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Ausländische Namen

Wohnungssuche mit ausländischem Namen schwieriger

Auf dem Berliner Wohnungsmarkt haben es Menschen mit ausländischem Namen schwieriger, eine Wohnung anzumieten. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Emsal Kilic, Soziologin türkischer Herkunft, im Rahmen einer Diplomarbeit an der Humboldt-Universität jetzt vorgelegt hat.

Berliner Soziologin, Emsal Kilic, bewarb sich im Rahmen einer Diplomarbeit hundertfach mit identischen Lebensläufen, aber unterschiedlichen Namen bei Vermietern auf dem Berliner Wohnungsmarkt für Wohnungen in zwei verschiedenen Stadtteilen. Die identischen Schreiben mit gleichen Voraussetzungen unterschrieb sie zur Hälfte mit einem deutschen Namen, die andere Hälfte mit einem türkisch klingenden. In dem vornehmen Stadtteil von Berlin, Wilmersdorf, erhielt die Migrantin keine einzige Zusage, die deutsche Vergleichsperson dagegen sechs, während die Mieterin mit ausländischem Namen in Neukölln elf Zusagen erhielt, die Deutsche dagegen nur zwei weniger.

„Das belegt, dass auch für aufstiegsorientierte Migranten bestimmte Stadtteile Sperrgebiet sind“, zieht so der Soziologe Hartmann Häußermann, der die Arbeit begleitete, den Schluss. Dafür hätten die Wohnungsunternehmen selbst gesorgt: „Die dürfen diskriminieren, weil sie sich in dem Gleichbehandlungsgesetz das Recht einräumen ließen, für eine ausgewogene soziale Mischung zu sorgen“, sagt er. Auch die Landesstelle für Gleichbehandlung bestätigt, dass „die Auslese auf dem Wohnungsmarkt oft auf Grundlage des Namens erfolgt.“

Um die diskriminierende Mieterauswahl zu entlarven, wählte die Soziologin Emsal Kilic nur Vermieter mit mehr als 50 Wohnungen aus, für die das besagte Gleichbehandlungsgesetz gilt. Alle dieser Vermieter bevorzugten die deutsche Bewerberin. Mit ihrer Untersuchung möchte die Wissenschaftlerin die Verdrängung von sozial schwachen Berlinern aus Citylagen und deren Zusammendrängung in Stadtteile wie Neukölln oder Wedding beschreiben.

„In Neukölln hätte die Migrantin eine sanierungsbedürftige Wohnung im Erdgeschoss sofort mieten können“, belegt die empirische Studie von Kilic. Bei zehn anderen Wohnungen erhielt sie nach der Besichtigung eine Einladung des Vermieters zu Vertragsverhandlungen in dem besagten Stadtteil. Dagegen ist ein ausländischer Name für Vermieter in Wilmersdorf tabu: Keinen einzigen Besichtigungstermin bekam die Migrantin mit türkischem Namen angeboten, die wenigen Antworten zu ihren Briefen waren alles nur Absagen. Dagegen wurde der deutschen Frau sechs Zusagen für Wohnungsbesichtigungen zugebilligt.

Da die Testpersonen der Studie gleiche Bedingungen erfüllten und bei der Wohnungsbesichtigung im Äußeren auch nicht voneinander zu unterscheiden waren, belegt dies laut Häußermann, dass die Diskriminierung ausschließlich aufgrund des fremden Namens erfolge.

Der Leiterin der Landesstelle für Gleichbehandlung, Eren Ünsal, zufolge laufe die Auslese der Mieter häufig im Heimlichen ab. Dies sei der Grund dafür, warum es so wenige Beschwerden hierzu gebe. Bewerbern mit fremden Namen und Deutsch mit Akzent werde vorgetäuscht, dass die Wohnung kürzlich vergeben sei. Ein ähnlicher Fall brachte die Sozialwissenschaftlerin Emsal Kilic so zu ihrer empirischen Studie. Ihr Bruder bekam plötzlich eine Absage für eine Wohnung, obwohl die Besichtigungstermine erst Wochen später stattfinden sollten. Fazit: Nicht er, sondern ein Deutscher bekam den Mietvertrag.