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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben in dieser Woche gerade einige Gesetze verabschiedet – zum Beispiel gegen die Scheinehe. Und wir wollen damit deutlich machen, dass wir solche Zwangsverheiratungen zum Beispiel nicht billigen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Video-Podcast der Bundeskanzlerin #35/10 vom 30.10.2010

Wolfgang Schäuble

„Islamischer Religionsunterricht ist ein wichtiger Baustein der Integration“

Bundesinnenminister Schäuble hat am 9. März 2009 eine islamische Religionsunterrichtsstunde an der Georg-Monsch-Schule in Offenenburg besucht. An der Grund-, Haupt- und Werkrealschule im Zentrum der Stadt wird der islamische Religionsunterricht im Rahmen des Schulversuchs nach sunnitischer Konfession erteilt.

Seit Beginn des Schuljahres 2006/07 wird an zwölf Standorten in Baden-Württemberg bekenntnisgebundener islamischer Religionsunterricht für muslimische Schüler/innen ab den Klassen 1 und 2 angeboten. Der islamische Religionsunterricht ist zunächst ein auf vier Jahre angelegter Modellversuch. Der Unterricht wird von Lehrkräften muslimischen Glaubens in deutscher Sprache erteilt.

Insgesamt nehmen 50 Schüler aus den Klassen 1 bis 4 teil. Lehrerin ist die türkische Muslima Güllü Özügenc. Frau Özügenc unterrichtet jeweils eine Gruppe in jedem Jahrgang, hauptsächlich Schüler sunnitischer Konfession, aber auch einige Aleviten. Die Kinder kommen aus der Türkei, dem Kosovo, dem Libanon, aus Palästina, Algerien, Marokko und dem Irak. Thema der heutigen Unterrichtsstunde ist der Geburtstag des Propheten Mohammed, der laut islamischem Kalender im Jahr 2009 am 8. März liegt.

„Mit einem bekenntnisgebundenen islamischen Religionsunterricht machen wir einen wichtigen Schritt in Richtung Integration“, betonte Bundesinnenminister Schäuble. „„Die Schüler lernen ihre Religion besser kennen und von Lehrern höre ich, dass die Auseinandersetzung mit den eigenen religiösen Werten und kulturellen Wurzeln beachtliche positive Effekte auf das Sozialverhalten der Schüler hat. Die religiöse Vielfalt in der Schule ist zudem nicht nur dort eine Bereichung, sondern wird auch den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt in unsrem Land stärken.“

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4 Kommentare
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  1. delice sagt:

    Ein wichtiger Baustein zu einer besseren Inegration wäre die Aufgabe des Widerstands von Herrn Schäuble & Co. uns endlich unser Recht auf eine doppelte Staatsangehörigkeit, wie es im § 12 Abs. 2 StAG über 500 Millionen Eu-Ausländern, den Schweizern und den Deutschen gegeben wird, uns einfach zu gestehen.

    Alles andere ist dann eine Mogelpackung, und derb ausgesprochen nur ein Wiegenlied, wollte sagen Verar….!

    Wenn man den Absatz 1 liest, so darf man wohl behaupten, dass es alle Menschen kriegen nur nicht türkische Staatsbürger!!!!!!

  2. Gerd sagt:

    Hallo Delice,

    für die Muslime ist die Durchführung des Islam-Unterrichts ein großer Erfolg. Ein Schritt wurde gemacht, die dauerhafte Umsetzung liegt an der Mitarbeit der Muslime. Es wäre doch nett, wenn der eine oder andere von euch jetzt mit einem „elhamdüllillah“ frei aufatmen würde und seine Zufriedenheit mit einem Lächeln bekunden könnte.

    Die Frage nach der Doppelt-Staatsbürgerschaft sollte doch die Moslems nicht an der Teilnahme zum Islamunterricht hindern – Oder? 🙂

    Zu gern würde ich wissen, warum die Doppelt-Staatsbürgerschaft für Dich so wichtig ist. Leider geht es in diesem Artikel um den Islam-Unterricht.

    Gruss

    Gerd

  3. delice sagt:

    Hallo Gerd,

    Naja, ließ doch mal den entsprechenden § 12 Abs. 2 StAG, dann wirst du sehen, dass mehr als 500 Millionen Menschen alleine aus dem EU-Raum. der Schweiz und Deutschland dieses Anrecht haben.

    Aus Absatz geht hervor, dass auch der Rest der Welt es haben kann – nur nicht türkische Staatsbürger!

    Auch nicht, wenn sie deutscher Staatsbürger geworden sind! Was wieder das GG z.B. in Art. 19 und 33 GG verletzt

    Artikel 33
    (1) Jeder Deutsche hat in jedem Lande die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.

    Die Verweigerungshaltung des deutschen Gesetzgebers gegenüber türkischen Staatsbürgern, gerade sie aus dem § 12 StAG auszunehmen, ist mit rechtlichem und menschlichem Verständnis nicht mehr zu begreifen, und auch nicht mehr halten und nicht begründen. Wie lässt sich eine derartige krude Denkvorstellung eigentlich noch begründen?! Vielleicht, nur noch mit einem offenen Ressentiment gegenüber muslimischen türkischen Staatsbürgern, eigentlich kann man dies nur noch mit einem glasklaren Ethnozentrismus, also einem offenen Rassismus, aber auch auf einem feinsten subtilen Rassismus – nur noch begründen. Die Religion ist zwar mit im Spiel, aber nicht ausschlaggeben für diese unerträgliche geistige Haltung! Denn sonst wären die schon genannten Staatsbürger aus muslimischen Staaten nicht vom § 12 Abs. 1 StAG begünstigt.

    Am Beispiel der Iraner willich das mal auch festmachen:

    Das begründet sich z.B. natürlich auch darin, dass der erste Schub der Iraner, mehrheitlich männliche Studenten waren, die vom persischen Schah, in den 60er Jahren, in den „Westen“ ausgesendet wurden, um dort alles zu lernen und dieses dann später dem Land wiederzugeben, es mit – nach westlichem Vorbild – aufzubauen.

    Mit der ersten islamischen Revolution, unter Ayatollah Khomeini (āyātullah ‚al-khumayniyy), flohen im Jahre 1979 alleine damals schon über 60.000 deutsche Ehefrauen von ehemaligen iranischen Studenten aus „Terhan“ – direkt nach Deutschland zurück! Im Übrigen sind iranische Frauen sich auch nicht zu schade, eine Ehe mit einem bekannten Spross bzw. Erben eines Deutschen Industriellen (wie z.B. mit „Sexy Sachs“ bzw. „Foto-Sachs“ u.a.) und einem Freiherrn (wie z.B. mit einem Fürst von Stauffenberg u.a.) oder dem deutschen gehobenen Bildungsbürgertum sich hinein zu verheiraten – das Manko einer vermeintlichen „strengen Muslima“ hin oder her.

    Die Resultate sind denn auch mehr als, sehr beachtenswert, dass dann auch nicht nur in einem § 12 Abs. 1 StAG eingeflossen ist, sondern auch in der Begeisterung eines Herrn Schily über die völlige Naturalisierung, also des völligen Untergehens der eigenen persönlichen Herkunft, in die deutsche Gesellschaft und auch der Verlautbarungen anderer angenehm berührter deutscher Politiker. Könnte es ein „Domestos“ für die Haut geben, wäre auch das kleine Problem, mit dem etwas dunkleren Teint völlig gelöst. Tja nicht jeder hat das Klein-Geld eines M. Jackson! Beachtenswert genug auch deshalb, weil die jahrzehntelange Angstmache- Rhetorik gen „Westen“ und besonders gen „Israel“ aus dem Iran, keine Konsequenzen auf die hiesige iranische Diaspora haben konnte, denn all das konnte und kann bei ihnen einfach nur so abperlen! Obwohl es doch zur Deutschlands Staatsräson gehöre dem Staate Israel beizustehen, so der O-Ton der ersten Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel!

    Wäre es die Türkei, an Stelle des Iran, dass so sich in der Welt zeigen würde, dann wäre es sicher erst recht nicht hier auszuhalten, man würde wohl als türkischer Staatsbürger jeden Tag gesteinigt werden.

    Aber die Türkei hat dennoch ein weitaus negativeres Bild in Europa und auch in Deutschland zu vertreten! Da hilft es ihr auch überhaupt nicht in europäischen Organisationen Mitglied zu sein, selbst nicht als Verteidigungs-Partner!

    Es ist wohl das Pech, der hier lebenden Menschen aus der Türkei, dass ihnen wohl gar nichts zugute kommt, weder die Waffenbrüderschaft aus dem Ersten Weltkrieg mit dem Deutschen Reich, noch das unbedingte Festhalten der Neutralität mit Hitler-Deutschland, dass sie fast bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs durchgehalten hatte! Aber auch nicht bei der späteren Beteiligung des Aufbaus, des Deutschlands nach 1949, und damit auch ihren großen Beitrag zum Wohlstand der BRD, also der Wirtschaftswunderjahre, mit seinen Staatsbürgern geleistet hatte! Sind sie dennoch die Schmuddel-Kinder der deutschen Nation geblieben, Urlaub in der Türkei, hat einen Herrn Beckstein trotzdem zu einem „Türken-Fresser“ gemacht. Für sie wird alles Erdenkliche auch in Gesetzen erdacht! Bei weiteren Ausführungen wollen wir es lieber dann auch belassen.

    Und das stinkt eben zum Himmel!

  4. Gerd sagt:

    Hallo Delice,

    vielen Dank für deine ausführliche Darstellung. Jetzt kann ich dich auch besser verstehen. Es sind Handfeste Gründe um sich das Leben damit schwer zu machen. Nur, was bringt es wenn Du vor lauter Wut in Ohnmacht fällst oder deine Nerven überstrapazierst. Damit ist weder dir noch anderen geholfen, die genauso wie DU denken.

    In Sachen Doppelt-Staatsbürgerschaft hätte ich eine Idee. Was hältst Du davon, dein Fachwissen und deinen Ehrgeiz gezielt einzusetzen? Es soll speziell für dieses Thema eine Gruppe in Hamburg geben. Ein Prof. Hakki Keskin soll diese Gruppe gegründet haben und sehr kompetent sein.

    Sollte es einen Leitartikel zum Thema „Doppelt-Staatsbürgerschaft“ geben, können wir gerne weiter diskutieren 🙂

    Gruß

    Gerd



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