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Migration und Integration in Deutschland

Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

NRW-SPD

“Abwanderung ausländischer Studierender verindern”

Die SPD-Fraktion im Nordrhein-Westfälischen Landtag fordert die Landesregierung auf (Drucksache 14/9071), die Abwanderung ausländischer Studierender zu verhindern durch Schaffung von Betreuungsmaßnahmen.

Deutschland belege weltweit den 3. Rang unter den beliebtesten Studienstaaten der ausländischen Studierenden. Trotzdem sinke die Zahl ausländischer Studierender in Deutschland seit einigen Jahren kontinuierlich. Laut einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) breche jede bzw. jeder zweite Studierende aus dem Ausland sein Studium in Deutschland ab und kehrt zurück in sein Heimatland.

„In Deutschland werden aufgrund des demographischen Wandels dringend hochqualifizierte Zuwanderer als Fachkräfte benötigt, die über deutsche Abschlüsse und gute Sprachkenntnisse verfügen. Dafür müssen sie jedoch zunächst einmal an deutsche Hochschulen kommen und dort auch bleiben. Bislang unternommene Versuche, in Deutschland fertig ausgebildete Arbeitskräfte für bestimmte Branchen anzuwerben, sind weitestgehend gescheitert. Andere Länder haben längst erkannt, dass fast die ganze Gewinnung von ausländischen Spitzenkräften über die Hochschulen laufen muss. In den USA kam die Regierung beispielsweise sogar zu dem Schluss, dass 98% aller hochqualifizierten Einwanderer bereits vorher im Land gelebt und dort gelernt hatten.“, so die SPD Fraktion.

In NRW befinde sich die Landesregierung auf einem entgegengesetzten Kurs. Anstatt die Bedingungen für ausländische Studierende zu erleichtern, seien sie erschwert worden. Mit Beschluss der Landesregierung seien 2007 die, ohnehin schon zu wenigen, Studienkollegs abgeschafft und durch ein Betreuungssystem ersetzt, das bis heute nicht funktioniere oder gar nicht existiere. Zudem seien von der Einführung der Studiengebühren durch die Landesregierung im besonderen Maße die ausländischen Studierenden betroffen. 50% der ausländischen Studierenden stammen aus Staaten mit geringem Pro-Kopf-Einkommen. In Nordrhein-Westfalen falle dieser Anteil laut HIS- Studie damit deutlich überproportional aus. Hinzu komme, dass Studierende aus EU-Drittstaaten oder EU-Beitrittsländern nur 90 Tage im Jahr arbeiten dürften und zumeist kein Bafög beziehen könnten.

Darüber hinaus sei die Betreuung der ausländischen Studierenden für die Hochschulen in NRW ohne die Strukturen und Finanzmittel des Landes eine zusätzliche finanzielle Belastung. Abgesehen von einigen wenigen positiven Einzelbeispielen, finde sie seit der Abschaffung der Studienkollegs kaum statt. Das Ergebnis dieser schlechten Betreuungssituation sei, dass ausländische Studierende sich schlechter in den Hochschulalltag integrieren. Die SPD-Fraktion weiter: „39% der ausländischen Studierenden gaben in der HIS- Studie an, sie hätten Schwierigkeiten Kontakt zu deutschen Studierenden zu finden.“

Hochschulen, die versuchen bessere Bedingungen zu schaffen, bleibe oft keine andere Wahl als diese von den ausländischen Studierenden selbst finanzieren zu lassen. Ein solches System schrecke aber ausländische Studierende ab. Zum Beispiel habe man an der Universität Bonn eine bessere Betreuung schaffen wollen und habe dafür einen „Betreuungsbeitrag“ in Höhe von 150 Euro erhoben – zusätzlich zu den allgemeinen Studiengebühren von 500 Euro. Folge dieser Maßnahme sei eine Abnahme der Studierenden aus Nicht-EU-Staaten um 60% gewesen.

Vor diesem Hintergrund fordert die SPD die Landesregierung auf, ein Betreuungssystem aufzubauen, das die ausreichende Betreuung ausländischer Studierender sicherstellt. Außerdem soll gemeinsam mit den Hochschulen eine Auslandskampagne zur Werbung für den Studienstandort NRW gestartet und spezielle Tutorenprogramme, ein Gast- und Patenfamilienprogramm sowie ein Weiterbildungsprogramm für die Vorbereitung von Lehrenden auf ausländische Studierende aufgelegt werden.

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12 Kommentare
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  1. rustam sagt:

    verhindert, nicht „verindert“.

  2. Markus Hill sagt:

    Wir geben in der Migrationspolitik soviel Geld für Schadensbegrenzung durch Verfehlungen der Vergangenheit aus. An dieser Stelle für ausländische Studenten etwas mehr zu veranschlagen, wäre nicht falsch. Das hätte Potential und Nutzen für alle.

  3. Mehmet sagt:

    Recht gebe Ich Ihnen da. Bin gerade in der Bewerbungsphase. Ich bin gespannt, wie die Reaktionen sein werden.

  4. Krause sagt:

    Warum sollen wir ausländische Studenten unterstützen???? Wir sollten vielmehr unsere Universitäten verbessern und dann von ausländischen Studenten saftige Studiengebühren verlangen so wie es die USA und UK tun. Ich bin jedenfalls nicht bereit ausländische Studenten mit Bafög etc. zu sponsorn. Das Geld sollten wir lieber verwenden um die Schüler und Studenten, die bereits im Lande sind, zu fördern. Dies sollte dann und vor allem für bereits hier lebende Migranten geltend.

    P.S. Ich habe u.a. in London studiert und hatte auch Schwierigkeiten in Kontakt mit englischen Studenten zu treten. So ist das halt, wenn man Ausländer ist.

  5. Non-EU-Alien sagt:

    „Warum sollen wir ausländische Studenten unterstützen???? Wir sollten vielmehr unsere Universitäten verbessern und dann von ausländischen Studenten saftige Studiengebühren verlangen so wie es die USA und UK tun. Ich bin jedenfalls nicht bereit ausländische Studenten mit Bafög etc. zu sponsorn.“

    Erstens haben ausländische Studenten, die nur wegen des Studiums nach Deutschland kommen kein Anrecht auf BAFÖG. Wussten Sie das? Nur ausländische Studierende, die eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis haben, weil sie beispielsweise ihr Leben lang in D gelebt haben und somit auch Bildungsinländer sind, haben dieses Recht.

    Zweitens, von den saftigen Studiengebühren haben weder Sie was noch die deutschen Unis. Wenn ein Student z.B. 12000 Euro/Jahr zahlen muss, dann studiert er weder in Bonn noch in Magdeburg, sondern geht gleich nach Sorbonne, Oxford, Cambridge oder wo auch immer.

  6. Markus Hill sagt:

    „Mit Beschluss der Landesregierung seien 2007 die, ohnehin schon zu wenigen, Studienkollegs abgeschafft und durch ein Betreuungssystem ersetzt, das bis heute nicht funktioniere oder gar nicht existiere.“
    Das war zum Beispiel ein Thema hier. Das betrifft auch Vietnamesen oder Chinesen. Das ist kein Türken-spezifisches Thema. Alle profitieren davon. Viele der Studenten würden vielleicht gerne hier arbeiten nach dem Studium. Wenn wir uns zumindest in Teilen als Einwanderungsland sehen (vielleicht qualifizierte Zuwanderung noch völlig ausschliessen), ist das hier ein gangbarer und sehr preiswerter Weg. Natürlich muss im Einzelfall geprüft werden und nicht per Gieskanne Geld „verpulvert“ werden. Wenn aber jemand schon Studiengebühren zahlt, ist so ein kleiner Zuschuss nichts Schlimmes. U. U. könnte man sogar überlegen, ob man woanders etwas streichen kann. Bei Bildungsunterstützung sehe ich viele positive Aspekte, es geht nicht darum, etwas zu verschenken. Beide Seiten profitieren davon.

  7. Schneter sagt:

    @Krause
    Unsere türkischen Mitbürger wollen aber auf Rosen gebettet werden, so ist das halt. Was Sie in England für Probleme hatten ist nicht interessant, Sie sind Deutscher, von daher klar, dass Sie keiner leiden konnte!

  8. Krause sagt:

    „Zweitens, von den saftigen Studiengebühren haben weder Sie was noch die deutschen Unis. Wenn ein Student z.B. 12000 Euro/Jahr zahlen muss, dann studiert er weder in Bonn noch in Magdeburg, sondern geht gleich nach Sorbonne, Oxford, Cambridge oder wo auch immer.“

    Deswegen hatte ich ja auch geschrieben, dass wir erst unsere Unis verbessern müssen. Unsere Massenunis sind wirklich keine 12,000 p.a. wert.

  9. Markus Hill sagt:

    „Andere Länder haben längst erkannt, dass fast die ganze Gewinnung von ausländischen Spitzenkräften über die Hochschulen laufen muss. In den USA kam die Regierung beispielsweise sogar zu dem Schluss, dass 98% aller hochqualifizierten Einwanderer bereits vorher im Land gelebt und dort gelernt hatten.“,“
    Jetzt ziehen Sie bitte einmal Ihre „Anti-Türken-Brille“ aus.:-).-)
    Hier geht es um alle Gruppen von Ausländern. Es geht auch nicht um eine Vollförderung. Meiner Ansicht nach ist es eine sehr gute Sache, mit einem sehr begrenzten Aufwand (Studierfähigkeit durch etwas „Coaching“ für einen erfolgreichen Abschluss, durchaus mit FORDERENDEN Elementen versehen) das Fachkräfte-Potential zu erhöhen. Die Alternative, in Ergänzung, sehr gute „teure“ Universitäten aufzubauen, kann ja genauso verfolgt werden. Zumal könnte man ungewöhnliche Finanzierungsmöglichkeiten (wenn überhaupt rechtlich zulässig) mit Phantasie diskutieren. Vielleicht würde sogar die türkische Regierung da noch einen symbolischen Beitrag beisteuern – vielleicht würde es IHNEN dann nicht so ganz schwerfallen, zumindest einmal über solche Ansätze nachzudenken.
    Beispiel: Türkischer Familienvater erscheint mehrfach nicht zum Elternabend. Bei „Sozialleistungen“ (wenn hier zutreffend) wird ein Abzug als Bussgeld vereinnahmt und in einen Topf für Services für türkische Studenten und andere ausländische Studenten eingeführt. Solche Aktionen könnte man zusammen mit den türkischen Verbänden PR-mässig begleiten.
    Ich weiss, wahrscheinlich ist das noch nicht die richtige, durchführbare Idee. Ist ehrlicherweise gesagt erst einmal ins „Unsaubere“ gesprochen, für Brainstorming. Aber man kann ja in diese Richtungen denken. Diskutieren, abwägen. Das würde auch bessere Presse für Migrantenbelange erzeugen, als das etwas „jämmerliche“ Fordern nach ständigen Extra-Fördermöglichkeiten, man hätte das Gefühl, dass auch von Seiten der türkischen Community in den „Bildungsdialog“ eingetreten wird.
    PS: Türken, ich rede hier nicht von Deutsch-Türken (da sollte man nicht Extra-Förderungen einführen, würde andere Studenten benachteiligen), sind doch eigentlich nicht der Hauptpunkt in dem oben angesprochenen Themenfeld.
    Ein ganz anderes Thema wäre das Diskussionsfeld der Unterstützung von türkischenstämmigen Akademikern in Deutschland. Die bekommen zu Unrecht viel Kritik und Häme mit. Man sollte da zumindest diskutieren dürfen, ob man da irgendeine Unterstützung zum Wohlfühlen und Bleiben schaffen kann. Das muss nicht unbedingt in finanzieller Form erfühlen, selbst eine PR-Kampagne der deutschen Regierung ist da hilfreich: „Es gibt eine neue Generation von türkischen Migranten in Deutschland!“, damit diese Leute nicht immer unter dem 20-Jahre-alt-Goldkettchen-ohne-Hauptschluss-Mehmet-Image zu leiden haben. Man tut diesen Leuten unrecht und man schadet auch deutschen Interessen, wenn man da nicht einmal vernünftig und differenziert diskutiert.
    Wenn wir einmal die hier oft diskutierten Islam-Verschwörungstheorien-Argumente beiseite lassen, würde ich sagen, dass viele dieser Akademiker oder angehenden Akademier ähnliche Interessen wie die deutschen Studenten haben. Nicht jeder türkische Student ist bei türkischen extremistischen Parteien aktiv, ab einem gewissen Bildungsniveau stimmt dieser Sachverhalt einfach nicht!!!:-)

  10. Non-EU-Alien sagt:

    Mag sein, aber das wird nicht von heute auf morgen geschehen. Selbst die vollen Geldsäcke, die vor paar Jahren flossen, um wenigstens ein paar ELITE Unis in Deutschland zu haben, haben NIX geholfen. Eliteunis entstehen anders, nämlich durch Exellenz und PR. Die Exzellenz hat aber nur sehr schwierige Arbeitsbedingungen und wandert deshalb nach UK oder US ab, wo auch mehr in der Tasche bleibt.

    Was die ausländischen Studenten angeht, die ’nur‘ zwecks Studium nach Deutschland kommen, möchte ich auch noch was sagen. Diese Leute bekommen keinen Bafög, sie müssen ca. 600 Euro monatlich vorweisen können für ein Jahr im Voraus (7200 Euro), damit sie überhaupt ein Studentenvisum erhalten. Die Ausbildung dieser Menschen ist auch im Interesse Deutschlands, da dadurch Universitätsnamen in deren Heimat bekannt werden. Ganz nach dem Motto: ‚Jou, ich habe in Deutschland in Karlsruhe meinen Master gemacht‘, was PR aus erster Hand ist. Ob jetzt 25 Deutsche in einer Vorlesung sitzen oder noch zusätzlich 5 Ausländer macht den Kohlen doch wirklich nicht fett.

    Es ist leicht überall Nachteile zu sehen, aber manchmal ist es auch eine Kunst die Vorteile rauszulesen. Und wenn einige dieser Studenten doch nicht in ihre Heimat zurückgehen, sondern in Deutschland bleiben sollten, ist es auch gut, weil man dann hochqualifizierte und vom deutschen Hochschulsystem ausgebildete Intellektuelle im Lande hat. Da weiss man was man hat…


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