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Migration und Integration in Deutschland

[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden.

Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Weber, 1974

Ausländerkind

Meine knifflige Integrationsgeschichte

Es heißt, das Hauptproblem sei, dass sich die Menschen mit Migrationshintergrund nicht ausreichend integrieren würden. Was bedeutet Integration? Es bedeutet, dass man die Sprache lernt, sich Kenntnisse über das Land und die Geschichte aneignet und vielleicht auch noch arbeitet.

VONSophia Adam

DATUM6. März 2009

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DANKE,
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Also, ich wurde in einer kleinen hessischen Stadt geboren, war dort das einzige Ausländerkind, bin dort in den Kindergarten gegangen und mein Deutsch hatte eher einen hessischen als ausländischen Akzent. Ich bin in einer wohlbehüteten Kleinstadt ohne Kriminelle, Drogenabhängige und Co aufgewachsen, in der die Ausländerfamilie die einzige Attraktion war.

Mal schauen inwieweit ich mich integrieren konnte. Also, die deutsche Sprache habe ich gelernt. Ich hatte sogar im Abitur Deutsch als Leistungsfach belegt und mit einem Abischnitt von 1,8 auch recht gut abgeschnitten. Also, sprachtechnisch gesehen: integriert.

Weiterhin habe ich angefangen Recht zu studieren und dieses Studium auch erfolgreich abgeschlossen. Integrationstechnisch gesehen, sehr gut. Mit dem deutschen Recht kenne ich mich besser aus als die meisten Deutschen, die sich nicht mit dem Zusatz „mit Migrationshintergrund“ schmücken dürfen.

Soweit so gut. In meiner Freizeit versuche ich Jugendlichen mit Migrationshintergrund unter die Arme zu greifen und versuche ihnen näher zu bringen, dass auch sie ein Teil dieser Gesellschaft sind und sich hier zu Hause fühlen sollen.

Nach dem Jurastudium wollte ich meinem Integrationsziel noch näher kommen und habe meine Referendariatsstelle bei Gericht angetreten. Mit leichter Nostalgie blickte ich vom Gericht auf das genau gegenüber liegende Krankenhaus, in welchem ich das Licht der Welt erblickte und fühlte mich heimisch. Bis hierher klingt alles sehr integriert.

Dummerweise hielt dieses heimische Gefühl nicht lange. Kurz nach meinem Antritt wurde ich vom Präsidenten des Gerichts gerufen. Ich dürfe nicht neben dem Richter sitzen.

„Aber warum denn? Ich habe doch mein Examen erfolgreich abgeschlossen und soll doch hier ausgebildet werden.“

„Nein, wenn ich neben dem Richter sitze, gefährde ich die Neutralität.“

„Wie? Ich sitze doch nur neben ihm und ich habe doch wie die anderen alle auch bei Amtsantritt auf die Verfassung geschworen.“

„Nein, durch das Kopftuch, welches ich trage, nutzt keine Beteuerung mehr. Allein meine Anwesenheit im Gerichtssaal neben dem Richter gefährdet die Neutralität.“

Da ich Staatskirchenrecht als Wahlfach hatte, versuchte ich zu erklären, das Deutschland eben kein säkularer Staat ist, wie z.B. Frankreich, und dass Neutralität auch bedeuten, dass alle Religionen gleichermaßen zugelassen werden, wie z.B. in England, wo die Polizisten mit der Uniform ein Sikhturban oder das passende Kopftuch bekommen und tragen dürfen.

Man könnte jetzt sagen: „Dann geh doch nach England“. Aber ich bin doch hier zu Hause, ich habe hier das Rechtssystem studiert. Meine Familie, meine Freunde sind hier. Viele deutsche Eigenschaften entsprechen meinem Wesen. Ich mag Deutschland, ich bin hier zu Hause. Ich kann weder etwas mit dem englischen Humor noch mit dem Rechtsfahrsystem anfangen. Außerdem will ich doch gar nicht weg. Mein zuhause ist hier.

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8 Kommentare
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  1. Johanna sagt:

    Erfolgreich integriert und dann Kopftuch?

    „Nein, durch das Kopftuch, welches ich trage, nutzt keine Beteuerung mehr. Allein meine Anwesenheit im Gerichtssaal neben dem Richter gefährdet die Neutralität.“

    Bei der Autorin ist die Integration gescheitert.

    Siehe Spiegel-online „Allahs Avantgarde“:

    http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=50512405&top=SPIEGEL

  2. Roi Danton sagt:

    @Johanna

    Wäre sie hintertrieben, würde sie das Haar offen tragen und würde als verdeckte Agentin für die Verbreitung des Islams in Deutschland arbeiten.
    Sie aber möchte eine offensichtliche Soldatin ihres Glaubens sein und besteht daher auf ihrer Uniform.
    Und nein, Deutschland ist nicht ihre Heimat.
    Es ist die Heimat der Deutschen.
    Aber sie und ihre Glaubensbrüder und -schwestern wollen es zu ihrer Heimat machen.

    Gruss Roi Danton

  3. Der Kreuzritter sagt:

    Seit wann spiegelt eine Religion den Erfolg einer Integration in Deutschland wieder ? Warum will man unbedingt das überhaupt jemand sich zu einer Religion oder zu einer Einstellung bekennt ? Es ist doch irrelevant ob ich Christ, Jude. Moslem oder ein angehöriger einer anderen Religion bin, wenn man, wie die Autoren, hinter dem deutschem Rechtsstaat steht. Es gibt genug Personen deren persönliche Einstellung höchst umstritten sind und trotzdem ein Richteramt bekleiden (ein gutes Beispiel ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Ronald_Schill )

    Ich versteh die Autoren und ihren unmut, ich selber bin 24 Jahre meines Lebens trotz deutschen Pass immer als Türke gesehen, plötzlich seit dem ich studiere bin ich auf einmal Deutsch. Es gibt sehr viele solche Beispiele von Mitbürgern aus Deutschland.

    Ich will jetzt hier keine „echten“ Deutsche schlecht machen, ich habe sehr viele Freunde die „echt“ Deutsch sind, aber ich lebe auch in der anderen Welt, die nur aus Türken besteht und fühle mich so wohl.

  4. Magdalena sagt:

    Sehr geehrte Autorin,

    wie Ihnen auch bekannt, stellt das Kopftuch im Islam kein Symbol dar. Leider wurde es und wird es immer noch von verfassungsfeindlichen Strömungen als Symbol missbraucht. Somit ist es verständlich, dass diese Erscheinungsform in den öffentlichen Gremien in Deutschland aber auch in der Türkei nicht erwünscht ist.

    Um Ihr Anliegen besser verstehen und nachvollziehen zu können, würde ich mich freuen, wenn Sie uns erklären würden, warum Sie Staat und Religion nicht unterscheiden möchten. Es gibt so manche Glaubens- bzw. Lebensformen, die im Privatleben durch das äußere Erscheinungsbild zum Ausdruck kommen; die jedoch auch in öffentlichen Ämtern nicht erwünscht sind. Warum muss gerade Ihre anerkannt werden?

    Hier nochmal meine Frage:
    Warum fällt Ihnen der Unterschied zwischen Staat und Religion so schwer?

    Mit freundlichen Grüssen

    Magdalena v.K.

  5. Hüseyin sagt:

    Ich bin nicht der experte im bereich Islam ich kenn nicht alle suren oder habe mal den Koran Studiert aber ich weis was integration bedeutet und was freiheit bedeutet…

    Integration stellt euch jetzt einen Kreis vor steht für Deutschland …
    und jetzt im Kreis sind lauter rote kugel steht für die deutsche bevölkerung “mit deutschen hintergrund“
    jetzt stellt euch auserhalb blaue kugel dar steht für immigranten und wenn jetzt diese blauen immigranten in diesen kreis sich reinsetzen ist das für mich integration aber sie bleiben blau….

    Es ist egal welche Religion man praktiziert oder wie sehr man es praktiziert…

    Ich bin nicht ein guter Deutscher geworden weil ich den Islam aufgegeben habe und meine wurzeln sondern erst dann wenn ich die deutsche Sprache behersche und mich dem deutschen Recht nach verhalte und annehme.

    Kopfttuch soviel ich weis muss man es nicht tragen , aber es heist man sollte es um den Blicken fremnden Männern zu entgehen.

    Ist schöner text wo vieles offen legt , weiter so machen

    mfg Hüseyin Y. 18 j

  6. abderrahmane sagt:

    Nach der „intelegenten“ Vorstellung von Roi Danton sollen alle deutsche konvirtierte Frauen (und Männer) ausgebürgert und ein neues Heimat suchen. Vielleicht sollen auch ihre uhr..uhrväter und -mütter ausgegraben und …

    Mega intelegent

  7. Nazim Kenan sagt:

    Ich möchte nicht vor einem Richter sitzen, der irgend ein religiöses Symbol am Körper trägt. Sei es nun eine Kippa, ein Kopftuch, ein Kreuz oder eine Bindi. Nicht weil ich unreligiös wäre oder speziell gegen diese religiösen Symbole etwas hätte.

    Die Bundesrepublik ist ein Rechtsstaat, dessen Rechtssprechende in juristischen Verfahren weitestgehend Neutralität wahren müssen. Dieser Grundsatz muss auch unbedingt für die äußere Erscheinung des Staates und seiner Ämter gelten.
    Die Sichtweise der Autorin ist sicherlich sehr interessant. Sie gibt Aufschluss über ihre Bemühungen, ein anständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Dafür ist ihr zweifelsohne Respekt und Anerkennung zu zollen. Nur darf das Tragen von religiösen Symbolen im Rahmen originär staatlicher Aufgaben nicht aus dem Zusammenhang gezogen werden. Denn: Wer richtet, repräsentiert auch den Staat und seine Wertvorstellungen. Bürger müssen nicht nur im Urteil sondern auch im Laufe des Verfahrens und insbesondere im äußeren Erscheinungsbild der Richter erkennen können, dass über sie ein neutraler Staat richtet. Es geht auch nicht um die Behauptung, dass die Verfassungstreue mit dem Tragen eines religiösen Symbols steht oder fällt. Es muss letztendlich um einen von seinen Bürgern anerkannten Staat gehen. Alles Denken und Tun muss im Rahmen seiner freiheitlich-demokratischen Grundordnung hierauf gerichtet sein.

    Ein „Kopftuchverbot“ bedeutet zwar einen krassen Freiheitsverlust für Musliminnen, die auf das Kopftuch bestehen. Doch muss dieser mit der Beständigkeit und letztendlich einem Mehr an Neutralität und Akzeptanz des Staats seitens seiner Bürger abgewogen werden.
    Ein Plädoyer für mehr Individualität im Staatsdienst ist deshalb an dieser Stelle nicht angebracht. Wer richtet, ist nicht mehr Privatperson, sondern Staat!

    Augenzwinkernd frage ich die Autorin deshalb: aber das Muslimin Sein wurde Ihnen nicht verboten, oder?

    Liebe Grüße,
    Nazim Kenan

  8. Claire sagt:

    anscheinend weiß der Roi Danton nichts von der deutschen Geschichte… Seit wann hat Deutschland die Grenzen, die das Land jetzt hat?? Wie lange hat es gedauert, bis das Land sich Deutschland nennt und überhaupt zu einer deutschen Einheit kam??? Ein Rückblick auf dem 19. Jahrhundert mit Preußen, k. u. k. Monarchie usw.., wäre dringend notwendig! Deutschland gehört nicht Deutschen alleine. Nicht nur Deutschen haben dieses Land gegründet, sondern viele verschiedenen Völker über mehrere Jahrhunderten. Welcher Deutscher kann jetzt von sich behaupten, daß er ein echter Deutscher zu absolut 100% ist?? Keiner. Pisa läßt grüßen..
    Nach dem zweiten Weltkrieg fehlten es auch an Arbeitskräften, geholt wurden Türken, Nordafrikaner, Italiener usw.. alle haben dazu beigetragen, daß Deutschland schnell und auch wirtschaftlich nach oben ging. Was für eine Dankbarkeit??? Welche Menschenrechte herrschen in Deutschland??? Welche Demokratie?? Alles nur gespielt. Also Geschichtsbücher kaufen, sich bilden und nachdenken, Hirn anstrengen, und dann diskutieren. Sonst ist es reine Zeitverschwendung.



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