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Doppelte Staatsbürgerschaft führt zu Loyalitätskonflikten

„Die doppelte Staatsangehörigkeit trägt nicht zur Verbesserung der Integration von Zuwanderern bei. Wer deutscher Staatsbürger werden will, von dem kann ein eindeutiges „Ja“ zu Deutschland und die Abgabe seiner alten Staatsangehörigkeit erwartet werden“, so Koschyk. Eine generelle doppelte Staatsangehörigkeit bringe die Gefahr von Loyalitätskonflikten und erschwere die Identifikation mit Deutschland als neuer Heimat. Nur in besonderen Fällen wie im Falle des engen Staatenverbunds der Europäischen Union ist eine doppelte Staatsangehörigkeit denkbar.

Der Migrationspolitische Sprecher der Grünen, Josef Winkler, warf der Regierung hingegen vor beim Doppelpass mit zweierlei Maß zu messen: “Während EU-Bürger und Schweizer seit 2007 bei einer Einbürgerung ihren bisherigen Pass behalten können, soll dies türkischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern auch weiterhin verboten sein – ein fatales Signal der Ausgrenzung. Ebenso unverantwortlich ist das Festhalten am sogenannten Optionszwang, der in Deutschland geborenen jungen Erwachsenen, die ihr ganzes bisheriges Leben den deutschen und einen anderen Pass besessen haben, bis zum 23. Lebensjahr die Entscheidung aufdrängt, sich zwischen dem deutschen und dem Pass ihrer Eltern entscheiden zu müssen.“

Nach einer aktuellen Umfrage der Bertelmann Stiftung, die voraussichtlich im August 2009 erscheint, finden es unterdessen 58 Prozent der Befragten richtig, dass Inhaber der doppelten Staatsbürgerschaft sich in Deutschland mit 18 Jahren entscheiden müssen, welchen ihrer Pässe sie behalten wollen. Ein Drittel (35 Prozent) aller Deutschen ohne und 51 Prozent derjenigen mit Migrationshintergrund finden das falsch. Ausländer sind zu 71 Prozent dagegen. 52 Prozent der 18 bis 24 Jährigen, 43 Prozent der 25 bis 29 Jährigen und 48 Prozent der 30 bis 39, plädierten hingegen für die Beibehaltung der doppelten Staatsbürgerschaft nach dem 18. Lebensjahr. Unter den Befragten ab 60 Jahren sind es 27 Prozent, die eine doppelte Staatsbürgerschaft bejahen.