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Migration und Integration in Deutschland

Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

Duisburg

Bundeskonferenz der Integrations- und Ausländerbeauftragten

Seit gestern findet die diesjährige Bundeskonferenz der Integrations- und Ausländerbeauftragten in Duisburg statt. Gastgeber sind die Beauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer, der Integrationsbeauftragte der Landesregierung Nordrhein- Westfalen, Thomas Kufen, und die Integrationsbeauftragte der Stadt Duisburg, Leyla Özmal.

Zur Bundeskonferenz kommen über 200 Integrations- und Ausländerbeauftragte aus ganz Deutschland in Duisburg zusammen, mit dem Ziel über aktuelle Themen der Integrationspolitik zu beraten, und die Integrationspolitik weiterzuentwickeln.

Schwerpunktthema der Konferenz ist die interkulturelle Öffnung der Verwaltung. Besprochen wird unter anderem, wie eine kommunale Verwaltung zielgerechter auf die Anliegen von Zuwanderinnen und Zuwanderer eingehen kann.

„Eine Gesellschaft der Vielfalt muss sich auch in der öffentlichen Verwaltung widerspiegeln. Die interkulturelle Öffnung der Verwaltung ist dabei ein notwendiger Prozess. Der gleichberechtigte und ungehinderte Zugang aller Einwohner, unabhängig von ihrer ethnischen oder kulturellen Zugehörigkeit, zu den Dienstleistungen der Kommune, die interkulturelle Öffnung der Institutionen und Einrichtungen, ist ein Beitrag zum gelingen der Integration“, sagte Thomas Kufen.

Pioniere der Integrationsarbeit
„Unsere Ausländer- und Integrationsbeauftragen, egal ob auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene, sind die Pioniere der Integration. Sie haben sich dieses Thema zu Herzen genommen, sich politisch und gesellschaftlich damit beschäftigt, als Andere, das heißt die Meisten, den Begriff noch gar nicht kannten“, sagte gestern Integrationsminister Armin Laschet anlässlich der Eröffnung der Bundeskonferenz der Integrations- und Ausländerbeauftragten.

Bei 15 Millionen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Deutschland muss sich jede Verwaltung interkulturell öffnen. „Dass es aber in der Praxis oftmals noch anders aussieht, wissen die Integrationsbeauftragten am besten“, so Laschet. Nicht immer würden die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte bei rechtlichen und sozialen Fragen von den Behörden eine freundliche und respektvolle Behandlung erfahren. Der Minister fügte hinzu: „Da liegt sicherlich noch manches im Argen. Das weiß ich auch aus persönlichen Zuschriften von betroffenen Menschen. Ich weiß aber auch, dass die Integrationsbeauftragten vor Ort, diese Fehler nicht hinnehmen, sondern aktiv dafür arbeiten, dass Zugewanderte bürgerfreundlich und entgegenkommend behandelt werden.“

Die gute Zusammenarbeit mit Thomas Kufen, dem Integrations-beauftragten der Landesregierung, war neben der Würdigung der Ausländer- und Integrationsbeiräte ebenfalls ein Punkt, den der Minister hervorhob: „Als er seine Stelle antrat, da fragten viele, warum einen Integrationsbeauftragten, wenn es gleichzeitig das erste deutsche Integrationsministerium gibt? Es ist bezeichnend, dass diese Frage heute nicht mehr gestellt wird. Denn die Zusammenarbeit zwischen Integrationsminister und Integrationsbeauftragtem hat sich bewährt.“

Es sei erfreulich, dass es nur noch selten so genannte „Ausländerbeauftragte“ gebe. Laschet: „Wir haben überwiegend Integrationsbeauftragte. Wenn es stimmt, dass Sprache unsere Wahrnehmung beeinflusst, dann sind wir endlich soweit, dass wir Menschen mit Zuwanderungsgeschichte nicht mehr als Ausländer wahrnehmen, sondern uns heute stark für ihre Integration in die Gesellschaft machen. Das ist ein wichtiger Schritt!“

Der Integrationsbeauftragte ist Ansprechpartner für viele Menschen, denen die Chancen und Probleme der Integration am Herzen liegen. „Das Amt ist zu einer Brücke geworden zwischen Regierung, Verwaltung, Parlament, den vielen integrationspolitisch engagierten Verbänden und Organisationen und den Bürgerinnen und Bürgern im Land“, sagte Laschet.

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3 Kommentare
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  1. Homo sapiens sagt:

    Ich sehe solche Treffen eher skeptisch an. Ich begrüße zwar jede rationale Auseinandersetzung mit der Thematik, wobei ich hier Wert auf das Wort „rationall“ lege.

    Was soll sich denn da ändern?

    Ich zitiere aus dem Text “Unsere Ausländer- und Integrationsbeauftragen, egal ob auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene, sind die Pioniere der Integration.“

    Ich weiss gar nicht, warum man sich jetzt gegenseitig auf die Schulter klopft. Man hat ja letzte Woche gesehen, als man die neuesten Einbürgerungszahlen gesehen hat, was diese Pioniere alles geleistet haben… Bedürfnisse von Migranten werden oftmals ignoriert. Ich gehe mal davon aus, dass diese Konferenz genau so ein riesengrosser Erfolg sein wird, wie der Integrationsgipfel oder die Islamkonferenz…

  2. Bekir Altas sagt:

    Der NRW-Integrationsminister Armin Laschet beklagt in Duisburg über zu wenig Respekt vor Zuwanderern in Ämtern. Das ist eine sehr beunruhigende Feststellung. Wichtig ist nun aufzuarbeiten was die Ursachen hierfür sind. Wieso werden Migranten in Ämtern, in der Schule, im Kindergarten etc. zunächst als Problem(gruppe) gesehen? Sind es die kulturellen Unterschiede? Sind es die z.T unterschiedlichen Wertevorstellungen, die man nicht respektieren möchte? Dabei sollte die Diskussion/Untersuchung doppelgleisig geführt werden. Probleme gibt es bei der Frage sicherlich auch auf Seiten der Migranten.

    In Ämter besteht jedoch ein sog. Über- und Unterordnungsverhältnis, so dass die entgegengebrachte Respektlosigkeit schnell dem Staat zugerechnet wird. Die Politik wäre daher gut beraten, wenn sie ihre „Repräsentanten“ in der Verwaltung besser schult bzw. für eine interkulturelle Öffnung in der Verwaltung sorgt. Dafür brauchen wir aber zunächst Politiker, wie Herrn Laschet (CDU), der die Probleme beim Namen nennt und nicht solche, wie Hernn Koch (CDU), der populistische Wahlkämpfe führt.

  3. Markus Hill sagt:

    In der Presse hatte ich gelesen, dass man langsam bei solchen Stellen (Verwaltung, ggfs. auch irgendwann Polizei) die Anforderung für manche Migrantengruppen senken möchte. Rechtschreibekenntnisse etc. , in Köln sollen zum Beispiel gezielt hier Standards bei Einstellungstests für Problemgruppen gesenkt worden sein. Vielleicht verstärkt sich dieser „Downgrading“-Trend. Den Migranten, die durch solche Programme Ihre Stelle erhalten, werden vielleicht „scheel“ angesehen. Das könnte ein Ausfluss dieser Pressemeldungen sein. Ich persönlich habe auf Ämtern (Ordnungsamt) nicht wahrgenommen, dass diese Leute anders arbeiten wie andere. Die Unterstellung wäre wohl „idiotisch“. Zumal man nicht weiss, wer unter solche Quoten gefallen ist und wer „normal“ in den Öffentlichen Dienst gekommen ist.
    Sollten sich diese Affirmative-Action-light-Programme durchsetzen, haben die Migranten (auch die Leistungsfähigen, die mit ausreichenden Kenntnissen) wieder Pech – keinesfalls wird die Reputation steigen. Im Gegenteil, die Leute werden dann wohl von „Quotentürken“ etc. sprechen. Wenn man langfristig Respekt erlangen will, sind meiner Ansicht nach diese Programme mit Vorsicht zu geniessen. Mit diesen erreicht man genau den oben genannten Effekt. Einem ähnlichen Effekt (DIREKTES Thema) haben viele Sonderprogramme (Interkulturelles, wieder Sonderprobleme zementieren und thematisieren, die meisten werden da wieder einfach mit den Augen rollen:-), weil so gut wie allen klar ist, dass gerade die Mitarbeiter mit Migrationshintergrund der bekannten Problemgruppen schon wieder auf dem Präsentierteller landen. Vielleicht sollte man doch einfach einmal etwas Zeit vergehen lassen, ohne „Sozialaktivismus“. Ich weiss, dass eine ganze Industrie von diesen Aktivitäten lebt. Meiner Ansicht sind viele der Aktionen eher Migrantengruppen-stigmatisierend als das sie integrationsfördernd wirken.



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