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Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Volksabstimmung in Berlin

Pro Reli oder Pro Ethik?

Seit 8.00 Uhr heute Morgen läuft der Volksentscheid über Pro Reli bzw. Pro Ethik in Berlin. Der Volksentscheid wurde von der Initiative „Pro Reli“ durchgesetzt. Sie möchte erreichen, dass Schüler und Eltern künftig von der 1. Klasse an zwischen Religions- und Ethikunterricht wählen können. Zurzeit ist Religion ein freiwilliges Zusatzangebot, während Ethik von der 7. Klasse an ein Pflichtfach ist.

Kern der Auseinandersetzung ist aber nicht der Schulunterricht. Es geht unter anderem um die Grundsatzfrage, ob sich in Deutschland eine strikte Trennung zwischen Staat und Religion etablieren lässt mit Berlin als Modell für andere Bundesländer. Pro Reli Gegner sehen den Glauben als reine Privatsache an, der im staatlichen Raum nichts verloren hat.

Pro Reli Befürworter hingegen wollen den Kirchen und anderen Glaubensgemeinschaften wieder öffentlichen Raum zurückgeben. Hauptargument ist die Historie Deutschlands. Der Staat sei zwar weltanschaulich neutral, aber nicht religionsfern. Daher sei es notwendig, dass er mit Glaubenseinrichtungen wie den Kirchen zusammenarbeitet und jungen Menschen hilft, eine religiöse Identität zu finden.

Eine weitere Grundsatzfrage ist, ob Ethik oder Religion einer Multikulturellen Gesellschaft am ehesten gerecht wird.
Knapp ein Viertel (610 000 Stimmen) aller Wahlberechtigten (knapp 2,5 Millionen) müssten heute für Pro Reli stimmen, damit Eltern und Schüler künftig freie Wahl zwischen Ethik und Religion haben. Bei den bisherigen Umfragen erhielt Pro Reli eine knappe Mehrheit für ihr Anliegen. Ob es auch heute reicht, werden wir erfahren, wenn die Wahllokale um 18.00 Uhr ihre Türen schließen.

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