Die Studie wurde über einen Zeitraum von sechs Jahren in 40 muslimischen Ländern geführt, bei der mehr als 50.000 Personen in Direkinterviews befragt wurden und ist repräsentativ für 1,3 Milliarden Muslime weltweit. Die Studie ergab zudem auch, dass unter den Muslimen der Wunsch nach dem heiligen Krieg nicht dominant ist. Vielmehr wünschen sie sich unter anderem einen besseren Job.
Auf der anderen Seite identifizieren sich Muslime mehr mit dem Staat als Nicht-Muslime, hier spielt die Bedeutung ihrer Religionszugehörigkeit keine primäre Rolle.
Entgegen der Annahme betrachten Muslime den Westen nicht als eine unteilbare Einheit. Sie unterscheiden vielmehr die einzelnen Staaten abhängig nach ihrer jeweiligen Politik. Laut der Studie zählen Muslime zu den Vorzügen des Westens die Demokratie und Technologie. Ein anderes Ergebnis: Muslimische Frauen wünschen sich mehr Religion in der Gesellschaft und Gleichberechtigung gleichermaßen.
Die Studie, gesammelt und analysiert von John L. Esposito, einem führenden US-amerikanischen Islamwissenschaftler und Professor an der Georgetown-Universität in Washington, sowie Dalia Mogahed, Analystin und Direktorin des Gallup Center für Islamstudien, nahmen die Anschläge des 11.Septembers als Anstoß, um der Frage nachzugehen, wie denn Muslime auf der ganzen Welt über die Anschläge denken würden.
„Niemand in Washington hat auch nur eine Ahnung von dem, was 1,3 Milliarden Muslime denken. Und trotzdem erarbeiten wir komplexe Strategien, die für immer die Welt verändern werden“, sagte er damals und gab eine bisher einzigartige Langzeitstudie auf diesem weitgehend unerforschten Feld in Auftrag.
Die Langzeitstudie, bei der die beiden Wissenschaftler 50.000 Gespräche mit Muslimen in mehr als 40 überwiegend islamischen Ländern führten, wurde zu einem Buch verarbeitet mit dem Titel: Wer spricht für den Islam? Was eine Milliarde Muslime wirklich denken. Mit der Studie werde bezweckt, Klischees, Stereotypen und konventionelle „Erkenntnisse“ von selbsternannten Experten aufzulösen.
Verglichen mit den USA glauben die Muslime nicht, dass Deutsche aggressiv sind. Mit den Amerikanern werden hingegen schlechte Eigenschaften wie Rücksichtslosigkeit, Aggressivität und moralische Dekadenz verbunden. Den Westen bewundern Muslime für seine Demokratie und seine bürgerlichen Freiheiten- auch wenn sie kein Aufzwingen westlicher gesellschaftspolitischer Strukturen dulden.
„Die Muslime wollen Selbstbestimmung, kein US-gesteuertes und -definiertes Demokratiemodell. Sie wollen weder Säkularismus noch Theokratie. Die überwältigende Mehrheit aller Muslime will ein demokratisches System mit religiösen Grundwerten“, erläutert John Esposito.
Eine andere wichtige Erkenntnis der Studie zeigt, dass Muslime mehr Respekt für ihren Glauben und für sich selbst wünschen. Dies würde ihrer Meinung nach das Verhältnis zwischen dem Westen und den islamischen Gesellschaften entscheidend verbessern.
Die Studie mit diesem Umfang gilt als repräsentativ. Der Erheber der Studie, John L. Esposito, ist ein führender US-amerikanischer Islamwissenschaftler und ist Autor oder Co-Autor von 36 Büchern, darunter von der vierbändigen Oxford-Enzyklopädie der Modernen Islamischen Welt. Das Gallup-Institut gilt zudem als Flaggschiff der internationalen Meinungsforschung.