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Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Statistik

Bevölkerung mit türkischem Pass um 25.000 zurückgegangen

Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) weist das Ausländerzentralregister (AZR) am Jahresende 2008 insgesamt rund 6,73 Millionen Personen in Deutschland nach, die ausschließlich eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen. Gegenüber 2007 waren das knapp 0,3% weniger.

Am stärksten abgenommen hat dabei die im AZR geführte Bevölkerung mit türkischem Pass: Mit 1,69 Millionen lag ihre Zahl Ende 2008 um 25 200 unter der des Vorjahres (– 1,5%). Dieser Rückgang geht zum großen Teil auf Einbürgerungen türkischer Staatsangehöriger zurück.

Einen nennenswerten Zuwachs von 24 200 Personen gab es demgegenüber bei der ausländischen Bevölkerung mit einem Pass eines EU-Mitgliedstaates (+ 1,0%). Hierfür ist nahezu ausschließlich die zunehmende Zahl von Staatsbürgerinnen und Staats­bürgern aus Rumänien (+ 9 700), Polen (+ 9 000) und Bulgarien (+ 7 200) verantwortlich. Gegenüber dem Vorjahr ist der relative Anstieg bei den Menschen aus Bulgarien (+ 15,3%) und Rumänien (+ 11,5%) besonders groß.

Im Laufe des Jahres 2008 sind gut 403 400 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit nach Deutschland zugezogen oder wurden hier geboren, 1 000 mehr als im Jahr zuvor. Gleichzeitig haben 307 800 ausländische Personen das Land verlassen oder sind verstorben, 28 700 Fälle mehr als im Vorjahr. Rund 112 900 Personen sind aus anderen Gründen, wie zum Beispiel durch Einbürgerung, aus dem Register ausgeschieden.

Rund 5,36 Millionen oder 80% aller ausländischen Personen in Deutschland hatten am Jahresende 2008 einen europäischen Pass: Bei 35% (2,36 Millionen) war das ein Pass der 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, weitere 29% (1,97 Millionen) der ausländischen Bevölkerung waren Staatsangehörige aus einem der drei Kandidatenländern der Europäischen Union (Türkei, Kroatien und Mazedonien) und nochmals 15% (1,03 Millionen) aus anderen europäischen Ländern. 12% kamen aus Asien, 4% aus Afrika, 3% aus Amerika und 1% hatten keine oder eine ungeklärte Staatsangehörigkeit.

Nach einzelnen Staaten betrachtet hatten die meisten der hier lebenden Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit einen türkischen Pass (25%), gefolgt von Staatsangehörigen aus Italien mit 8%, Polen mit 6%, Serbien und Montenegro einschließlich der Nachfolgestaaten mit zusammen 5%, Griechenland mit 4% und Kroatien sowie die Russische Föderation mit jeweils 3%. Insgesamt waren 188 der 192 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen in der in Deutschland lebenden Bevölkerung vertreten.

Die am Jahresende 2008 registrierten Ausländerinnen und Ausländer hielten sich durchschnittlich bereits seit 18,2 Jahren in Deutschland auf. 37% der ausländischen Bevölkerung (2,47 Millionen) wohnten seit mehr als 20 Jahren hier. Über 72% (4,86 Millionen) waren seit mindestens acht Jahren in Deutschland ansässig und erfüllen so die notwendige Aufenthaltsdauer für eine Einbürgerung.

Das Durchschnittsalter der Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit lag Ende 2008 bei 37,9 Jahren und ist gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Jahre angestiegen. Dies ist vor allem eine Folge des 2000 eingeführten Optionsmodells, nach dem die Kinder mehrheitlich auch dann als Deutsche geboren werden, wenn beide Eltern eine ausländische Staatsangehörigkeit haben. Dies lässt sich auch im AZR ablesen: Im Berichtsjahr 2005 waren dort knapp 521 300 ausländische Kinder unter zehn Jahren registriert, im Jahr 2008 waren es nur noch 356 400.

1,33 Millionen oder 20% aller im AZR geführten Ausländerinnen und Ausländer wurden in Deutschland geboren. Den höchsten Anteil an in Deutschland Geborenen hatten mit 33% die türkischen Staatsangehörigen, gefolgt von den italienischen und griechischen Staatsangehörigen mit jeweils 31% beziehungsweise 28%.

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6 Kommentare
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  1. […] von ihnen hat einen türkischen Pass. Die MiGAZIN Presschau beinhaltet heute Artikel über die Mitteilung des Statistischen Bundesamtes. Insgesamt sank die Zahl der ausländischen Bundesbürger von Ende 2007 bis Ende 2008 um 0,3 […]

  2. delice sagt:

    Ach Leute, das ist doch klar, wenn ich beide automatisch haben darf!

    Dass hier wieder mal in die Röhre schauen ist doch klar! So lange die Vortänzer sich gerettet haben, solange wird dieses Thema nicht angefasst!

    Das ist schon beachtlich, dass was ein Herr Schäuble, sich zwar etwas Selbstkritisch gibt, aber dennoch das völlig andere macht, nämlich weiterhin eine Verweigerungshaltung einnimmt, zu der Frage einer Visafreiheit für türkische Staatsbürger und auch die weitere trotzige Weigerung gerade türkische Staatsbürger nicht mit in den § 12 StAG aufzunehmen.

    Obwohl hier alleine im EU-Raum, mit Schweizern und den Deutschen zusammen, gemäß § 12 Abs. 2 StAG, über 500 Millionen Menschen, unter bestimmten Voraussetzungen eine doppelte oder mehrere Staatsangehörigkeiten erwerben können, und nach § 12 Abs. 1 StAG, alle weiteren muslimischen und nicht muslimischen Menschen, oder mit möglichen finanziellen Nachteilen oder bei Erb- und Rentenschwierigkeiten, mit in diesem Kreis der Privilegierten Doppelstaatler dann bestimmt über eine 1 Milliarde Menschen locker werden könnten, können von diesem Recht türkische Staatsbürger davon immer noch nicht partizipieren und profitieren!

    Die Verwaltungsgerichte klammern sich, wie an einem durchsichtigen Strohhalm an, an ein schon längst, von der Realität überholtes Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Januar 2006 (2 BvR 1339/06), dass es ihr trauriger Weise leider nicht gerade zu ihrem Ruhme reichen kann!

    Nach der Liste des deutschen Außenministeriums konnten schon damals Staatsangehörige folgender Staaten vom § 12 Abs. 1 StAG profitieren:

    Marokko, Tunesien, Syrien, Libanon, Iran, Afghanistan, Algerien, Kuba und Eritrea!

    Dazu folgene Zitate aus:
    Deutscher Bundestag Drucksache 15/4496
    15. Wahlperiode 14. 12. 2004

    Antrag der Abgeordneten Wolfgang Bosbach, … und der Fraktion der CDU/CSU
    Probleme mit der Türkei nicht ausblenden

    Wir hindagegen, werden nur noch als „Schwerkriminelle“, mit der „organisierten Kriminalität“ und mit „Drogen- und Gewaltdelikten“ und „Islamismus“ in Berührung gebracht. Mag ja sein, dass es auch die gibt, aber selbst die 5 Finger einer menschlichen Hand sind ungleich!

    Kein Wunder, wenn keiner mehr die deutsche Staatsangehörigkeit will, so wie es sich die deutschen Sicherheitspolitiker das Ganze sehnlichst vorstellen!

    Türken müssen Türken bleiben bleiben!

    Aber, wie passen dann die Vorwürfe, dass in der kleinen Auswahl, der obigen Liste, es darunter Staatsbürger gibt, die von einem Staatsaufbau her kommen, deren Systeme wesentlich extremer und islamistischer sind, als ein laizistischer Staat, wie es die Türkei schon – seit 1923 – ist, derart seine Staatsbürger auch noch zu drangsalieren?

    Gerade türkischen Staatsbürgern, will man dennoch die doppelte Staatsbürgerschaft absolut nicht gewähren, dass man ihnen immer wieder vorenthält! Und da sagen sich viele, dann will ich diese auch nicht mehr!

  3. elimu sagt:

    Ich will auch meinen türkischen Pass zurück..!! Wir alle sind doch gleich?
    Wir haben eine deutsche Seite und eine türkische.. Warum soll man sich nur für eines entscheiden?? Ist doch nichts dabei? Den Deutschen kümmert es doch gar nicht, ob man 2 Staatler ist. Außerdem würd man vielleicht in diesem Punkt die Regierung wieder etwas attraktiver sehen.

    Ich sehe mich als Deutsch-Türkisch.. Warum soll es nicht auf Papier so sein? Es ist ein Stück Identiät, was man einem versagt. Ich habe mich für die Deutsche Staatsbürgerschaft entschieden, weil ich hier lebe und hierhin gehöre. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich ein Stück meiner Wurzeln aufgeben muss. Meinen durchlöcherten türkischen Pass habe ich immer noch. Ich kann ihn nicht wegwerfen. Viele die eingebürgert wurden, denken wie ich.. Ich hoffe es ändert sich bald etwas

  4. Boli sagt:

    @delice

    Aber, wie passen dann die Vorwürfe, dass in der kleinen Auswahl, der obigen Liste, es darunter Staatsbürger gibt, die von einem Staatsaufbau her kommen, deren Systeme wesentlich extremer und islamistischer sind, als ein laizistischer Staat, wie es die Türkei schon – seit 1923 – ist, derart seine Staatsbürger auch noch zu drangsalieren?

    Das ist eine gute und berechtigte Frage. Die werde ich unter anderem demnächst einem MdB meines Wahlkreises unter die Nase reiben.
    Meine persönliche Ansicht dazu ist: Die Masse macht es. Würden in Deutschland max. so viele Türken leben wie z.B. Spanier und Griechen wäre die Lage bestimmt anders. Es waren während des Anwerbeabkommens bis zum Anwerbestopp gut doppelt so viele Spanier und Griechen in Deutschland wie heute.
    http://www.migration-info.de/mub_artikel.php?Id=100308
    Aus diesem Artikel können Sie herauslesen wie Integration schnell und schmerzlos funktioniert (Stichworte: binationale Ehen und Selbstorganisation). Es kommt also auch auf das Klientel der Einwanderer an.
    Bei den Türken hat sich die Zahl kurz vor dem Anwerbestopp 1971 von gut 650000 praktisch verdreifacht mit einer Anzahl von 2000000 Türken 2001.
    http://www.vdk.de/perl/cms.cgi?ID=bb13763&SID=9c2dUoAhSqxM9xL7DBYHbA8P0zAEWf
    Und diese Zahlen stimmen auch schon nicht mehr.
    http://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkeist%C3%A4mmige_in_Deutschland
    Muss man da jetzt eigentlich noch großartig irgendetwas sagen?
    Deswegen wird diese Ungleichheit so lange anhalten bis die Anzahl der Türken vielleicht auf ein Drittel der jetzigen Zahl gedrückt ist. Der Deutsche Staat wünscht keine ethnische Dominanz einer Einwanderungsgruppe, alleine schon um den gesellschaftlichen Frieden zu erhalten.
    Alleine schon in vielen Ausländerbeiräten sind Türken mit über 50 % an Beiratsmitgliedern vertreten. Kann mir hier in der Runde bitte mal jemand sagen was daran Multikulturell ist?

    @elimu
    Ihr Gefühl der Zwiespältigkeit kann ich durchaus nachvollziehen. Das kommt aber auch aufgrund der jahrelangen Gedankengänge der 1. Generation ständig auf gepackten Koffern zu sitzen. Dieses Gefühl haben Sie wohl vielleicht von Ihren Eltern mitbekommen. Wenn ich Sie wäre würde ich schlicht aufpassen, das ich das nicht weitergebe. Weil sonst ändert sich nie was.

  5. YMelodieY sagt:

    Hallo Boli,

    Ihr Beitrag imponiert mir sehr. Durch die Deutlichkeit, in der Sie ausdrücken, warum es in Deutschland mit der Integration von Türken überwiegend nicht klappt, haben Sie – meiner Meinung nach – jeder weiteren Diskussion die Grundlage entzogen.

    Wir Deutschen wollen die Mehrheitsgesellschaft in unserem eigenen Land bleiben.

    Freundliche Grüsse
    YMelodieY

  6. bogo70 sagt:

    @ YMelodieY ,
    Leider bin ich schon zu alt für mehr Kinder, aber ich würde ihnen gern den Gefallen tun und noch ein paar kleine, süße, deutsche Kinder in die Welt setzten. Ich frag aber gern für sie bei meinen Kindern nach, vielleicht erfüllen die ja ihren Wunsch. 😉



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