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Große Vorurteile gegenüber Ausländer

Laut Studie treten sowohl in den qualitativen Erhebungen als auch in der Repräsentativbefragung in nahezu allen Milieus starke, emotional getragene Vorbehalte gegenüber Ausländern und Migranten zutage. Diese äußern sich in Unbehagen, Misstrauen und irrationalen Ängsten („Ich würde auch nicht die Tür aufmachen, wenn ein Dunkelhäutiger davorsteht“), ebenso wie in den bekannten ressentimentgeladenen Negativklischees („Die wissen, wie man an Sozialgeld kommt“). Ursache dieser Grundeinstellung ist häufig das Gefühl einer umfassenden und nicht beherrschbaren Bedrohung durch die übergroße Zahl der ins Land strömenden Fremden („Das Problem sind die Massen“; „Immer mehr Ausländer kommen nach Deutschland, irgendwann ist Ende“). Das Bedrohungs-Szenario des „vollen Bootes“ führt dann, unterstützt durch den Hinweis auf allfällige Fehlentwicklungen (Migranten-Gettos in den Städten, Gewaltkriminalität bei ausländischen Jugendlichen, Belastung der Sozialsysteme etc.) rasch zu aggressiven Ausgrenzungstendenzen („Zuzug sperren“, „Die gehören abgeschoben“, „Schwarze Schafe raus“).

Insbesondere in den traditionellen und in den unterschichtigen Milieus ist blanker Hass gegenüber den Menschen anderer ethnischer Herkunft oder Hautfarbe zu spüren („Die werden immer mehr und immer frecher“; „Uns Deutsche behandeln sie wie Scheiße“), bis hin zu der gelegentlich von „DDR-Nostalgischen“ geäußerten Ansicht, man habe durchaus Verständnis dafür, wenn arbeitslose Jugendliche ihrem Frust Luft machen, indem sie „Fidschis klatschen“. In diesen Milieus ist die Überzeugung verbreitet, nicht die Migranten benötigten staatlichen Diskriminierungsschutz, sondern die „Einheimischen“, „das eigene Volk“ müsse vor den Folgen der als bedrohlich empfundenen Einwanderungswelle, die die Fundamente unseres Sozialstaats „unterspült“, geschützt werden. Viele Befragte aus diesen Milieus fühlen sich deshalb auch unmittelbar von der Ausländerpolitik des Staates diskriminiert („Die haben die Ausländer ins Land geholt, und jetzt kümmern sie sich nicht um die Probleme“).

In den gehobenen Milieus und in der gesellschaftlichen Mitte sind die Abgrenzungsmechanismen subtiler. Aber auch in diesem Segment ist man mehrheitlich der Ansicht, es seien zu viele Migranten im Land, die Dinge seien „nicht mehr im Gleichgewicht“, die Probleme würden verharmlost und seien inzwischen kaum mehr beherrschbar („Wir müssen das ernst nehmen, was da auf uns zukommt“). Gegenüber dem „staatlich verordneten“ Diskriminierungsverbot von Menschen fremder Herkunft oder Rasse sind deshalb auch viele Angehörige der gehobenen Milieus eher skeptisch. Nicht nur wird die als artifiziell empfundene Kultur der „political correctness“ abgelehnt – die es sogar verbietet, traditionelle Begriffe wie „Negerkuss“ oder „Mohrenkopf“ zu verwenden. Vielmehr wird darüber spekuliert, ob der deutsche Staat, infolge der historischen Erblast des Nationalsozialismus, nicht zu liberal, will heißen „zu lasch“ mit den Ausländern umgehe („Deutschland lässt sich zu viel gefallen“). Bekenntnisse zur Schutzwürdigkeit dieser Menschen werden daher auch im gehobenen Segment oft nur vordergründig im Sinne einer sozialnormativen Sollerfüllung abgegeben.

Allerdings ist das Plädoyer der „Postmateriellen“ für mehr Pluralismus und Offenheit vor dem Hintergrund der milieutypischen liberal-kosmopolitischen Weltsicht glaubwürdig. Am ehesten wird die Notwendigkeit eines Diskriminierungsschutzes von Menschen anderer Rasse oder Herkunft in den jungen Milieus der „Experimentalisten“, „Modernen Performer“ und teilweise auch der „Hedonisten“ gesehen – entweder im Sinne einer resignativen Toleranz wie bei den „Hedonisten“ („Wir leben halt in einer schlimmen Welt – aber keiner kann sich seine Pigmente aussuchen“) oder aus der Erfahrung heraus, dass Multikulturalität in unseren Städten längst zur Normalität geworden ist, wie bei den „Experimentalisten“, oder im Sinne einer zu bewältigenden Herausforderung wie bei den „Modernen Performern“ („Wir müssen mit ihnen zusammen leben, und es werden noch mehr Migranten kommen“).

Die in den qualitativen Erhebungen gesammelten Aussagen und Meinungen wurden für die Repräsentativerhebung in eine Batterie von Statements umgesetzt, die die Befragten anhand einer vierstufigen Antwortskala (von „stimmt ganz genau“ bis „stimmt überhaupt nicht“) beurteilen konnten. Dabei ergibt sich folgendes Bild, das zentrale Befunde der qualitativen Befragungen bestätigt (Prozentangaben sind Zustimmungsquoten):