an und zielt auf den wachsenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften in der Türkei, deren Wirtschaft dynamisch wächst. Deutschland zählt außerdem zu den wichtigsten Handelspartnern der Türkei. Deshalb sollen sich neben den universitären Partnern auch private Stiftungen und Wirtschaftsunternehmen in den weiteren Planungsprozess einbringen. Die türkische Seite wird Gelände, Gebäude und Infrastruktur zur Verfügung stellen sowie die laufenden Kosten tragen. Zu den deutschen Beiträgen gehört die Entsendung von Dozenten und Lektoren, die Entwicklung von Curricula, Material für den Aufbau eines Sprachlernzentrums, Gewährung von Zuschüssen zu Ortsgehältern, Stipendien sowie Fortbildungsmaßnahmen. Diese Maßnahmen werden vom BMBF finanziert.

Am 30. Mai 2008 haben Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier und sein damaliger türkischer Amtskollege, Ali Babacan, gemeinsam mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, die „Vereinbarung über die Gründung einer deutsch-türkischen Universität in der Türkei“ unterzeichnet. Gestern ist ein deutsches Hochschulkonsortium aus 21 Hochschulen gegründet worden, das nun die konkrete akademische Ausgestaltung der DTU mit den türkischen Hochschulvertretern abstimmen wird. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gründung der ersten deutsch-türkischen Universität in der Türkei.

Dazu erklärte Bundesminister Dr. Frank-Walter Steinmeier am 23.06.2009 in Frankfurt: „Die geplante deutsch-türkische Universität steht für eine neue Dimension der deutsch-türkischen Kultur- und Bildungszusammenarbeit. Die Gründung des Hochschulkonsortiums ist ein wichtiger Schritt, damit die deutsch-türkische Hochschule noch in diesem Jahr starten kann. Ich danke meinen Amtskollegen Babacan und Davutoglu, sowie dem heutigen Staatspräsidenten Abdullah Gül, durch deren großes Engagement die Universität bald Wirklichkeit werden kann.“

Die DTU hat Signalwirkung für die ganze Region. Sie knüpft an die traditionell enge Bildungszusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei an und führt diese in eine neue Dimension. Die DTU soll in Istanbul mit zunächst fünf Fakultäten (Ingenieurwissenschaften, Rechtswissenschaften, Naturwissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Kultur- und Geisteswissenschaften) gegründet werden. Zielgruppe der Universität sind v.a. türkische Absolventen von Gymnasien in der Türkei, die in Deutsch unterrichten oder deutsche Lehrprogramme haben, aber auch türkischstämmige Absolventen von Gymnasien in Deutschland sowie deutsche Abiturienten.

22 Hochschulen, darunter sechs Universitäten, die sich zur Übernahme der Federführung für je eine Fakultät und für das Fremdsprachenzentrums der DTU bereit erklärt haben (Technische Universität Berlin, Universität Potsdam, Freie Universität Berlin, Universität Heidelberg, Universität zu Köln in Kooperation mit Universität Münster, Universität Bielefeld), haben das Konsortium gegründet. Weitere Hochschulen haben ihr Konsortialinteresse bekundet. Die Konsortialmitglieder verpflichten sich, beim Aufbau von Forschungsbereichen und der Einrichtung und dem Betrieb von Studiengängen an der DTU mitzuwirken mit dem Ziel der Vergabe ihrer akademischen Grade (gemeinsamer Abschluss oder Doppel-Abschluss) an Absolventen der DTU. Das BMBF hat den DAAD mit der Umsetzung und Durchführung des Projekts beauftragt.

An der Gründungssitzung in Bonn nahmen Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Auswärtigen Amtes, der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder, der Hochschulrektorenkonferenz, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes teil sowie als Gast eine Vertreterin des türkischen Hochschulrates (YÖK).

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5 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. ibo sagt:

    mal sehen, wann wir eine türkische Universität in Berlin errichten dürfen?
    Das müsste doch der nächste logische Schritt sein.

  2. Krause sagt:

    Dürfen könnt Ihr es schon jetzt, ihr müßt es nur selber bezahlen.

  3. Johanna sagt:

    >Vorstandsvorsitzender der Tavak ist Faruk Sen, der frühere Leiter des Zentrums für Türkeistudien in Essen.<

    http://berufundchance.fazjob.net/s/Rub1A09F6EF89FE4FD19B3755342A3F509A/Doc~EF8DCAE1866BC4C57B1F873B95F7490C2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Einige Leute fallen immer wieder auf die Füße, egal was sie getan/gesagt haben;(

  4. ibo sagt:

    die Bezahlung ist kein Problem. Diese liegen eher woanders.

    Selbst wenn der Staat nicht zahlt, die Firmen oder Stiftungen, Vereine….der in Berlin lebenden Türken könnte das locker bezahlen (Sponsoring usw.). Das würden die sehr gerne machen.

  5. Markus Hill sagt:

    Woran hakt es noch? Würde mich einmal interessieren.



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