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Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

VGH Hessen

Muslimischer Metzger darf nicht Schächten

Der Hessische VGH hat vergangene Woche entschieden, dass der Lahn-Dill-Kreis Schächten während eines laufenden Genehmigungsverfahrens nicht mehr dulden muss. Nun muss der muslimische Metzger Altinküpe warten, bis über seinen Antrag auf Erteilung einer Schächtgenehmigung abschließend entschieden ist.

Das Gießener Verwaltungsgericht hatte im Februar dem muslimischen Metzger Rüstem Altinküpe aus dem mittelhessischen Aßlar unter strengen Auflagen die Erlaubnis zum betäubungslosen Schlachten gegeben. Zu den Auflagen gehörte, den Tieren beim Transport, beim Ruhigstellen und der Schächtung selbst alle vermeidbaren Leiden und Schmerzen zu ersparen. Außerdem müsse die Schächtung von einem Amtstierarzt überwacht werden – Kriterien, die in der Massentierhaltung kaum zu erfüllen sind.

Als weitere Auflage sollte der Metzger das Fleisch nur an Endverbraucher abgeben. Wenn Moscheevereine oder Geschäfte es bezögen, sei nicht klar, an wen das Fleisch letztlich verkauft werde, argumentierte das Gericht. Altinküpe legte Beschwerde gegen die strengen Auflagen ein. Auch der Lahn-Dill-Kreis zog vor den Hessischen VGH um das Urteil des Gießener Gerichts anzufechten. Einem Sprecher des VGH zufolge gab der VGH vergangene Woche der Beschwerde des Lahn-Dill-Kreises statt.

Der Lahn-Dill-Kreis teilte indessen mit, dass der muslimische Schächter nun warten müsse bis „über seinen Antrag auf Erteilung einer Schächtgenehmigung abschließend entschieden ist“. In Gesprächen mit muslimischen Glaubensvertretern will der Kreis eine „vernünftige Lösung“ finden, um „den streng gläubigen muslimischen Mitbürgern im Lahn-Dill-Kreis die Chance zu geben, ihren Glaubensgeboten im Rahmen des deutschen Rechtes nachzukommen“.

Altinküpe streitet sich nun seit Jahren mit dem Lahn-Dill-Kreis wegen vorenthaltener Schächtgenehmigungen. Trotz einer erfolgreichen Verfassungsbeschwerde und erfolgreichen Verfahren in den Unterinstanzen versucht der Kreis immer wieder dem Metzger Schächtgenehmigungen vorzuenthalten. Im November 2006 trafen sich die Parteien vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Die Bundesrichter bestätigten damals in ihrem höchstrichterlichen Urteil, dass das Schächten mit Verweis auf die Religionsfreiheit trotz eines Verbots im Tierschutzgesetz erlaubt sei.

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46 Kommentare
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  1. municipal sagt:

    @ Mehmet

    Was ich vom „Schächten“ (besonders ohne Betäubung ) halte ? Mittelalterlich.

  2. manfred sagt:

    Ja , auch bei den juden wird geschächtet
    das nennt man kocherschlaten

  3. Mehmet sagt:

    Ein Link wäre schön 😉

  4. manfred sagt:

    In Deutschland darf grundsättlich kein Tier geschächtet werden darf.
    In Frankfurt ist ein Schlachthof ?? wo Tiere (Kühe, Bullen,Kälber,Schafe,Ziegen) Kocher-geschlachtet wird.
    Kocher-schlachten heißt auch schächten.

  5. Teleprompter sagt:

    „In Deutschland ist die Betäubung der Tiere aus Tierschutzgründen nach § 4 a Tierschutzgesetz grundsätzlich vorgeschrieben. Von diesem Grundsatz gibt es Ausnahmen. Menschen, denen ihr Glaube das Schächten von Tieren „zwingend vorschreibt“, können bei der zuständigen Behörde eine Ausnahmegenehmigung beantragen.“

    http://www.tierschutzbund.de/849.html

  6. manfred sagt:

    In Deutschland darf grundsättlich kein Tier geschächtet werden .
    In Frankfurt ist ein Schlachthof ?? wo Tiere (Kühe, Bullen,Kälber,Schafe,Ziegen) Kocher-geschlachtet wird.
    Kocher-schlachten heißt auch schächten.
    In jedem Schlachthof wo auch tierärzte zugegen sind.

  7. Mehmet sagt:

    Naja Sie entziehen sich der eigentlichen Frage:

    Fleischproduktion vs. Schächten. Was ist tierfreundlicher?

  8. Mehmet sagt:

    Und:

    Tierversuche vs. Schächten. Was ist tierfreundlicher?

  9. Markus Hill sagt:

    Der Vorfall ist bedauerlich, rechtfertigt aber nicht dieses Vorgehen. (Wobei ich mich hier nicht zur Schweinefleischlobby zähle, esse ich so gut wie überhaupt nicht). Die Kritik von oben hatte sich aber auf die rechtliche Situation bezogen. Wenn das so ist, wie oben beschrieben: Beitritt bitte auf die lange, LANGE Bank schieben!:-)

  10. Mehmet sagt:

    Was ich damit sagen wollte, ist, dass man nicht nach den Hintergründen fragt und pauschal Schließungen verurteilt. Als ich in Finnland war, habe ich mit einem Türken gesprochen, der davon Sprach, die Wildschweine (die es wohl zuhauf in der Türke gäbe) abzuschießen und dann zu verkaufen. Unendlich viel Fleisch für lau und man kann dieses dann verkaufen. Dass die Bevölkerung aufgrund der Religion das Fleisch natürlich nicht essen will, hat Ihn nicht interessiert.

    Natürlich kann es auch Schließungen geben, die aufgrund von ungerechtfertigten Anzeigen stattfanden, weil ein Moslem von solchen Vorfällen gehört hat und den christlichen Schächter zu Unrecht so einer Tat bezichtigt.

    Fazit: Eine solche Meldung sollte nicht leichtfertig ohne zu hinterfragen hingenommen werden.


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