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Migration und Integration in Deutschland

Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

Hessen

Grüne bieten im Koalitionskonflikt um Islamunterricht Hilfe an

„Wir Grüne unterstützen nachdrücklich das Vorhaben von Kultusministerin Henzler, Islamunterricht bzw. islamische Religionskunde als Unterrichtsfach an unseren Schulen einzuführen“, macht die integrationspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Mürvet Öztürk, deutlich.

„Allerdings haben Teile der CDU-Fraktion, allen voraus deren bildungspolitischer Sprecher Irmer, mit diesem Vorhaben ideologische Probleme“. Dies zeigten verschiedene öffentliche Äußerungen sowie eine Kleine Anfrage zum Islamunterricht (Landtags-Drucksache 18/60). Auch Kultusministerin Henzler habe in ihrem heute erschienenen Interview mit der Frankfurter Neuen Presse solche Probleme eingeräumt und angekündigt, dass darüber mit der CDU intensiv gesprochen werden müsse.

„Offenbar rächt sich nun, dass die Koalitionsverhandlungen eher von Diskussionen um Posten als von inhaltlichen Einigungsprozessen geprägt waren. Der Islamunterricht ist nur eines von vielen Themen im Bildungsbereich, die Konfliktstoff in sich bergen. Für den dringend notwendigen Aufbruch im Bildungssystem verheißen die deutlichen inhaltlichen Differenzen über die Umsetzung des Koalitionsvertrages zwischen den FDP und CDU, die nun erstmals zu Tage treten, nichts Gutes.

Wir müssen in Hessen in Sachen Islamunterricht endlich einen Schritt weiter kommen. Daher sind wir Grüne gerne dabei behilflich, den anstehenden Gesprächsprozess der Koalitionäre zu unterstützen“, bietet die integrationspolitische Sprecherin an. „Wir werden dieses Thema daher in der nächsten Woche im Plenum des Hessischen Landtages zum Setzpunkt machen“.

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3 Kommentare
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  1. surviver sagt:

    Ich verstehe manch Sachen nicht.
    Einerseits wird durch einige „Medienorgane“ Islamophobie verbreitet (z.B. Koranverteilung) und Hetze betrieben, andererseits soll Islamunterricht eingeführt werden.
    Ich dachte, Islamunterricht gibt’s schon lange in der Schule oder hat man das abgeschaft?
    Wenn ihr was für Bildung tun wollt, gründet mehr Privatschulen und stellt mehr Leute mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst ein.
    Alles andere ist Heuchelei und verlogene Politik.

  2. Saadiya sagt:

    @surviver: „Einerseits wird durch einige “Medienorgane” Islamophobie verbreitet (z.B. Koranverteilung) …“

    Möglicherweise ein Verschreiber oder anders von Ihnen gemeint, aber ich habe noch nie gehört, dass die „Medienorgane “ ihre Islamophobie unter der Bevölkerung verbreiten, in dem sie den Koran verteilen. Vielleicht könnten Sie den Punkt mal genauer erklären.

    „Ich dachte, Islamunterricht gibt’s schon lange in der Schule oder hat man das abgeschaft?“

    Das was es bisher in einigen Bundesländern an Schulen gab, war das Fach „islamische Unterweisung“ oder „Islamkunde“. Der unterschied sich vom 2012 eingeführten Fach „Islamunterricht“ dahingehend, dass der Lehrer/die Lehrerin keinerlei Ausbildung dafür benötigte. Das bedeutete, dass jeder oder jede Person, die von sich aus behauptete, sich mit dem Islam auszukennen, die islamische Unterweisung an der Schule durchführen konnte. Streng genommen musste er/sie noch nicht einmal das Bekenntnis vorleben oder sich dazu bekennen, Es gab nur eine Art „neutrale Informationsposition“. Das bedeutete oft, dass einfach der Türkischlehrer an der Schule diese Aufgabe übernommen hatte, ohne das er nachweisen musste, wirklich ein „Islamkundiger“ bzw. praktizierender Muslim / praktizierende Muslima zu sein.

    Mit der Einführung des ordentlichen Schulfaches „Islamkunde“ muss die Lehrkraft nun ein in Deutschland anerkanntes Studium (Islam auf Lehramt oder islamische Theologie) vorweisen bzw. benötigen eine offizielle Lehrerlaubnis. Darüber hinaus existiert nun ein amtliche Lehrplan für das Fach „islam“. Dies war zuvor nicht der Fall. Außerdem ist es nun ein offizielles Unterrichtsfach, während es zuvor lediglich eine freiwilliges Angebot war, dass nach dem eigentlichen Unterricht in den Nachmittagsstunden angeboten wurde.

  3. surviver sagt:

    @saadiya
    Ja, stimmt. Sorry.
    Was ich damit meine. Also. Aus dem Bericht entnehme ich im ersten Augenblick „ach so, Islamunterricht ist in Deutschland also verboten und eine Kultusminister in setzt sich dafür einein…“.
    (Seh gerade, der Bericht ist von 2009. Dachte der ist aktuell)
    Wahrscheinlich war dieses Fach früher freiwillig und soll als Pflichtfach eingeführt werden. (oder wie auch immer).
    Wenn man sich bei YouTube mal die Berichterstattungen einiger Sender (sind das keine Medienorgane?) bezüglich der LIES-Aktion (Koranverteilung) anschaut, denkt man, dass die in deutschen Innenstädten eine Anleitung zum Bau einer Bombe verteilen.
    Dass meine ich. Ich weiß vielleicht mit meiner Malochersprache manchmal nicht plausibel zu artikulieren, aber hier wird doch ein doppeltes Spiel gespielt.
    Einerseits SOLL man sich im Unterricht bilden, andererseits SOLL NICHT, oder wie SOLL man dann?
    Worauf basiert denn der „Lehrplan für das Fach Islam“, wenn nicht auf den Koran. Wonach soll man sich dann in Bezug auf den Islam (oder „den Islam“)
    eine Meinung bilden?
    Aber, der Unterschied ist im Endeffekt der: Den Koran lesen, ist das Eine, und den Koran interpretieren, das Andere.
    Was mich interessieren würde ob die Kultusminister in Henzler noch im Amt ist. Die hat man bestimmt eliminiert.



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